Vom Sockenstricken oder: wie ich Feuer fürs Stricken fing.

Ich werde oft gefragt, wie ich zum Stricken gekommen bin. In Grundzügen habe ich das schon in „Textiles Werken“ in der Grundschule gelernt. ich erinnere mich überhaupt nicht mehr, was ich damals stricken sollte, nur daran, dass mir irgendwann das Wollknäuel vertüdelte. anstatt es aufzudröseln, zog ich beim Stricken munter weiter am Faden, bis das Knäuel rettungslos verknotet war, und ich in meiner Verzweiflung einfach mit der Schere reinschnitt. Vor den Augen meiner Lehrerin, die mir irgendwie nicht helfen wollte. Vermutlich kein Wunder, dass ich danach eine Weile brauchte, um mich wieder mit dem Stricken anzufreunden. Ich habe immer wieder mehrere versuche getan, aber immer zu große Projekte gewählt, bei denen ich bald die Geduld verlor, und alles blieb halbfertig.Das änderte sich mit beginn des Studiums. Im Grundstudium hatte ich in jedem meiner Hauptfächer ein paar fachfremde Scheine zu erwerben. Das ging ganz einfach, indem ich mich in einem anderem als meinem Studienfach in eine Vorlesung setzte. Ich musste mich nur in die Anwesenheitsliste eintragen, und dann da rumsitzen. Sonst nichts. Keine Klausur schreiben, keine Hausarbeit, und deshalb auch keine Mitschriften anfertigen. Die Themen waren durchaus immer interessant; Politikwissenschaft, Jura, Gender Studies und sowas. Aber meine Hände hatten nichts zu tun, und stillsitzen, ohne dabei irgendwas zu tun zu haben, fällt mir schwer.

wip: kalajoki socks.

Eine Komillitonin, die täglich mit dem Zug von der schweizer Grenze zur Uni pendelte (Hallo Tine!), und während der Zugfahrt immer Socken strickte, brachte mich dann auf die Idee. Socken! Natürlich! Ich hatte irgendwann von der Mutter einer Freundin mal ein Paar Stricksocken geschenkt bekommen, und sie so sehr geliebt, dass ich sie bis zur vollständigen Zerfledderung getragen hatte. Wie cool wäre es, mir selbst welche stricken zu können! Also brachte ich mir das bei, mithilfe von Anleitungen aus dem Internet und Nachhilfe meiner Kommilitonin. Wir hatten wegen gemeinsamer Referate und Hausarbeiten eh dauernd eMail- Kontakt, aber ich glaube, jeder dritten oder vierten Mail hängte ich ein Foto an: Mach ich das so richtig? Was kommt jetzt? Ist die Fersenwand nicht viiiiel zu lang? Hää? Kuck mal, das sieht falsch aus – und so weiter. Mein allererstes Sockenpaar habe ich immer noch – es ist mittlerweile 10 Jahre alt. Ohne Tines geduldige Nachhilfe hätte ich bestimmt irgendwann frustriert wieder aufgegeben. Man sieht, dass sich das Rippenmuster am Bein spiralartig dreht – das kommt daher, dass ich anfangs immer rechtsverschränkte, statt rechter Maschen gemacht habe.

the very first socks i ever knit.

the very first socks i ever knit.

Mittlerweile stricke ich Socken fast im Schlaf. Ich habe immer ein Paar auf den Nadeln und nehme es immer mit, wenn ich weiß, dass ich irgendwo Wartezeit überbrücken muss. Und auch, wenn ich nicht recht weiß, was ich als nächstes stricken soll, schlage ich erstmal Socken an. Socken sind auch perfekte kleine Übungsstücke, an denen man nicht nur verschiedene Ab- und Zunahmemethoden, sondern auch viele andere Techniken und Muster im Kleinen üben kann, bevor man sich dann beispielsweise an eine Zopfjacke oder einen Laceshawl wagt. Mittlerweile habe ich um die 70 Paar gestrickt – längst nicht alle tauchen in meiner ravelry- Projektgalerie auf, weil ich damals noch nicht bei ravelry war. Nicht wenige davon sind schon zerschlissen, auch aktuell warten so etwa 10 Paar darauf, endlich gestopft zu werden.

sockenkorb.

Unsere Socken lagern alle in einem Korb auf der Kommode im Flur – weil dort das Licht nicht ausreicht, hab ich ihn mal auf dem Esstisch fotografiert. Momentan ist der Korb recht leer, weil ja Winter ist und die Socken in regem Gebrauch sind. Etwa die Hälfte unserer Socken dreht sich gerade in der Waschmaschine.
Die Knitmore Girls haben vor einiger Zeit die Aktion #operationsockdrawer ins Leben gerufen, bei der es darum geht, die Sockenschublade mit neuem, frischem Inhalt zu füllen. Unter dem hashtag findet man auf Instagram, Flickr, everlapse und twitter reichlich Inspiration für viele weitere Stricksocken. Mit dem Sockenstricken verbindet mich eine ganz eigene Liebesbeziehung, weil sie der Grundstein für meine ganze weitere Strickerinnenkarriere waren. Wie war das bei euch? Wodurch habt ihr Feuer fürs Stricken gefangen?

10 Kommentare

  1. Anke
    Am 06.02.2014 um 14:17:02 Uhr [Link]

    Hurrah – endlich erklärt mal Jemand, warum sich meine 2rechts2links-Socken drehen. Und jetzt erklärst Du mir bitte noch den Unterschied zwischen verschränkten und nicht verschränkten Maschen?
    Anke, die fast notorisch immer nur einen Socken strickt und keine Lust mehr auf den zweiten hat.

    • ella
      Am 06.02.2014 um 20:54:12 Uhr [Link]

      bei normalen rechten maschen sticht man mit der nadel in die vordere schlaufe der masche ein, bei rechts verschränkten in die hintere schlaufe. wenn du das googelst, kriegst du bestimmt ein paar hilfreiche ergebnisse.

      • Anke
        Am 12.02.2014 um 16:57:59 Uhr [Link]

        DANKE!

  2. Winterkatze
    Am 06.02.2014 um 14:58:54 Uhr [Link]

    Nachdem ich schon eine ganze Weile stumm mitlese, muss ich zum Thema „Sockenstricken“ dann doch endlich mal einen Kommentar hinterlassen.

    Das Stricken hat mir meine Mutter schon vor der Grundschule beigebracht und anfangs gab es dann schicke Pullover für den Plüschbären und anderer übersichtliche Projekte. In der Grundschule standen dann zum ersten Mal in meinem Leben die Mitschüler Schlange als im Unterricht das Stricken beigebracht wurde, damit ich ihnen die ersten Reihen bei ihren Strickstücken strickte. Ich glaube, wir mussten damals Topflappen stricken – eine recht langweilige Sache, die ich damals schon blind erledigen konnte, so dass ich neben dem Stricken in meinem Buch lesen durfte.

    Zu der Zeit habe ich meine ersten Pullover (mein Lieblingspullover bestand aus einem recht quardratischem Vorder- und Rückteil und begann und endete mit jeweils drei Maschen) und Jacken gestrickte. Erst während des Studiums bin ich dann zu den Socken gewechselt. Das Geld war knapp, meine Mutter kam nicht mehr für meine Wolle auf, also mussten kleinere praktische Projekte auf die Nadeln. Zu der Zeit war das Stricken so out, dass einer meiner Professoren mitten in seinem Vortrag unterbrach, auf mich zukam und meinte, dass er seit den 70ern niemanden mehr gesehen hätte, der in seiner Vorlesung gestrickt hätte. Bei den Socken bin ich dann irgendwie hängen geblieben. Sie sind so simpel, so schnell gemacht und nebenbei lesen geht auch. ;)

  3. Jenni
    Am 06.02.2014 um 15:35:01 Uhr [Link]

    Hallo Ella,
    ich bin kein Freund vom Sockenstricken. Keine Ahnung, warum ich ds so ungerne mache, denn eigentlich stricke ich gerne.

    Bei Sockenwolle verzweifel ich ständig: 25% Polyester-Anteil scheint der Standard zu sein. Da ich das nicht mag, habe ich mal die Sockenwolle vom Finkhof probiert. Aber die war so dünn, dass ich eine gefühlte Ewigkeit für ein Paar gebraucht habe.
    Welche Sockenwolle nimmst Du? Hast Du Tipps?

    LG
    Jenni

    • ella
      Am 06.02.2014 um 15:40:31 Uhr [Link]

      Hi Jenni,

      ich finde gerade die mit dem 25%igen Polyanteil gut, weil man sie problemlos bei 40° in der Maschine waschen kann und die Socken superlange halten. Ich nehme da immer hochwertige Wolle von Regia, Lana Grossa, Zitron etc. die halten dann wirklich jahrelang.

  4. Ramona
    Am 06.02.2014 um 18:03:25 Uhr [Link]

    Ich habe das neulich schonmal hier gerschrieben: http://jademond.de/kreativ/wie-ich-zum-sockenstricken-kam/

  5. Frau PN
    Am 07.02.2014 um 01:29:01 Uhr [Link]

    Oh wie schön.

    Jetzt will ich Socken stricken….

  6. Tüt
    Am 07.02.2014 um 09:55:02 Uhr [Link]

    Eine schöne Geschichte von dir :) Und ich bin unglaublich froh, dass ich jemanden finde, der auch rechtsverschränkte Maschen gestrickt hat! Meine Mutter hat mir diese als rechte Maschen beigebracht, und ich habe erst nach Ewigkeiten gemerkt, dass das falsch ist. Wenn ich in Hin- und Rückreihen stricke mache ich es manchmal immer noch, weil meiner Meinung nach der Unterschied nicht groß ist und ich mir irgendwie sonst die Finger breche …

    Zum Stricken gekommen bin ich durch zwei gelbe Säcke voll Restewolle aus dem Haus meiner Oma, die ich auf gar keinen Fall im Müll sehen wollte. Also habe ich Quadrate gestrickt, für eine Decke. Und das tatsächlich geschafft.

  7. jukefrosch
    Am 12.02.2014 um 16:58:21 Uhr [Link]

    Da melde ich mich doch glatt mal zu Wort. ;-)
    Ich habe auch damals in der Grundschule „Textiles Werken“ gehabt. Ich war nicht sonderlich erfolgreich, da zu langsam. Ans Stricken kann mich gar nicht mehr erinnern, nur an den einen gehäkelten Topflappen.

    Das Ganze ruhte dann bis vor etwa 6 oder 7 Jahren, als ich plötzlich das Bedürfnis hatte, meinem Mann, damals noch Freund, einen Schal zu stricken. Meine Mutter half mir und der Schal wird heute noch getragen.

    So richtig angefangen habe ich erst vor ein paar Jahren, als ich mir ein paar Winterschuhe kaufte, das leider nicht bis über die Knöchel reicht. Ich fand, ich müsste ein Paar Stulpen und brachte mir mit Hilfe des Internets das Stricken mit Nadelspiel bei. Seitdem stricke ich auch Socken, Stulpen für die Arme, Tücher und Schals. Pro Winterhalbjahr ein bis zwei Projekte.
    Im Sommer ist mir meist nicht so nach Stricken, aber sobald es kälter wird, juckt es mir wieder in den Fingern. Derzeit stricke ich an einem Jäckchen fürs Yoga.

    Ich würde auch gerne mehr Stricken, aber es mangelt natürlich an der Zeit und vor allem an den Abnehmern. Stricksocken trägt kaum jemand, auch ich nur selten und Tücher/Schals hat man auch irgendwann genug.

    Ich will mich demnächst, mit viel Respekt, ans Pulloverstricken wagen. Sowas trag ich nämlich. ;-)

    In erster Linie stricke ich, weil ich gerne Dinge herstelle. In meinem Job sitze ich den ganzen Tag vor dem Computer, sehe am Abend aber nicht, was ich getan habe.

    Beim Stricken sieht man das. Sofort.

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