Buchhaltungs-Tag.

Buchhaltungstag.

 

Was ja auch dazugehört zum selbstständig bzw. freiberuflich arbeiten, ist, dass man sich regelmäßig um seine Buchhaltung kümmern muss. Was habe ich ausgegeben, was habe ich eingenommen? Arbeite ich effizient, stimmt mein Stundenlohn noch mit meiner Leistung überein? Wieviel Budget ist noch übrig für Stoffe, kann ich mir ein paar neue Nähmaschinenfüße leisten? Es ist immer sehr interessant und aufschlussreich, die eigene Arbeit in Zahlen umgerechnet zu sehen, und man lernt im Laufe der Zeit wirklich so einiges über Steuerrecht.
Bisher reichte mir für meine Buchhaltung immer eine einfache Excel-Tabelle, in die ich meine Einnahmen und Ausgaben eintrug, und die mir dann meinen Gewinn und  die abzuführende Umsatzsteuer ausspuckte. Dieses Jahr ist das zum ersten Mal anders. Stricknadelrollen-Sammelbestellung, Verlags- und Texthonorare, Werbeinnahmen, Postkartenverkäufe, Kursgebühren. Honorare an meine Grafikerin, Druckereikosten für Postkarten und Werbemittel, professionelle Quilt-Software, große Stoff-und Verpackungsmaterialbestellungen. Das alles muss teilweise unterschiedlich verbucht und versteuert werden; es ist bei weitem nicht mehr so leicht, den Überblick zu behalten. Ich muss mich buchhalterisch weiterbilden und meine gesamte Buchhaltung auf ein neues System umstellen, das all diese unterschiedlichen Sachen erfassen und berechnen kann. Da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie zeitraubend und doof die Recherche dazu sein kann, will ich denjenigen unter euch, die es gebrauchen können heute zwei Links mitgeben, die mir in den letzten Tagen sehr hilfeich waren: Sabine Faltmann, freiberufliche PR-Frau, hat einen sehr ausführlichen Artikel über ihre Recherche und ihre Erfahrungen mit verschiedenen Buchhaltungs-Programmen geschrieben. Darin kam vieles vor, was ich auch schon ausprobiert hatte – nur eines kannte ich noch nicht: das kostenlose Programm EasyCash&Tax. Mit ein klein wenig Bastelei lässt es sich auch auf einem Mac problemlos betreiben. Das ist das Programm, mit dem ich nun fürs Erste arbeite.
Und dann ist da immer wieder die leidliche Sache mit dem eigenen Stundenlohn. Was da so alles zu beachten ist und wie man den berechnen sollte, kann man zum Beispiel hier nachlesen. Im Handarbeitsbereich ist es sicherlich schwieriger, von seiner Arbeit leben zu können – gerade wenn man auf einem fairen Lohn besteht – dieser Text dazu ist nach wie vor aktuell, auch wenn die Lage für mein Empfinden punktuell besser wird. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie schwer es mir ganz zu Anfang von ringelmiez fiel, auf den Wert meiner Arbeit zu bestehen, und wie ich mich bei jedem Angebot, dass ich schrieb, am liebsten dafür entschuldigt hätte, dass ich überhaupt Geld haben möchte. Das ist zum Glück lange her, und ich habe viel Selbstbewusstsein gewonnen seitdem. Dass meine Arbeit ihr Geld tatsächlich wert ist, und dass ich mich trauen darf, immer wieder nachzurechnen und meine Preise ggf. zu erhöhen, ist mir in den letzten Monaten besonders klar geworden – nicht zuletzt durch meine großartigen Stricknadelrollen-Kund*innen, von denen sehr viele aus freien Stücken bereit waren, mir einen neuen, nachkalkulierten Preis zu bezahlen, statt des alten, deutlich niedrigeren. Das tut wirklich richtig gut und ist eine tolle Wertschätzung meiner Arbeit. Danke ♥
Ja, momentan läuft ringelmiez zum ersten Mal so, wie ich es mir immer gewünscht habe: Es ist meine Arbeit, mit der ich ein Auskommen verdiene. Der ganze Aufwand, den ich gerade habe, gehört eben dazu, und ich nehme ihn nur zu gerne in Kauf. Ich wünsche mir, dass es weiterhin so bleibt; vielleicht sogar noch besser wird, und dass ich in Zukunft noch viele weitere Menschen mit meiner Arbeit glücklich machen kann – zu einem gerechtfertigten Lohn, von dem ich meinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Wo wir gerade dabei sind: Für die zweite Jahreshälfte 2015 gibt es noch ein paar freie Plätze in meinem Auftragsbuch – Quiltwünsche gerne über das Kontaktformular. Außerdem: “Und was kostet sowas?” – Eine Antwort auf die Frage, die ich zu meinen Quilts am häufigsten gestellt bekomme.

Wenn ihr weitere Vorschläge, Tipps, Erfahrungen zum Thema Freiberuflichkeit/ Selbstständigkeit, Lohnkalkulation und Buchhaltung habt: Gerne in die Kommentare damit! Ich verkrieche mich jetzt wieder in meine Papierberge – habt einen schönen Tag!

3 Kommentare

  1. Sarah
    Am 26.03.2015 um 12:20:49 Uhr [Link]

    Buchhaltung- seufz das ist so garnicht meins. Das war das Erste was ich abgegeben habe. :) Ich habe nun eine Steuerberaterin, die auch die Buchführung macht. Ich habe mir sagen lassen es gibt auch Buchführungsbüros, die das übernehmen und nicht so teuer sind. Die Zeit, die mich die ganze Buchhalterei kostet möchte ich lieber anders investieren- und ein Profi ist auch schneller fertig als ich als Laie. Die Sorge in Steuerdingen einen Fehler zu machen kommt bei mir immer noch dazu- ich bin froh über meine professionelle Hilfe und bewundere alle Kreativen die das auch noch selbst machen!

  2. juli.a hrtzblt
    Am 26.03.2015 um 14:42:04 Uhr [Link]

    Danke für den Einblick,
    seit Kurzem habe ich auch ein (Klein)Gewerbe und bin schlecht überfordert von all dem Bürokratie-Gewusel.
    Vielleicht schau ich mir das Programm mal an…

    Dir liebste Grüße,
    J.

  3. mom
    Am 26.03.2015 um 17:08:19 Uhr [Link]

    Also von mir ganz, ganz großes Kompliment – ich finde schon Privatbuchhaltung zum Schreiend-aus-dem-Raum-Laufen! Ich finde auch so wichtig, dass Du selbstbewußt einen angemessenen Preis kalkulierst – das hilft auch allen anderen, wenn der Preis nicht durch die „Huch-ich-bastel-ja-nur-so-für-mich“-Fraktion gedrückt wird. Kein Mann würde sich hier klein machen und es peinlich finden, wenn er einen angemessenen Preis verlangt, glaube ich! Und schließlich seid Ihr genauso Geschäftsfrauen wie leidenschaftliche Quilterinnen oder Schneiderinnen oder Strickerinnen….

Mehr lesen:

Vorheriger Artikel:
Nächster Artikel: