50 Shades of Denim.



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Ja, ich weiß, die „50 Shades of  irgendwas“-Wortspiele sind langsam schon wieder out. Trotzdem will ich für diesen Quilt nochmal eines bemühen, denn „50 Schades of Denim“ passt wirklich perfekt zu diesem Stück. Das Ausgangsmaterial war ein großer Karton voller abgeschnittener Hosenbeine einer Familie. Eine Familienchronik in Jeans quasi, denn die Stücke kamen nicht nur in allerhand unterschiedlichen Schattierungen von blau und anderen Farben, sondern enthielten teilweise auch kleine Erinnerungen an ihre Geschichte: Flicken, Aufnäher, Löcher, Falten, ausgeblichene Stellen, Nähte, unauswaschbare Grasflecken. Alles, was davon verwendbar war – nicht verwendbar waren eigentlich nur Stücke mit großen Löchern oder zu starken Flecken – ist in diesem Quilt eingegangen, der am Ende ca. 150 x 180 cm maß. Als kleinen Kontrast habe ich Quadrate aus zwei verschiedenen orangefarbenen Stoffen eingearbeitet – ein hellerer mit kleinen Kringeln und ein etwas dunklerer aus einer meiner allerliebsten Semi-Solid-Printserien: Robert Kaufman Quilters Linen. Auch das grüne Binding ist aus einem Stoff aus dieser Serie.

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Als Vorbild diente Mios Quilt – schlicht, aber durch die Vielfalt der verwendeten Stoffe auch nicht langweilig und durchaus interessnt fürs Auge. Die Quadrate sollten „wie zufällig“ angeordnet sein, und dieses „wie zufällig“ ist vermutlich eins meiner Spezialgebiete. In all den Jahren, die ich nun schon Quilts nähe, waren die klassischen „wie zufälligen“ Quadrate immer der häufigste Wunsch der Kund*innen, und ich bin Expertin darin geworden, solchen Quilts die perfekt „zufällige“ Optik zu geben. Bei kaum einem dieser Quilts waren die Quadrate tatsächlich ganz willkürlich angeordnet; ich habe mittlerweile 3 sehr gute Verfahren entwickelt, um die Stoffstücke perfekt harmonisch zu verteilen, ohne, dass man ein Muster erkennen kann. Je ungleichmäßiger die Mengenverteilung der einzelnen Stoffe ist, desto schwieriger wird es aber, eine Formel für die gleichmäßige Verteilung zu entwickeln. Habe ich beispielsweise 20 Quadrate von 6 verschiedenen Stoffen, ist es recht einfach. Habe ich aber, wie in diesem Quilt, von jedem der 10 oder 12 verwendeten Stoffe ganz unterschiedlich viele Quadrate – von einem 20, von einem anderen 12 und von wieder anderen nur 7 oder 5 – wird es sehr schwierig bis fast unmöglich, sie alle perfekt „wie zufällig“ zu verteilen. Daher musste ich bei diesem Quilt das tun, was mir am schwersten fällt: Die Verteilung der einzelnen Quadrate tatsächlich dem Zufall überlassen. Dabei passiert es, das an manchen Stellen 2 oder sogar 3 Quadrate der gleichen Farbe direkt aneinander liegen – etwas, das ich ansonsten mit Hilfe meiner „wie zufällig“– Techniken strikt vermeide. Ich finde aber, dass es diesem Quilt dennoch sehr gut steht und er insgesamt doch sehr harmonisch aussieht.

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Beim Zuschneiden ging es mir wieder ähnlich, wie schon bei den Quilts aus der Kleidung eines verstorbenen Vaters: Während ich die Hosenbeine mit all ihren Besonderheiten in Quadrate teilte, gingen mir zu den einzelnen Löchern, Flicken, Flecken kleine Geschichten durch den Kopf. Mir gefällt die Vorstellung, dass die Familie, der dieser Quilt nun gehört, die passenden Geschichten dazu alle kennt, und dass sie durch diesen Quilt lebendige Erinnerung bleiben, auch wenn die Kinder, zu denen die Grasflecken und Löcher gehören, irgendwann das Nest verlassen.
Die Rückseite sollte schlicht werden; ich habe mich für ein dezentes hellgrau entschieden und an einem der kurzen Seiten noch einen Streifen grün-blau gestreiften Stoff angesetzt, um nochmal die auf Blautöne von der Vorderseite und das grün des Bindings anzuspielen.

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Jeansstoff ist ja relativ dick und damit auch deutlich schwerer als die Baumwollstoffe, aus denen Quilts üblicherweise sind. Daher habe ich das Quilting ganz schlicht gehalten – wenige Linien neben der Naht, so dass die Decke trotz ihrer Schwere noch schön flexibel und gemütlich bleibt. Ob sie das tatsächlich ist, kann ich ja immer testen, wenn ich das Binding annähe, denn dabei liegt die Decke auf meinen Beinen. Und ja, sie gibt schön warm, und fühlt sich sehr heimelig an – bestimmt noch viel mehr, wenn man einen persönlichen Bezug zu all den Stücken ehemaliger Hosen hat.

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Die Fotos für diesen Quilt haben wir an einem kleinen, nahegelegenen See gemacht. Es war der letzte, wunderschön sonnige Spätwintertag, bevor am nächsten Tag eine trübe Regenperiode einsetzte, die immer noch anhält. Umso schöner, dass ich noch ein bisschen echte Freiburger Sonne mit ins Paket packen konnte, bevor ich es tatsächlich noch pünktlich zur Post brachte.

 

 

 

 

8 Kommentare

  1. Kerstin
    Am 23.02.2015 um 11:45:51 Uhr [Link]

    Sooo schön. Es ist mir immer wieder ein Rätsel, wie man es schafft solch schöne Dinge zu nähen. Mir gelingt nicht mal eine gerade Naht. Leider!!!!

  2. joriste
    Am 23.02.2015 um 12:15:04 Uhr [Link]

    wow. Immer wieder wow.
    Deine Quilts sind einfach Meisterinnenwerke.
    Danke dass Du sie zeigst.
    Ich verneige mich vor Deiner Kunst.
    Irgendwann werde ich mir auch einen wünschen können :)

  3. Frische Brise
    Am 23.02.2015 um 13:45:30 Uhr [Link]

    Du bist echt eine Quilt-Meisterin!

  4. Sigrid
    Am 23.02.2015 um 14:32:09 Uhr [Link]

    Auf den Bildern sieht er sehr gut aus. Heute werde ich ihn bei meiner Nachbarin hoffentlich abholen können. DANKE!
    Auf das Gesicht des Försters bin ich gespannt.

  5. Ramona
    Am 23.02.2015 um 23:02:01 Uhr [Link]

    Hihi, die beiden Orangenen Quadrate aneinander sind mir sofort aufgefallen. Gut, daß du das nochmal so ausführlich erklärt hast. Der ist toll geworden!

  6. Jen
    Am 23.02.2015 um 23:22:52 Uhr [Link]

    Wow. Einfach nur wow. O_O Ein toller Quilt voller Erinnerungen.

    LG
    Jen

  7. Birge
    Am 25.02.2015 um 12:41:22 Uhr [Link]

    Schöne Idee!
    Mit einer ganz tollen persönlichen Note.
    Habe auch gerade ganz viele alte Klamotten aussortiert. Ist ne Überlegung wert aus den alter Sachen noch was zu machen.

  8. Irkabeate
    Am 02.03.2015 um 19:24:11 Uhr [Link]

    Der ist wunderschön geworden <3

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