Links zum Wochenende: Frau sein ist teuer, kulturelle Aneignung, Reverse Racism, Erziehungsweisheiten aus der Nazizeit u.v.m.

Jeden Freitag zeige ich euch hier, was mir in letzter Zeit im Internet so interessantes vor die Füße geschwemmt wurde. Thematisch völlig durchmischt, aber immer mehr oder weniger stark politisch geprägt.

100% der dazu befragten Pariserinnen gaben an, schon mal sexuelle Belästigung in den öffentlichen Verkehrsmitteln erfahren zu haben. Einhundert Prozent. 

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Frau zu sein ist teuer. Ein englischsprachiges Video zeigt anschaulich, dass in den USA viele Produkte in der „Frauenversion“ teurer sind, als das gleichwertige „Männerprodukt“. Und scheinbar ist das bei uns nicht anders.

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Vielleicht habt ihr schonmal von Johanna Haarer gehört: Die überzeugte Nationalsozialistin hat in den 1930er Jahren einen von NS-Ideologie nur so triefenden Erziehungsratgeber geschrieben. „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ wurde bis weit in die 1980er Jahre immer wieder neu aufgelegt, und viele „Tipps“ aus diesem Buch gingen im Lauf der Jahre in Dutzende andere Erziehungsratgeber und somit auch in das kollektive Allgemeinwissen über. So wundert es nicht, dass man sogar bis heute noch viele unserer allgemeinen Erziehungsweisheiten auf dieses Nazibuch zurückgehen. Etwa, einen Säugling in einem festen Rhythmus von vier Stunden zu füttern ist so ein Relikt; oder auch die Befürchtung, man könne ein Kind zum Beispiel durch Tragen zu einem verwöhnten kleinen Tyrannen erziehen. Johanna Haarers jüngste Tochter, Getrtrud Haarer, hat ein Buch über ihre Mutter und ihre Kindheit geschrieben, und spricht darüber bei frauTV.

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Amandla Stenberg kennt man vielleicht als die kleine Rue aus „The Hunger Games“. Die gerade einmal 16 Jahre alte Schauspielerin erklärt in einem Video ziemlich einleuchtend ein paar Dinge rund um das Thema kulturelle Aneignung: „Wie wäre Amerika, wenn wir schwarze Menschen genau so lieben würden, wie wir ihre Kultur lieben?“

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Eins sehr typisches Derailing in einer beliebigen Rassismusdiskussion ist der Versuch der Umkehr der Rassismusvorwürfe: „Ist es nicht auch irgendwie rassistisch Weißen gegenüber, wenn…?“;  „Aber da fühle ich mich als weiße Person dann auch ausgegrenzt, wenn….“ …wenn euch solche Sätze auf der Zunge liegen: Beißt feste drauf. Es gibt keinen „Reverse Racism“. Dieser englischsprachige Artikel macht nochmal sehr gut deutlich, warum das so ist.

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Was Mütter Eltern von Jungs wissen sollten. Ich musste sehr schmunzeln ;-)

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Suschnas Blog, in dem sie stets hochinteressante und richtig gut recherchierte Schmankerl aus der Geschichte der textilen Handarbeit schreibt, habe ich euch schonmal vorgestellt. Dieser mit originalen Aufzeichnungen gespickte Artikel über eine junge Frau und ihre Mutter, die sich mit textiler Heimarbeit mühevoll gerade genug Geld verdienten, um nicht zu verhungern, hat mich mal wieder sehr beeindruckt.

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Und wer von euch backt mir jetzt Regenbogen kackende Keks-Einhörner?

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Ganz herzlichen Dank noch für die vielen, VIELEN Tipps, Ideen und Hinweise zu meiner Suche nach Spielzeug für unsere Tochter! Ihr seid spitze, echt! Ich werde vermutlich noch einige Tage brauchen, um mich durch alle Tipps durchzuarbeiten; es waren jedenfalls viele interessante Ideen dabei, und ich werde beizeiten berichten, was dem Mädchen davon gut gefallen hat :) Und vergesst nicht, an meiner gigantomanischen Verlosung von sage und schreibe 11 empowernden Kinderbüchern teilzunehmen!

