speck veg.

seit fast einem jahr ernähre ich mich vollständig fleischlos. das kam einfach so von selbst – kurz vor der geburt des kleinen sohnes wandelte sich jeglicher appettit auf fleisch plötzlich in abneigung oder sogar ekel. wenig später las ich foers „tiere essen“, was mich darin bestärkt hat, kein fleisch mehr essen zu wollen. anfangs habe ich fleisch hin und wieder vermisst, mittlerweile fehlt mir gar nichts mehr. vermutlich auch, weil ich vor längerer zeit schonmal 1, 5 jahre vegan gelebt habe und aus dieser zeit weiß, wie facettenreich und lecker fleischlose gerichte sein können.

[365-184] lunch.

tiere leiden aber nicht nur in dem moment, in dem sie für ihr fleisch getötet werden, sondern auch, während sie mit riesigen, schmerzhaft entzündeten eutern in düsteren, stickigen ställen stehen, damit wir ihnen die milch abpumpen können, die eigentlich für ihre kälber gedacht ist. auch der kauf des besten biofleisches oder der besten biomilch bedeutet nicht, dass das tier keine qualen erlitten hat. auch bio- rinder dürfen beispielsweise noch immer ohne betäubung kastriert werden. und auch bio- milchkühe werden zwischen 4 und 14 tage nach der geburt von ihren kälbern getrennt. eine aktuelle pro- veganismus- kampagne titelt „milk comes from grieving mothers“. wir lassen kühe babies kriegen, damit ihre milchproduktion angeschaltet wird und dann nehmen wir ihnen die babies weg, damit wir die milch für uns abzapfen können. man weiß heute, dass auch (säuge-)tiere gefühle wie angst und trauer empfinden, und insbesondere letztere auch über lange zeiträume nach dem auslösenden ereignis hinweg. es ist nicht so, dass die kühe ihr kälbchen vergessen, aus den augen, aus dem sinn oder so, kurz nachdem sie von ihm getrennt wurden. sie leiden darunter vermutlich nicht weniger, als eine menschliche mutter im gleichen fall leiden würde.
man kann das abwiegeln oder albern finden, aber mich trifft das. deshalb habe ich mir während des vergangenen fleischlosen jahrs oft gewünscht, der hebel würde sich noch eine stufe weiter umlegen und mich von der vegetarierin zur wieder veganerin werden lassen. über längere zeiträume hinweg war ich auf einem guten weg dahin – aber es fällt mir schwer auf parmesan oder hüttenkäse zu verzichten. zur zeit esse ich auch wieder viel käse aufs brot.

[365-247] lunch.

neulich stolperte ich über die aktion „speck? veg!“ der veganen gesellschaft e.v. es geht dabei darum, ab morgen, dem 2. mai, 21 tage lang vegan zu leben. kein fleisch, keine eier, kein honig, keine tierischen milchprodukte. die kampagne lockt damit, dass man damit rechnen dürfe, in diesen drei wochen 5 kilo abzunehmen, da ich noch das ein oder andere schwangerschaftskilo übrig habe, käme mir das nicht ungelegen. aber das ist nicht meine motivation, dort mitzumachen – ich hoffe, dass ich mich in diesen 21 tagen wieder erfolgreich davon überzeugen kann, dass man statt butter auch olivenöl, avocado oder magerine nehmen kann. und dass backgemüse auch mit sojajoghurt, und mein morgendliches müesli auch mit hafermilch sehr gut schmeckt. und aufs brot kann man jede menge verschiedener veganer aufstriche essen. und gerade jetzt, wo der sommer kommt, kann man auf brot auch prima verzichten und stattdessen eine leckere schale beeren futtern.

[365-212] lunch.

[354-130] breakfast.

kurzum: ich werde da mitmachen und auf diesem weg vielleicht wieder zurück zum veganismus finden. und ich fände es sehr cool, wenn ihr auch mitmachen würdet. probiert es doch einfach mal aus – es sind nur 21 tage.
in diesen kommenden drei wochen werde ich hier einige meiner liebsten veganen rezepte posten. zusätzliche rezeptanregungen, informationen und denkanstöße findet ihr hier:

in deutscher sprache:

facebook: faktenfutter
vegane gesellschaft deutschland e.v.
foodwatch
vegan ist extrem
film über veganismus: easy vegan
peta.de: warum vegan?
vegane rezepte: attila hildmann

englischsprachige seiten:

supervegan.com
vegan appetite
yeah, that vegan shit!
your vegan mom
urbanvegan
two vegan boys

und, seid ihr dabei?

NACHTRAG: frau jademond, die schon seit jahren vegan lebt, unterstützt mich und euch während der kommenden drei wochen, in dem sie auch verstärkt rezepte postet und von ihrer art, vegan zu leben berichtet. verlasst euch drauf, dass das sehr inspirierend und eine gute unterstützung sein wird.

17 Kommentare

  1. eilan
    Am 01.05.2011 um 11:19:23 Uhr [Link]

    Hey du!

    Ich esse auch seit einigen Monaten ganz offiziell kein Fleisch mehr. Wir essen total oft vegan, aber ich liebe Weichkäse so…
    Ich schlag die Aktion mal dem Liebsten vor und überlege.

    Liebe Grüße,
    Eilan

  2. Mairlynd
    Am 01.05.2011 um 11:36:33 Uhr [Link]

    Ich wäre gerne dabei, aber ich stille noch und da mag ich im Moment keine so große Umstellung machen. Ich wollte eigentlich auch gerne eine Woche vor Ostern fasten, aber stillend geht es eben nicht.

    Ich mache Dein Projekt trotzdem gerne mit, gib mir ein paar Monate. Ich werd es nicht vergessen.

  3. Ines
    Am 01.05.2011 um 11:42:22 Uhr [Link]

    Tschuldige, aber Du bist nicht wirklich der Meinung, dass Kühe in düsteren stickigen Ställen stehn und dort weiter Milch geben? Und dass die Milch, die eine Kuh mit entzündetem Euter gibt, in der Molkerei mit der übrigen Milch weiter verarbeitet wird und in den Handel geht?
    Jede(r) soll essen, was ihm schmeckt. Aber so zu pauschalieren ist nicht nett und wird den hart arbeitenden Landwirten nicht gerecht.
    Sonnige Sonntagsgrüße!

    • ringelmiez
      Am 01.05.2011 um 19:22:58 Uhr [Link]

      ich beziehe mich, das hätte ich vielleicht deutlicher sagen können, mit dieser aussage nicht auf die relativ wenigen höfe, auf denen tatsächlich noch hart arbeitende landwirte unterwegs sind, die mit herz und verstand gute produkte erzeugen. sondern ich beziehe mich damit auf die milchviefarmen, auf denen tausende überzüchteter kühe stehen, von denen jede einzelne pro jahr mindestens 8000 liter milch liefert. liefern muss. das sind mehr als 20 liter milch pro kuh pro tag. es gibt auch kühe, die liefern bis zu 60 liter am tag. milch, die dann hauptsächlich in discountern verkauft wird, zu unglaublichen spottpreisen. ich beschäftige mich mit diesem und verwandten themen seit vielen jahren und ich war auch schon auf einer konventionellen putenfarm und habe die zustände dort gesehen. ich weiß auch, dass es nicht überall so ist. aber der allergrößte teil der höfe, wo die discounter- milch gemacht wird, bietet den kühen keine schönen umstände. abgesehen davon, wie es den tieren geht und selbst dann, wenn die umstände ihrer haltung in ordnung sind, stellt sich für mich auch grundsätzlich die frage, ob es überhaupt okay sein kann, tiere ihres fleisches, ihrer eier oder ihrer milch wegen einzusperren, leiden zu lassen und am ende zu töten. die einzige antwort, die ich darauf für mich persönlich finden kann, ist ein klares nein. aber das muss jeder für sich entscheiden.

      • Ines
        Am 02.05.2011 um 21:09:00 Uhr [Link]

        Die Kühe geben soviel Milch, weil sie entsprechend gezüchtet und gefüttert werden. Gib ihnen weniger (hochwertiges) Futter und sie leisten auch weniger. Aber auch Nutzpflanzen sind auf höchstmöglichen Ertrag hin selektiert…
        Es steht außer Frage, dass jede(r) für sich entscheiden muss, was er/sie isst und woher und wie die Lebensmittel auf den Teller kommen sollen.
        Ich esse zu 90% Gemüse, Obst, Kräuter, Eier, diverse Getreide- und Milchprodukte. Regional, gerne bio, wenn möglich und geschmacklich besser. Wenn Fleisch, dann ist es 100% Bio. Wie das geht? Wild hat bestimmt nie einen düsteren Stall gesehen und Zeit seines Lebens nur die Dinge gefuttert, die ihm schmecken. Ich „produziere“ ein gesundes Lebensmittel, dass lecker schmeckt und mir hilft, leistungsfähig zu bleiben, ohne auf fragwürdige Ersatzstoffe ausweichen zu müssen. (Gen-Soja??)
        Wenn ich angeln nicht so langweilig fände, würde ich auch die zu grillenden Fische selbst fangen.

  4. Micha
    Am 01.05.2011 um 12:26:28 Uhr [Link]

    Das werde ich wohl ganz nicht schaffen (das Abnehmen wäre bei mir auch kontraproduktiv), aber ich freue mich auf ein paar vegane Anregungen! LG, Micha

  5. Ramona
    Am 01.05.2011 um 17:43:04 Uhr [Link]

    Da bin ich wirklich neugieirg auf Rezepte und überhaupt. Hats du wunderbar zusammengefasst. ich mach mit. Ich esse schon vegan, werde aber in dieser Zeit auch verstärkt Food-Lastigen Content in meinem Blog bringen. Hab ich jetzt mal beschlossen.

  6. serinca
    Am 01.05.2011 um 19:23:36 Uhr [Link]

    Ich hab noch ein bisschen was im Kühlschrank das ich verbrauchen muss bis ich mitmachen kann (wegwerfen kann ich das nicht.)
    In einer Woche steige ich also auch mit ein. :)

    Was mich interessieren würde, wie ist das finanziell, schlägt es sehr zu buche?

    Milchprodukte vertrage ich selbst ja kaum, die Minimaus verschlingt Joghurt aber. Und da sie momentan täglich zweimal ein Pulver nehmen muss bekommt sie auch täglich Joghurt. Mal sehen ob ich ihr auch Fruchtmus oder ähnliches schmackhaft machen kann.
    Den Impuls finde ich jedenfalls super.

    • ringelmiez
      Am 01.05.2011 um 19:38:52 Uhr [Link]

      thumbs up :)
      bezüglich der finanziellen seite veganer ernährung kannst du dich gern bei frau jademond inspirieren lassen, die bringt sich selbst, zwei kinder und einen halben mann von ca. 300 euro monatlich vollständig bio und vegan durch :)
      meine eigene erfahrung aus mageren studentenzeiten war, dass es definitiv eine gewohnheitsumstellung ist, sich vegan und bio zu ernähren, wenn man vorher überwiegend beim discounter gekauft hat. ich habe dann angefangen, mit dem lebensmittelbudget sehr genau zu planen, mahlzeiten generell anders zu begreifen und flexibel zu sein. dinge, die gerade saison haben, gibts oft im angebot, dementsprechend oft landen sie dann auf meinem teller oder werden eingefroren. ich habe angefangen, brot selbst zu backen (mache ich heute noch) und aus gemüseschalen und -abschnitten meine eigene gemüsebrühe zu kochen. bis das alles in fleisch und blut übergegangen ist, ist das erst mal umstellungsarbeit und sicherlich auch ein mehraufwand an zeit. aber es lohnt sich :)

  7. Speck veg « 3 Mädelshaushalt
    Am 01.05.2011 um 19:47:32 Uhr [Link]

    […] mal vegan zu ernähren. Zumindest eine Weile. Die Frau Ringelmiez hat jetzt zur Aktion Speck veg aufgerufen. Frau Jademondin unterstützt die Aktion mit Blogposts, Rezepten und ihrer persönlichen […]

  8. Wurzelwicht
    Am 01.05.2011 um 22:12:59 Uhr [Link]

    Ich bin Vegetarierin…nachdem ich das Buch „Tiere essen“ gelesen habe würde ich mich auch gerne vegan ernähren. Aaaber: Ich liebe Käse, Eier, Milch, Sahne und Joghurt. Oder Eis. Die Ersatzprodukte schmecken mir einfach nicht…ich habs probiert. Ich kann da echt nicht dauerhaft drauf verzichten. Tageweise gelingt es mir:-)

    Trotzdem freue ich mich auf deine Rezepte. Da ist bestimmt was für uns dabei.

    • ringelmiez
      Am 01.05.2011 um 23:12:12 Uhr [Link]

      ich hab auch viele ersatzprodukte durch und finde auch, dass vieles nicht schmeckt. aber sojajoghurt finde ich zb super, oder sojasahne ab und zu zum kochen. aber ich habe in meiner veganen zeit so viele „neue“ lebensmittel, zubereitungsarten und geschmacksrichtungen kennengelernt, dass mir die ersatzprodukte kaum mehr in den sinn gekommen sind. das einzige, was ich dauerhaft und oft vermisst habe, war parmesan. mal sehen wies diesmal wird.

    • Ramona
      Am 04.05.2011 um 19:28:15 Uhr [Link]

      Bei mir hat dieser Prozess ganz viele Jahre gedauert. Es erfordert längerfristig ein komplettes Umdenken. Mittlerweiel suche ich keien Ersatzprodukte mehr um mir bekannte Speisen nachzukochen, sondern wähle von vornherein Rezepte, die von Haus aus keine tierischen produkte enthalten. Da hilft es, mal einen Blick auf die asiatische Küche zu werfen: indisch, thai…

  9. carmen
    Am 02.05.2011 um 07:06:58 Uhr [Link]

    Ich mache auch mit. Auf Honig werde ich nicht verzichten, aber auf alles andere. Ich bin echt gespannt ob ich das durchhalte. Die Kinder werde ich soweit es möglich ist miteinbeziehen.

    Liebe Grüße

    Carmen

  10. carla
    Am 02.05.2011 um 09:32:37 Uhr [Link]

    hach, mir geht es aehnlich. ich esse mein halbes leben kein fleisch und habe zwischendurch immer wieder ganz vegane phasen aber zum ganz vegan sein bin ich leider zu prinzipienlos. obwohl ich milchprodukte und die vorstellung davon, wie sie „produziert“ werden richtig eklig finde (das hat sich seitdem ich selbst stille nochmal potenziert, pfuibaeh!). aber grad unterwegs bin ich oft zu faul und ess dann doch „irgendwas“ anstatt mir mein eigenes zeug mitzunehmen. der kuehlschankinhalt zuhause ist aber vegan, ausgenommen vereinzelt suessigkeiten, weil ich da dann doch schwach werde. meine soja(milch)allergie macht das ganze auf achse auch gerade nicht einfacher (hallo milchkaffee!).

    „speck? veg!“ finde ich aber ein bisschen irrefuehrend. ich kenne genug vegane suessigkeiten oder ungesunde sachen, also die ernaehrungsform allein wuerde mir zum abnehmen nicht reichen, da muesste ich schon mehr aendern. :)

    mein lieblingslink: http://www.theppk.com/
    isa chandra moskowitz hat nun auch nach allerhand dessert-kochbuechern (cupcakes! cookies!) ein „gesundes“ geschrieben, das kann ich auch nur empfehlen: http://www.theppk.com/books/appetite-for-reduction/

  11. Kathi
    Am 02.05.2011 um 12:08:55 Uhr [Link]

    Ich finde den Ansatz sehr interessant. Mal zu sehen, ob und wie es geht, so „ganz ohne alles“. Fleisch kommt bei mir nur noch auf den Teller, wenn ich zu Besuch bei meinen Eltern bin, oder bei anderen Leuten, denen ich keine Umstände machen möchte. In meiner Küche findet es sich nicht mehr.
    Aber natürlich weiß ich, dass mit dem Verzicht auf Fleisch nur ein kleiner Teil beigetragen wird. Immer noch werden männliche Küken für meine Eier aussortiert und gehäckselt oder sonstigen Grausamkeiten unterworfen. Und Kühe geben vermutlich auch nicht wahnsinnig gern uns ihre Milch ab. Trotzdem fällts mir wahnsinnig schwer. Ich liebe Feta, ich liebe Butter und Käse allgemein. Auf mein Honigbrot zu verzichten fiele mir sehr sehr schwer. Und gerade deshalb sollte ich es eigentlich mal versuchen – auch wenn ich vielen „Ersatz“produkten eher skeptisch gegenüberstehe. Ich koche halt lieber mit roten Linsen und Kokosmilch als „Ersatz“, statt aufwendig hergestelltem Hack“fleisch“ aus weiß der Geier was. Mal gucken, ob ich mich durchringen kann.. ich bin gespannt auf deine Erfahrungen. Über Rezeptideen und -anregungen bin ich auf alle Fälle sehr froh.

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