Stricknadelrollen-News (1): OMG, wie organisiere ich das bloß?!

16186121427_1551f60e5a_k

Heute hat mich eine liebe Freundin total komfortabel mit dem Auto zum Zollamt gefahren, dass in Freiburg echt in einer blöden Ecke liegt, um es mit Öffis oder dem Fahrrad bequem zu erreichen. Dort habe ich eine Lieferung aus den USA abgeholt: 75 niedliche kleine Ringelmiez-Labels mit kleinen Katzen drauf! Für all die lieben Worte zu meinem Blog und meiner Arbeit, die mit den zahlreichen Stricknadelrollen-Bestellungen eingingen, wollte ich mich wenigstens ein klein wenig revangieren, und wenn es nur mit besonders schönen Labels ist. Die ersten 75 Besteller_innen werden also eine Stricknadelrolle mit einem solchen kleinen Label bekommen; alle weiteren dann vielleicht eine andere Klitzekleinigkeit.

16186121427_1551f60e5a_k 16185746909_dad3936279_k

Ich habe ja hier und da schonmal angedeutet, dass mich das riesige Bestellaufkommen zu den Stricknadelrollen umhaut. Immer noch tröpfeln alle paar Tage weitere Bestellungen in mein Mailpostfach; mittlerweile bewegt sich die Zahl der bestellten Stücke auf die 90 zu. Ich weiß nicht, ob ihr euch das vorstellen könnt, aber das ist eine Menge, die zu nähen für eine einzelne Person schon ziemlicher Wahnsinn ist – vor allem, wenn ich das innerhalb einer noch irgendwie angemessenen Zeit schaffen will. Meine Freude über das Interesse an den Stricknadelrollen ist riesig, aber fast genauso groß ist die Herausforderung, diesen riesigen Berg an Arbeit auch geschafft zu kriegen. Ich muss das sehr gut durchplanen und organisieren.

In den letzten Wochen habe ich daher viel nachgedacht, gerechnet und kalkuliert, um herauszubekommen, wie ich das alles leisten kann. Ein Grundproblem an der Sache ist, dass ich die Stricknadelrollen eigentlich eine ganze Ecke zu billig verkaufe: Die mittlere müsste eigentlich nochmal ca. 8 Euro mehr kosten, damit die Kalkulation am ende wirklich aufgeht und ich nicht mit Materialkosten und Arbeitszeit tierisch drauflege. Als ich das Angebot einer Sammelbestellung online stellte, habe ich diesen Punkt einfach vernachlässigt, weil ich ja nicht mal sicher war, ob überhaupt die benötigte Mindestanzahl von 10 Bestellungen  erreicht wird. Dass diese um ein so großes Vielfaches übertroffen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Da ich die Preise jetzt im Nachhinein nicht mehr erhöhen will, muss ich mich umso mehr bemühen, das Abarbeiten der vielen, vielen Aufträge effizient zu gestalten, sowohl, was den Einsatz der Materialien betrifft, als auch, was meine Arbeitszeit angeht.

5807537870_570822dba8_bDamit ihr das besser nachvollziehen könnt, hier ein kleiner Exkurs: Wenn ich nur so relativ wenige Stricknadelrollen nähe, ist der Arbeitsablauf und das Zeitmanagement ein komplett anderer. Ich schneide dann die einzelnen Stoffstücke genau nach den Wünschen der Kund_innen zu, bebügle sie mit Vlies, bereite alle benötigten Teile für alle Stricknadelrollen soweit vor, dass ich sie dann alle in einem Rutsch runternähen kann (wobei „Rutsch“ bei 10 Stricknadelrollen durchaus auch schon einige Tage meint). Das Foto rechts ist von vor ein paar Jahren, als ich mal knapp 40 Stricknadelrollen für meinen Shop an einem Stück nähte. Habe ich aber eine vielfach Größere Menge Stricknadelrollen zu nähen, würde ich ewig brauchen, um jedes der pro Stricknadelrolle etwa 7 Stoff- bwz Vliesstücke einzeln auszusuchen und zuzuschneiden. Ich muss das ganze also irgendwie effizienter hinkriegen.

