Rezept der Woche: Crafter_innen gegen die Versemmelknödelisierung des Abendlandes.


5657854627_d22b4f6818_b

„Ich hab ja nichts gegen PEGIDA, aber muss das in Deutschland sein? Man fühlt sich schon gar nicht mehr zuhause in diesem Land, wenn diese Leute durch die Straßen ziehen. Ein paar Patrioten – ok, solange sie sich integrieren und nicht unangenehm auffallen. Aber doch nicht so viele! Warum schaut die Politik weg? Warum duldet man hier so viele gefährliche Patrioten? Sollen die doch in andere Länder gehen, wo Patrioten gebraucht werden. Das Boot ist voll!“*

14449334778_01122c8476_oEs ist wirklich nicht mehr lustig mit diesen Patrioten; wenn das noch mehr werden, haben wir bald nur noch Kartoffeln und Sauerkraut auf dem Tisch, und die ganze schöne und  leckere Vielfalt geht uns verloren. Dagegen muss man was tun, deshalb gibt es heute etwas, das hier seit vielen Jahren zum absoluten Grundnahrungsmittel gehört. Dass ich eine besondere Vorliebe für Mezze habe, mag daran liegen, dass ich jüdischer Abstammung bin. Ich lebe nicht religiös, aber ein Teil meiner Familie hat, historisch bedingt, eine sehr tragische Vergangenheit hinter sich. Ich habe mich viel mit all diesen persönlichen Geschichten und mit der jüdischen Kultur beschäftigt und fühle mich manchmal doch auch ein bisschen dahin gehörig. Vor allem im Sommer essen wir eigentlich mehrmals wöchentlich Mezze – mit Tabouleh, Wassermelone, Oliven; oft mit kleinen Leckereien vom lokalen Antipastistand. Ich hoffe sehr, dass ich irgendwann mal eine Reise nach Israel machen und dort Hummus, Kibbeh, Ful und all die anderen Köstlichkeiten mal „in echt“ genießen kann. Bis dahin werde ich sicherlich noch sehr, sehr oft an unserem eigenen Mezze-Tisch sitzen. Der ist oft sehr unterschiedlich gedeckt, aber was absolut nie, nie fehlen darf, ist Hummus. Dazu schmeckt Fladenbrot sehr gut – oder selbst gemachtes Gewürzbrot, dass wir Naan nennen, obwohl es von echtem Naan eigentlich ziemlich weit entfernt ist.

Für richtig leckeren Hummus braucht ihr:

1 große Dose Kichererbsen
5-6 große Esslöffel Tahin
Olivenöl
1-2 Zehen Knoblauch
Saft einer Zitrone
gemahlene Koriandersamen
gemahlener Kreuzkümmel
ca. 300 ml eiskaltes Wasser
Paprika, edelsüß
3 EL feingehackte Blattpetersilie
3 EL Pinienkerne

Und so geht’s:

Die Kichererbsen abgießen und mit kaltem Wasser abspülen und in eine ausreichend große Schüssel geben. Tahin, ca. 3 EL Olivenöl, feingehackten Knoblauch, nicht ganz den kompletten Zitronensaft, Koriander und Kreuzkümmel dazugeben. Mit dem Pürierstab gut durchmixen und dabei Schluck für Schluck das eiskalte Wasser angießen. Wie viel ihr tatsächlich braucht, kann sehr unterschiedlich ausfallen – die Konsistenz des fertigen Hummus soll richtig schön weich-cremig sein.
Das fertige Hummus in eine Schale geben und oben einigermaßen flach Streichen. Darauf Olivenöl träufeln, Pinienkerne, Petersilie, den restlichen Zitronensaft darübergeben; mit Paprika fein bestäuben. Schmeckt am besten, wenn er vor dem Servieren mindestens eine halbe Stunde lang im Kühlschrank stand.

