Unsere Küche.

rage denkt über Küchen nach. Und Ramona auch. Genauer gesagt: Über reduzierte Küchen. Genau mein Thema, irgendwie. Denn ich finde eine Küche umso perfekter, mit je weniger Gerätschaften und Extras sie auskommt.

Lange Zeit mochte ich immer schicke, hübsche, gut ausgestattete Wohnküchen am liebsten. Ich hab immer schon gerne Kochsendungen geguckt, und fand den ganzen Schnickeldi, den die TV- Köche in ihren gestylten Studioküchen hatten, toll. Einer hatte so ein schweres, gusseisernes Gitter, dass er mit einem Flaschenzug von der Studiodecke runterlassen konnte, da hingen an Fleischerhaken Pfannen und Töpfe dran und obendrauf standen Kräutertöpfe – fand ich super stylisch.
Heute sind sog. „moderne“ Küchen überhaupt nichts mehr für mich. Mit etwa 19 begann ich, mir den Großteil meines Lebensunterhaltes als Küchenhilfe in einer Kneipenküche zu verdienen. Das war eine sehr kleine Gastroküche, in der alles so angeordnet sein musste, dass es im größten Stress perfekt funktionierte. Jedes Schnickeldi hätte da im Weg gestanden. Alles, was dreckig werden konnte, musste am Ende jeder Schicht sorgfältig saubergemacht werden – nachts zwischen halb 12 und halb 1, nachdem man 5 Stunden auf Hochtouren gekocht, angerichtet, gespült, geschnippelt, geschwitzt hat. Die Jahre in dieser Gastroküche haben meinen Blick auf das, was eine gut organisierte, gut funktionierende Küche ausmacht, was man in einer Küche wirklich braucht, und was nicht, nachhaltig verändert.

küche.

Die perfekteste Küche, die ich bisher hatte, war wohl die in meiner ehemaligen Studentinnenbude – 90 cm breit, 2 Kochplatten, eine winzige Spüle. Mit Hilfe eines Servierwagens um ein bisschen Arbeitsfläche und einen externen Backofen erweitert. Für meine damaligen Bedürfnisse war ich Wunschlos glücklich.

Heute, mit einer 5-köpfigen Familie darf es dann doch gerne ein bisschen größer sein. Aber reduziert und gut organisiert mag ich es immer noch. Okay – so richtig reduziert sieht das hier auf den Bildern nicht aus. Aber man darf darunter vielleicht auch nicht das verstehen, was man bei Pinterest dazu findet. Eine reduzierte Küche bedeutet für mich nicht, leblose Schrank-Klötze rumstehen und alle Arbeitsflächen immer perfekt frei und spiegelglatt zu haben. Ernsthaft: In so einer Küche wird doch nicht wirklich gelebt, oder?
Eine reduzierte Küche ist nach meinem Verständnis eine, in der ich nur das habe, was ich wirklich brauche, und das möglichst sinnvoll sortiert und angeordnet. Ich brauche für unsere Familie einen ganz großen, einen mittleren, und zwei kleine Töpfe. Eine Salatschüssel, zwei Backschüsseln. Eine große und eine kleine Pfanne. Ein gutes Kochmesser. Ich brauche einen guten Pürierstab, Gärkörbchen, einen Wasserkocher. Ich brauche keine Mikrowelle, keinen Mixer, keinen Thermomix. Keine Brotbackmaschine, keine Küchenmaschine, keine Brotschneidemaschine. Keinen Fläschchenwärmer und keinen elektrischen Dosenöffner, kein Abtropfgestell.

Über unseren Küchen- Umbau habe ich ja vor einigen Monaten schon geschrieben. Teuer war unsere Küche nicht. Die Fliesen und den Boden hat die Vermieterin übernommen. Wir haben die GEA- Regale gekauft (beide zusammen ca. 480 Euro), neue Fronten für den alten Eck- Unterschrank, eine Dunstabzugshaube plus Schränkchen drüber (insgesamt ca. 180 Euro), die Hängeregale (90 Euro), die rot gemusterten Porzellanknäufe (15 Euro) und je einen Eimer weiße und rote Farbe (ca. 35 Euro). Die Arbeitsplatte, Elektrogeräte, Unterschränke haben wir weiterverwendet. Macht insgesamt 800 Euro; das finde ich noch relativ low budget für eine Küche, die den Anforderungen einer Familie mit 3 Kindern gerecht werden muss. Mittlerweile ist unsere Küche etwas eingewohnt und sieht so aus:

our kitchen.

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Auf der Fensterbank wird Kresse gezogen, steht eine Schale mit Zitronen, Milchpulver und Spezialnahrung fürs Mädchen, und der Wasserkocher. In der Ecke zwischen Spüle und Herd steht ein Regal mit Öl, Essig, Kochwein, Sojasoßen etc – und auf diesem Foto gerade auch noch die ausgespülten Kindergartenflaschen unserer Jungs. Ja, da steht runterzubringender Bio- Müll auf der Arbeitsfläche. Und ja, das ist abtropfendes Geschirr auf dem Cerankochfeld. Aber in dieser Küche ist einfach immer irgendwas los; so einen sterilen, perfekt aufgeräumten Idealzustand, wie ich ihn auf anderen Blogs oft bestaune, gibt es hier praktisch nicht. Ein paar Bilder sind dazugekommen; wir haben ein weiteres, kleines Gast-auf-Erden gekauft. Obendrauf hat der Mann seine eigene Ecke zum Kaffee kochen – er braucht dazu keine Maschine, sondern macht das am liebsten mit einem Handfilter. An der Hakenleiste unter dem Regal hängen normalerweise lauter bunte Kaffeetassen; die sind hier gerade fast alle in der Spülmaschine.

our kitchen.

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Der Gast auf Erden ist übrigens das beste vorstellbare Küchenmöbel. Noch nie fand ich es so einfach, den Überblick über unsere Vorräte zu haben. Mangels schwer zugänglichen Hängeschrankfächern können keine angebrochenen Vorratstüten mehr ins Küchenschranknirwana abrutschen und zu Mottenhorten werden.  Ich liebe die Schublade mit unseren Gewürzen. Und auch der Plastikboxen- Stash war noch nie so übersichtlich – in einer Schublade sind die Boxen, in der darunter die Deckel. In der Kochbesteck- Schublade liegt alles wild durcheinander – aber meistens findet man das gesuchte Utensil doch sofort. Und wenn nicht, kann man einfach die ganze Pappkiste aus dem regal rausnehmen und auf der Arbeitsfläche durchwühlen. Ist sehr selten notwendig, aber mit einer „richtigen“ Schublade halt nicht so leicht zu machen. Mir gefällt halt auch die Optik- es wirkt so improviesiert, ist aber so gut durchdacht und funktioniert eben einfach. Und wenn eine der Pappkisten- Schubladen dreckig ist, tauscht man sie halt gegen eine neue aus.

our kitchen.

Eigentlich ist unsere Küche für meinen Geschmack so schon zu überladen. Das Regal über der Spüle ist mir zu kruschtelig, die Fensterbank hätte ich auch gerne leerer. Aber momentan geht es nicht anders. So, wie es jetzt ist, ist unsere Küche so reduziert wie möglich. Ich habe alles, was ich täglich brauche, blind griffbereit, und alles hat seinen Platz. Ich habe über alles den perfekten Überblick. Die Ordnung darin funktioniert. Und seit unsere Küche nach ihrer Rundum- Erneuerungskur so viel freundlicher und schöner aussieht, halte ich mich ungefähr 10 mal so gerne in ihr auf.

8 Kommentare

  1. Helena
    Am 18.04.2014 um 23:06:43 Uhr [Link]

    Und am coolsten sind immernoch diese Kartonschubladen. Kein lästigest Schubladen putzen mehr. Wenn schmutzig – einfach neue! Tolle Idee!

    Liebe Grüße,
    Helena

  2. Lindi
    Am 19.04.2014 um 08:57:20 Uhr [Link]

    Hallo, gefällt mir sehr gut deine Küche. Immer wenn ich offene Regale sehe, frage ich mich wie praktisch die sind. Staubt da das Geschirr nicht schnell ein? Liebe Grüße

    • ella
      Am 19.04.2014 um 10:23:15 Uhr [Link]

      das geschirr und alles andere, was da drin steht, ist ja in ständiger benutzung und wird laufend gespült. da staubt nichts ein. bei den vorratsgläsern passiert es manchmal bei sachen, die ich nicht so häufig benutze. aber die sind auch einfach schnell abgewischt.

      • Helena
        Am 22.04.2014 um 09:38:17 Uhr [Link]

        Ich finde, man wird im laufe der Zeit auch etwas staubblind :D

        LG, Helena

  3. siwli
    Am 19.04.2014 um 11:22:37 Uhr [Link]

    Ich bin ja sehr beeindruckt, dass du ohne Mixer auskommst – den brauche ich zum backen dann doch… aber vermutlich hast du mehr Muskeln in den Oberarmen als ich! :-)

    • ella
      Am 19.04.2014 um 11:36:20 Uhr [Link]

      Mit Mixer meine ich so einen Standmixer. Ein Rührgerät habe ich :)

  4. rage
    Am 19.04.2014 um 21:34:35 Uhr [Link]

    Ich danke dir so sehr für die Vorstellung deiner Küche!! Der Gast auf Erden – ich mag ihn! Und ich bin gespannt, wie unsere Küche nächstens aussehen wird. ;) Frohe Ostern.

  5. Unsere Küche | In einem kleinen Apfel...
    Am 19.04.2014 um 23:03:07 Uhr [Link]

    […] fehlen. Wenn möglich, würde ich mich dafür entscheiden das tolle Küchensystem wie es die liebe Ringelmiez hat zu nutzen. Es ist genial für Vorräte […]

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