Craftivist CloseUp: Grønnskog.

Mit Craftivist CloseUp möchte ich eine neue Blogserie einführen, in der ich euch regelmäßig andere Handarbeitsunternehmen vorstelle, die mit ihrer Arbeit auch einen politischen Aspekt verfolgen. Wenn ihr ein eine_n passende_n Craftivist_a kennt, die ihr hier gerne sehen würdet, oder euch selbst als Kandidaten für diese Serie seht, schreibt mir gerne über das Kontaktformular.
Seine Premiere feiert Craftivist CloseUp heute mit Grønnskog – einem kleinen Label für Kinderkleidung aus Freiburg. Aufmerksam wurde ich auf Jennys Label durch einen Aushang im örtlichen Biolädchen. Was ich dann in ihrer Selbstbeschreibug auf DaWanda las, gefiel mir. Aber lassen wir Jenny selbst zu Wort kommen:

 – Wer bist du, was machst du? – Stell dich und dein Label doch erstmal kurz vor.

Mein Name ist Jenny und ich habe vor ungefähr einem Jahr mein Label Grønnskog gegründet. Angefangen zu nähen habe ich vor sechs Jahren: mit einer ziemlich billigen Nähmaschine und viel viel viel Geduld. Mein Ziel war es damals schon, irgendwann meine ganzen Klamotten selber zu nähen. Das war natürlich sehr ambitioniert, aber jetzt, viele Jahre später, habe ich drei sehr gute Maschinen im Wohnzimmer stehen, ein riesiges Stofflager und ersetze tatsächlich nach und nach meine Klamotten durch selbstgenähte Unikate. Grønnskog ist Norwegisch und ist einfach mein Nachname: Grünewald. Ja, wirklich sehr kreativ! Aber irgendwie auch ein Statement, denn schließlich hat das ganze Projekt ja auch einen Umweltaspekt: Gegen Fast Fashion, gegen Ausbeutung von armen Näherinnen, gegen Verschwendung von Ressourcen. Eben ganz grün. Die tollen, bunten Kindersachen gibt es mittlerweile schon in zwei Freiburger Läden: Bei Pullunder und Röckchen in Herdern und in der Guten Kinderstube im Stühlinger. Und natürlich auch auf DaWanda. Wenn ich nicht am Nähtisch sitze, beschäftige ich mich mit Literatur und Kultur: Eben habe ich mein Masterstudium der Skandinavistik beendet und nebenbei arbeite ich als Social-Media-Beauftragte am Theater Freiburg.

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– Was hat dich dazu bewogen, ein Label für Kinderkleidung aufzumachen?

Kinderkleidung nähen ohne eigene Kinder? Ja, ich gebe zu, das ist ein bisschen seltsam. Vor zwei Jahren kam mein kleiner Neffe zur Welt und ich durfte ihm viele niedliche Sachen nähen – und habe mich nicht nur in ihn, sondern auch in die tollen bunten Stoffe verliebt. Die machen einfach gute Laune. Ich bin zur Kinderkleidung also wirklich ein bisschen so gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Sagt man das so? Und jetzt fange ich ja auch gerade an, Pullis für Erwachsene zu nähen: Freunde und Familie haben sich das letzte Jahr über sehr beschwert, dass sie vernachlässigt werden, deswegen gibt es bald schöne bunte Pullis für ausgewachsene Kinder.

– Was macht für dich den Wert von handgemachter Kleidung aus?

Wir nehmen den Wert von Kleidung – so wie auch vieler anderer heutzutage überall verfügbarer Konsumgüter – gar nicht mehr wahr. Erst wenn man sich mal die Zeit nimmt, seine Kleidung selbst herzustellen, begreift man plötzlich den großen Aufwand und die nicht zu unterschätzenden Kosten, die dahinter stehen. Und plötzlich wird einem klar, dass die Preise für Kleidung lächerlich sind und dass die Näherinnen in Bangladesch oder sonstwo natürlich nichts daran verdienen. Und neben dieser sozialen Komponente ist selbstgemachte Kleidung für mich auch ein Ausdruck meiner Persönlichkeit. Es ist Kunst, es ist genau das, was mir gefällt und wo ich durch meine investierte Zeit sozusagen auch ein Stückchen von mir selbst eingearbeitet habe.

– Welches Deiner Produkte gefällt dir zurzeit am besten und weshalb?

Schwierige Frage! Ich bin natürlich gerade ganz verliebt in meine Kapuzenpullis für Erwachsene: ganz verspielt mit den Kinderstoffen, aber nicht zu bunt. Außerdem streichle ich zurzeit ständig den tollen Pandabärstoff, der hier herumliegt und darauf wartet, verarbeitet zu werden.

– Wenn du einen Tag mit einem oder einer bestimmten Person aus der Crafting- Welt verbringen könntest, wen würdest du wählen?

Die tolle Jillian von Refashionista.

– Was inspiriert dich?

Ich beobachte sehr gerne Menschen. Seien es die Kinder auf dem Spielplatz oder meine Nachbarn drüben im Park: aus den Alltagsklamotten kann man eine Menge Ideen ziehen. Und natürlich stöbere ich immer viel im Internet und lasse mich von allen möglichen Farben und Formen, die ich dort finde, inspirieren.

– Welche Handarbeitstechnik würdest du gerne noch ausprobieren?

Ich möchte auf jeden Fall demnächst mehr mit Applikationen arbeiten und Siebdrucke ausprobieren. Außerdem will ich diesen Winter meine Häkelfähigkeiten verbessern und auch wieder viel mehr stricken. Und wie wär’s eigentlich mal mit filzen? Wenn ich mehr Zeit hätte, natürlich noch einiges mehr. Aber man soll ja realistisch bleiben.

– Welche Vision oder welchen Traum verfolgst du mit deinem Unternehmen?

Ich hoffe, dass ich einige Leute in meinem Umfeld anstecke, mehr über Kleidung und auch Konsum im Allgemeinen nachzudenken. Ich hatte schon einige Diskussionen über die Preise meiner Sachen und viele Menschen sind da einfach noch sehr naiv und auch ignorant. Außerdem hoffe ich natürlich, dass sich diese Idee der fairen und individuellen Mode großflächig durchsetzt und wir einfach lernen umzudenken. Von diesem Umdenken soll Grønnskog ein Teil sein.

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Grønnskog Produkte findet ihr auf facebook und bei DaWanda.

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