7870681794_619f7a0b32_k

Für die total unautenthischen, aber sehr leckeren Naanbrote 4 Gewürzbrote braucht ihr:

 je 1 EL Koriander-, Fenchel-, und Kreuzkümmelsamen
3 EL Sesamsamen
4 EL Ghee
250g Mehl
1/2 TL Backpulver
1 Ei oder Eiersatz
4 EL (Soja-)Joghurt (3,5%)
3 TL Trockenhefe
1/2 TL Salz
2 TL Zucker

P11309491. Die Gewürze mit dem Sesam in einer unbeschichteten Pfanne ohne Fett kurz anrösten, bis die zu duften beginnen und der Sesam leicht gebräunt ist.
2. Das Ghee schmelzen lassen. Das Mehl mit dem Backpulver mischen. Das Ei verquirlen und mit dem Ghee, der Mehlmischung und allen übrigen Zutaten einige Minuten lang zu einem glatten Teig verkneten. Wenn er zu klebrig ist, noch etwas Mehl hinzugeben. Zugedeckt an einem warmen Ort 2 Stunden gehen lassen. (In dieser Zeit kann man den Hummus vorbereiten.)
3. Aus dem aufgegangenen Teig vier ca. 1cm dicke Fladen formen (wie man hier sieht: wir machen immer die doppelte Menge), auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und weitere 10 Minuten ruhen lassen. Den Backofen auf 200°C (Umluft 180°C) vorheizen. Die Brote auf der Oberseite dünn mit (Soja-)Joghurt bestreichen. Im heißen Ofen auf mittlerer Schiene ca. 7 Minuten backen, dann wenden, auf der anderen Seite mit Joghurt bestreichen und nochmal ca. 5- 7 Minuten backen, bis sie goldbraun sind. Ofenwarm servieren. Es gezunterheyt!

 

5037216290_23861c9637_b

_________

*Aus einem facebook-Kommentar von der freitag

 

 

2 Kommentare

  1. yggdrasil
    Am 28.01.2015 um 19:57:58 Uhr [Link]

    Liebe Ella!

    Vielen Dank für die deinen (wichtigen) Artikel und das dazugehörige, leckere Rezept. Das Thema Pegida verschwindet ja so langsam (bzw. scheinen sie sich in ihre Bestandteile aufzulösen – ich habe also noch Hoffnung, dass der Spuk bald vorbei ist), von daher weiß ich gar nicht, ob es sich noch für mich lohnen würde, auch ein nicht-Deutsches Rezept auf meinen Blog zu stellen. (Oder ist das dann schon eine nicht gewollte kulturelle Adaption? Ich bin mir da echt unsicher.)

    Wie auch immer: Ich habe hier gerade ein gekauftes Hummus vor mir und sehne mich bei dem Geschmack gerade sehr nach dem Hummus dieses netten syrischen Imbisses zurück, der für mich leider unerreichbar ist, in dessen Essen ich mich aber hätte reinlegen können… Leider bin ich hier die Einzige auf weiter Flur, die Hummus mag. Also lohnt es sich für mich nicht, es selbst zu machen.

    Deswegen meine zweite Frage: Hast du dein selbstgemachtes Hummus schon mal eingefroren? Hast du da Erfahrungen mit?

    Wäre toll, wenn das ohne großen Geschmacks- und Qualitätsverlust möglich wäre, so könnte ich mir nach Bedarf eine Portion dieses süchtig machenden Stöffchens auftauen und ganz für mich alleine wegschnabulieren. :-D

    Vielen Dank schon mal für deine Hilfe.

    LG

    • ella
      Am 28.01.2015 um 20:23:14 Uhr [Link]

      Huhu,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar; ich habe gerade leider nur ganz wenig Zeit: Ich habe Hummus noch nie eingefroren; keine Ahnung, ob das geht. Aber Hummus ist ja so schnell gemacht, dass man den auch gut frisch machen kann, wenn man gerade Lust drauf hat. Grüße!

Mehr lesen:

Vorheriger Artikel:
Nächster Artikel: