„Niemals werde ich anfangen, Klamotten zu nähen!“

„Niemals werde ich anfangen, Klamotten zu nähen!“ – ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz in den letzten Jahren ausgesprochen habe. Klamotten nähen war immer ein absolutes Hassthema für mich. Elastische Stoffe, die man mit Kurven und Rundungen und Schlitzen zuschneiden muss, die sich verziehen und dehnen und überhaupt nicht so liegen bleiben, wic ich das haben will. Und wenn man es dann endlich schafft, sie unter die Maschine zu bekommen, dann wellen sich die Nähte, wo sie es nicht sollen, und alles sieht schief und krumm und unlässig aus. Doof! Meine vollkommen statischen Baumwollstoffe, die man immer in ganz exakten Winkeln zuschneiden kann – so dass sogar die Reste noch ein brauchbares Format haben – waren mir da immer lieber. Deshalb habe ich die Overlock, die ich vor ein paar Jahren besaß, dann auch recht bald wieder verkauft. Ich hatte einfach keine Geduld für die Klamottennäherei.

fuchsschals!

valeska.

Aber dann. Unsere Jungs haben mittlerweile einen irren Klamottenverschleiß. Wo sie nicht einfach herauswachsen, das rocken sie beim Rumräubern durch. Ich komme schon lange nicht mehr damit hinterher, ihre Hosen zu flicken und für ausreichend T-Shirt- Ersatz zu sorgen, obwohl ich auf allen Flohmärkten schon immer auf Vorrat kaufe. Und Kinderklamotten neu kaufen ist mir einfach zu teuer. Ähnlich ist es mit Kleidung für mich: In meiner Größe gibt es verflucht wenig, was mir gefällt und wenn, dann ist  es gleich sehr teuer. Auf Flohmärkten gibt es in meiner Größe praktisch gar nichts. Also habe ich dann doch irgendwann angefangen, Klamotten zu nähen. Drei Shellys, einen Loopschal, einen Rock. Und für die Jungs Schlupfschals, ein paar einfache Hosen aus alten Jeans von mir.
Spaß gemacht hat mir das immer noch nicht. Weil es mit meiner normalen Nähmaschine einfach tierisch langsam geht (obwohl ich so ein kackteures, modernes Superteil habe), weil es hinterher immer irgendwie hingewürgt und nie so richtig toll aussah. Und überhaupt. Doof halt.

shelly.

Dann begab es sich, dass ich in einem der örtlichen Stoffläden war, der auch eine Änderungsschneiderei betreibt, und die arme Verkäuferin mit genau diesen ganzen Sermon zugetextet habe. Die wurde immer blasser und sagte am Ende gar nichts mehr, nur noch: „Sie stellen jetzt mal ihre Tasche da ab, und dann kommen sie mal nach hinten und setzen sich an die Maschine da!“. Sie sagte das sehr freundlich, aber es wurde doch klar, dass sie keinen Widerspruch dulden würde. Also saß ich kurz drauf an einer Overlock, bekam drei Sätze erklärt und ein Stück Stoff zum Probenähen. Dann bekam ich einen Rocksaum und die Ansage: „Versäubern sie das mal!“ – ich muss geguckt haben, als hätte man mich gerade beauftragt, eine Boeing zu fliegen oder ein Herz zu transplantieren. Aber drei Sekunden später versäuberte ich tatsächlich diesen Rocksaum. Ohne Probleme. Mit perfektem Ergebnis.

my new serger.

joana.

joana.

Wickelstirnband genäht.

Und das zweite.  Sieht so harmlos aus, hat mich aber echt nerven gekostet.

Mit Inhalt

shirts for the boys.

shirts for the boys.

shirts for the boys.

Das nagte natürlich sehr an mir. Was, wenn Klamotten nähen am Ende doch Spaß machen könnte, wenn man nur die richtige Maschine hätte? Wenn ich mir dann ratzfatz lauter tolle, bunte Röcke nähen könnte, wie die Frau Mutti sie immer trägt? Und Shirts und Blusen und Leggins? Und den Kindern Shirts und Hosen und Kleidchen und das alles schnell und ohne Generve?
Tja, was soll ich sagen – wenig später zog tatsächlich eine Overlockmaschine hier ein. Es ist eine Gritzner 788 und seit ich sie habe, steht sie kaum noch still. Innerhalb weniger Tage habe ich schon zwei Joanas, ein Wickelstirnband und zwei Kindershirts genäht. Und ich fürchte, das wird so weitergehen. Hier liegen schon die Sachen für einen Rock und weitere Shirts bereit und ich suche gerade nach einem Schnittmuster für ein Wickelkleid, und nach einer Anleitung, wie man Schnitte von vorhandenen Kleidungsstücken abnimmt und…

…ich bin dann mal wieder an der Nähmaschine!

4 Kommentare

  1. evelyn74
    Am 12.03.2014 um 15:13:13 Uhr [Link]

    …na siehst du!!!!! :-D

    VIEEEEEL SPASS weiterhin! <3

  2. T.M.-S.
    Am 12.03.2014 um 20:07:57 Uhr [Link]

    Du spornst mich an – ich muss mich mal wieder ausführlich mit meinem Maschienchen beschäftigen…
    Und wenn Du eine Anleitung gefunden hast, wie Schnittmuster von fertiger Kleidung abgenommen werden kann – bitte, bitte hier posten, wo es das gibt!

  3. Julika
    Am 13.03.2014 um 20:17:02 Uhr [Link]

    Die Raketen habe ich letzte Woche auch vernäht – zu einem Schlafanzug. Ist heiß geliebt.
    Auch ich habe seit Dezember eine Overlock – und ich gebe sie nicht mehr her! Seitdem produziere ich Kinderklamotten im Akkord :) -. UND es macht Spaß- UND es sieht gut aus – von außen und innen…UND es geht schnell!
    Ist das Ringelt-Shirt auch eine Shelly??? Dann würde ich mich doch mal dazu hinreißen lassen. Sieht chic und familienfreundlich aus.
    Liebe Grüße
    Julika

  4. Reboka
    Am 15.03.2014 um 19:19:20 Uhr [Link]

    Da geht es uns sehr ähnlich. Meine ersten Versuche, Klamotten zu nähen sind alle irgendwann unter großem Gefluche in einer Ecke gelandet und später frustriert entsorgt worden. Seit ich meine Ovi habe, sind meine zwei Lieblingspullis selbstgenähte und ein großer Teil meines T-Shirt-Bestands ebenso. Und ich gebe kaum noch Geld in Klamottenläden aus, dafür aber Unmengen in Stoffläden.
    Gruß aus Graz
    Reboka

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