6 Kommentare

  1. The Rese
    Am 24.04.2015 um 13:38:27 Uhr [Link]

    Die Haarer-Problematik ist auch schön in drei Teilen hier aufgearbeitet
    http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/06/die-erziehung-unserer-groeltern-und.html?m=1
    Fand ich sehr aufschlussreich auch für meinen eigenen Umgang mit meinen Kindern… (Besonders dem „das macht der nur um mich zu ärgern“-Gedanken kann ich mich manchmal nur schwer erwehren und muss mich dann immer gründlich selbst schelten)

  2. Svenja
    Am 24.04.2015 um 22:08:46 Uhr [Link]

    Liebe Ella,

    Ich lese deinen Blog total gern, weil er auch Themen aufnimmt, die die Mehrheitsgesellschaft oft ignoriert ;) Bei Ideen dazu, wie Mädchen und Jungen angeblich sind, muss ich immer sehr schmunzeln, weil ich beobachte, dass diese „Weisheiten“ eben auch eine Konstruktion der Erwachsenen sind und auf beide Geschlechter gleichermaßen zutreffen. So treffen sicher acht von den zehn aufgezählten Dingen auch auf meine Tochter zu :P Wem geht das noch so?

    • ella
      Am 24.04.2015 um 22:25:22 Uhr [Link]

      Ja, das dachte ich mir beim Lesen auch: wahrscheinlich ist das bei Mädchen gar nicht so anders, und man hätte auch einfach „Kinder“ drüberschreiben können, statt „jungs“ ;-)

    • Hedy Mae
      Am 27.04.2015 um 10:29:04 Uhr [Link]

      Mir gehts auch so! :)

  3. Hedy Mae
    Am 27.04.2015 um 10:37:31 Uhr [Link]

    Zu Johanna Haarer denke ich:
    Solange ein Baby/Kind kein Ichbewusstsein hat kann es nicht nicht zu seinem eigenen Vorteil mit Kalkül handeln, darum glaube ich grundsätzlich nicht daran dass Säuglinge oder Kleinkinder „verwöhnt“ werden können. Man kann sie nur lieben und für sie da sein. Flippt meine zweijährige aus, dann nicht weil sie mich ärgern will sondern weil sie es nicht anders auszudrücken weiß. Und selbst wenn sie sich mit Kalkül über ihr Handeln im Klaren ist, dann sind das nun mal ihre Mittel die ihr zu Verfügung stehen. Die haben sich in der Evolution bewährt :). Die Emotion dahinter bleibt ECHT.

  4. mom
    Am 27.04.2015 um 19:59:46 Uhr [Link]

    Ich habe das Buch „Was französische Eltern besser machen“ gelesen, wo ja auch der Ansatz gepriesen wird, die Kinder sehr früh zum alleine (Durch-)schlafen zu bewegen. Ich kann total verstehen, worin der Charme des Konzeptes liegt. Die Französinnen sind i. d. Regel nach ein paar Monaten wieder voll erwerbstätig. Die „deutsche Mutter“ und später einfach nur „Mutter“ war vielleicht Mutter von vielen Kindern und deshalb viel mehr gefordert als die klassische deutsche Einzelkind/höchstens Zweikindmama von heute. Dass sich die mehr Zeit nehmen kann, weil sie NICHT um acht Gewehr-bei-Fuß stehen muss, scheint mir klar. Da ist dann auch mehr Zeit und vielleicht Willen, dem Kind für Entwicklungsschritte Zeit zu lassen. Anscheinend werden französischen Babies durchaus mal Schlafmittel verabreicht – d. h., dass deren Mütter und Väter einfach nicht mehr KÖNNEN, wenn das Baby nicht durchschläft, und deshalb zu drastischen Mitteln greifen. In diese Kategorie ordne ich auch die „Schreienlassen-Tipps“ ein – das sind Tipps für völlig verzweifelte Eltern, die das Kind irgendwie „auf Spur“ bringen müssen, um selbst noch irgendwie leistungsfähig zu bleiben. Meine Schwiegermutter, z. B., die aus einfachsten Verhältnissen war, sehr hart arbeiten musste, jeden Tag um sieben anfing, schwört auf das „Schreienlassen“. Das war für sie wohl die einzige Möglichkeit, noch irgendwie genügend Schlaf und Energie zu bekommen, um ihren Alltag durchzustehen.

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