1331364729-380

Daher werde ich bei der Gestaltung der Außenseite der Stricknadelrollen versuchen, möglichst genau die Wünsche der Kund_innen zu treffen. Für die Innenseite der Rolle haben die allermeisten ohnehin nicht ganz so konkrete Wünsche. Diese Freiheit werde ich nutzen, indem ich bei Westfalen, wo ich zu Händer_innenkonditionen bestellen kann, ein oder zwei ganze Ballen Stoff kaufen werde, die farblich schön miteinander aussehen und trotzdem dezent genug sind, um sich mit den vielen verschiedenen Stoffen für die Außenseiten nicht komplett zu beißen. So werden beispielsweise bei einer mittleren Stricknadelrolle der Hintergrundstoff (das wäre auf dem linken Bild der grüne)  und der für die mittleren Fächer (das ist auf dem Bild der blaue) mit Westfalenstoffen gestaltet sein, und die Fächer für die kleinen Nadeln (hier der gepunktete Stoff) können dann immer noch in einem dritten, bunten Stoff gestaltet werden. So habe ich mir das bisher ausgedacht; ich muss sicher noch ein paar weitere Optionen durchkalkulieren bis ich weiß, ob es bei dieser Version bleibt. So oder so: vertraut mir; ihr werdet alle schöne Stricknadelrollen bekommen.

Die Innenseiten der Rollen alle zu einem großen Teil alle gleich machen zu können, erleichtert mir die Arbeit enorm. Denn dann kann ich ganze Stoffbahnen am Stück mit Vlies (das ich ebenfalls direkt beim Hersteller in ganzen Rollen beziehe) bebügeln und dann alle Stoffstücke für alle Stricknadelrollen in einem Aufwasch zuschneiden. Das spart so viel Arbeitszeit, dass ich dann trotz für diesen Auftrag extra gekaufter Stoffballen den Endpreis noch halten kann.
Eine weitere Überlegung ist, ob ich mir für das Nähen der vielen Stricknadelrollen Unterstützung holen kann. Aber auch das gehört in die nächste Runde der kalkulativen Überlegungen…

 

3 Kommentare

  1. Ramona
    Am 26.01.2015 um 15:15:22 Uhr [Link]

    Es gibt in Freiburg eine (mehrere?) Behindertenwerkstatt mit der du vielleicht zusammenarbeiten kannst. Die hatten wir damals auch für Gongtaschen angesprochen, aber bei uns war die Auflage zu gering und somit stimmte bei uns die Kalkulation nicht mehr. Aber vielleicht ist das für dich ja eine Option. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß sie sich oft über Abwechslung und neue Aufträge freuen.

  2. Reboka
    Am 27.01.2015 um 11:47:59 Uhr [Link]

    Hm, ich weiß nicht so recht, wie ich das formulieren soll, ohne dass es gleich falsch rüberkommt, aber ich fände es ehrlich gesagt keine so gute Idee, die Produktion auszulagern, so wie es oben empfohlen wird. Ich könnte mir vorstellen, dass viele der Bestellerin so eine Stricknadelrolle nicht nur um der Rolle wegen bestellt haben, sondern auch, um etwas von DIR genäht zu bekommen. Immerhin bist du ja fast schon so etwas wie eine kleine Berühmtheit, ringelmiez ist eine Marke, und ein Quilt ist nun mal nicht in jedem Budget drin. Dass du bei einer derartigen Menge Unterstützung brauchst ist nur verständlich, aber vielleicht schaffst du es ja, dir jemanden zu dir ins Haus zu holen, um so wenigstens bei der Produktion anwesend zu sein, und das Ganze gemeinsam abzuwickeln? Beispielsweise indem jemand anderes den Stoff zuschneidet und du „nur“ noch nähst? Nur so ein Gedankenanstoß…
    Liebe Grüße aus Graz
    Reboka

    • ella
      Am 27.01.2015 um 15:58:12 Uhr [Link]

      Liebe Reboka,

      danke für deinen Kommentar, der ganz gut einige Überlegungen zusammenfasst, die ich dazu auch hatte. Ich habe deshalb auch nicht vor, die Produktion auszulagern – zum einen würde das kalkulationstechnisch gar nicht gehen; der Hauptgrund ist aber eben genau der, dass ich glaube, dass die Kund_innen das doof fänden. Und es fällt mir auch sehr schwer, meine Qualitätsansprüche aus der Hand zu geben und darauf zu vertrauen, dass jemand anders sie so erfüllt, wie ich es haben möchte. Wenn ich mir Unterstützung hole, dann eher für kleinere Zuarbeiten; etwa das Bebügeln mit Vlies oder das schneiden. Ich hab das noch nicht ganz zu Ende gedacht :)

      Liebe Grüße,

      ella

Mehr lesen:

Vorheriger Artikel:
Nächster Artikel: