Links zum Wochenende: lesbische Babybäuche, Überwachung, Objektifizierung vs. Empowerment, Wozu Feminismus?

Jeden Freitag ( und wenn Freitags ein Feiertag ist, auch mal an einem Donnerstag ;-) zeige ich euch hier, was mir in letzter Zeit im Internet so interessantes vor die Füße geschwemmt wurde. Thematisch völlig durchmischt, aber immer mehr oder weniger stark politisch geprägt.

Eigentlich stehe ich nicht so auf romantische Schwangerschafts-Päärchenfotos, aber diese hier fand ich schon sehr toll. Nicht ganz so toll: Die Anmerkung im Text: Wie die beiden schwanger geworden sind, wollen sie aber nicht verraten“ – i mean: what?! Geht das irgendjemanden etwas an? Fragt man bei Heteropäärchen auch nach, wie die Befruchtung so ablief? //kopfschüttelnd ab.

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Habe ich einfach gern gelesen: eine Reportage über einen Briefträger in Kabul – wo Häuser keine Hausnummern haben und immer wieder Anschläge passieren.

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Wie haltet ihr es mit dem Spenden von Geld? Manche Leute spenden einmal jährlich eine größere Summe an eine wohltätige Organisation, andere teilen ihr Erbe oder einen Lottogewinn mit sozialen Projekten…ich spende meist über das Jahr verteilt hier und da eine Kleinigkeit, wo ich es gerade für sinnvoll halte. Das können mal Behandlungskosten für die kranke Katze einer armen Person sein, mal Geld für die Urlaubsreise eines Mädchens, das seine Mutter verloren hat, oder auch Untersützung für Katastrophen- oder Flüchtlingshilfe. Zuletzt habe ich einem jungen Trans*mann eine Kleinigkeit gespendet. Er möchte nach dem Abi sein transfeindliches Elternhaus verlassen und in Berlin ein Studium beginnen. Um den Umzug zu finanzieren und die erste Zeit überbrücken zu können, bis er einen Job findet, bittet er um Unterstützung. Wer auch spenden möchte: Hier gibt es das entsprechende Crowdfunding. Wer keine Kreditkarte hat, kann ihn via twitter (@femtransguy) nach der eMail-Adresse für eine Spende via PayPal bitten.

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Ich lese gerade „ZERO – Sie wissen, was du tust„* einen sehr spannenden Roman über Überwachung, Privatsphäre und den Wert der eigenen Daten. Er spielt in einer sehr nahen Zukunft, und was dort skizziert wird, ist keine Science Fiction, sondern die logische Weiterführung der derzeitigen tatsächlichen Entwicklungen in diesem Bereich. Da kann es einem manchmal schon ein bisschen gruselig zumute werden.
Genau diesen Gruselfaktor dessen, was es bedeuten kann, sich im Internet einfach ganz normal zu bewegen, will einem auch die interaktive Doku-Reihe Do Not Track vor Augen führen. Mich würde interessieren, ob das bei irgendjemandem wirklich klappt, denn bei mir versagt das angeblich allesdurchleuchtende Auge dahinter grandios: Alles, was es über mich weiß, weiß es, weil ich es entweder selbst dort eingegeben habe, oder es stimmt einfach nicht: Bei meinem Wohnort etwa verschätzt es sich um mehrere 100 Kilometer, und auch meinen Internetanbieter hat es nicht richtig ausgelesen. Interessant ist die Dokureihe aber dennoch.

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Wenn ich zwischendurch mal kleine Einblicke in die Alltagsorganisation anderer Familien bekomme, wundere ich mich sehr oft darüber, wie klischeemäßig klassisch viele Haushalte organisiert sind: Egal, ob die Frau arbeiten geht oder zuhause bleibt, ist sie diejenige, die den Haushalt nahezu komplett alleine macht, und die einzige, die weiß, wie er zu organisieren ist. Es gibt Männer in meinem Bekanntenkreis, die nicht wissen, in welchem Küchenschrank was zu finden ist. Wow. Die SZ sagt, das sei selbst in der Steinzeit schonmal besser gelaufen.

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Nicht immer einfach zu erkennen: Wann ist die Darstellung einer Frau sexistisch, und wann empowernd? Das ist keine Frage des persönlichen Bauchgefühls, sondern lässt sich anhand von ein paar einfachen Eckpunkten eindeutig erkennen. Dieser illustrierte kleine Guide hier erklärt das nochmal sehr anschaulich und leicht verständlich.

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Und wenn wir gerade schon im Themenbereich Feminismus sind: Ich wurde in den letzten Wochen mehrfach gefragt, warum ich zu einem ganz bestimmten antifeministischen Rant auf einem anderen Blog nichts entgegnet habe. Nun, es gehört gewissermaßen zu meiner mentalen Self Care dazu, auch mal ein Internet-Drama unkommentiert an mir vorbeiziehen zu lassen. Vor allem dann, wenn schon innerhalb der ersten paar Sätze klar wird, dass der*die Autor*in nicht verstanden hat, was Sexismus und Feminismus sind. Ich möchte das nicht abwertend verstanden wissen, denn ich war in dieser Hinsicht auch eine absolute Spätzünderin. Daher mag ich solche Hilfestellungen gerne, die anschaulich und leicht verständlich erklären, worum es geht. Am allerliebsten, wenn sie gleichzeitig noch witzig sind. In diesem Sinne möchte ich euch diese recht aktuelle Folge der „Anstalt“ empfehlen – bei der einer*einem so manches Mal das Lachen aber auch im Halse stecken bleiben kann.

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Ich wünsche euch ein schönes, erholsames langes Wochenende!

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9 Kommentare

  1. mom
    Am 30.04.2015 um 16:10:49 Uhr [Link]

    Der Steinzeit-Artikel ist lustig, finde ich – jahrzehntelang kauen Medien aller Art die klassischen Mythen wieder – Mann-Jäger-Frau-Sammler -, die von der Wissenschaft selbst schon lange viel differenzierter gesehenw erden -und hier plötzlich das Aha-Erlebnis! In einer ein paar Dutzend starken Gruppe, die sich als Jäger/Sammler genug Nahrung erwirtschaften müssen, sind hochspezialisierte Geschlechterrollen nicht möglich? Na, SO eine Überraschung!
    Warum Paare sich öfter trennen, wenn sie sich die Hausarbeit teilen – vielleicht, weil Scheidungsanträge öfter von Frauen ausgehen, aber in dem „klassischen“ Beziehungsmodell die Frauen in der schwächeren Position sind (nur wenige Teilzeitstunden, dafür mehr „Gratis“ Care-Arbeit), und angesichts der gesetzlichen Lage genau wissen, dass sie sich in die Armut katapultieren, wenn sie einen Scheidungsantrag stellen? Oder ist das zu böse gedacht?

  2. Nicole
    Am 01.05.2015 um 15:31:14 Uhr [Link]

    Ich verstehe die Anmerkung „Wie sie schwanger geworden sind, wollen sie nicht verraten“ als Beantwortung der zwangsläufig beim Lesen aufkommenden Frage. Nicht als Empörung. Journalistische Sorgfaltspflicht, die W-Fragen zu beantworten. Kein Anlass, kopfschüttelnd abzugehen, imho.

    • ella
      Am 01.05.2015 um 15:46:56 Uhr [Link]

      Es geht einfach niemanden etwas an, auf welche Weise man schwanger wurde, egal ob heterosexuell oder homosexuell. Die Befruchtung einer Eizelle funktioniert bei einer lesbischen Frau nicht anders, als bei einer heterosexuellen. Aber während das Recht auf die Privatheit, wie die Samenzelle denn zum Ei kam, für Heteros ganz selbstverständlich gilt, müssen gleichgeschlechtliche Menschen bittesehr erklären, wie sie das denn hingekriegt haben. Das hat nichts mit „journalistischer Sorgfaltspflicht“ zu tun, sondern ist schlicht unangebracht.

      • Saskia
        Am 02.05.2015 um 14:05:49 Uhr [Link]

        “Wie die beiden schwanger geworden sind, wollen sie aber nicht verraten”

        Für mich war dieser Satz beim ersten Lesen weniger die Frage nach der Befruchtung der Eizelle, als viel mehr die Frage nach dem biologischen Vater.

        Auch falls dieser Mensch nie die Stelle eines sozialen Vaters einnimmt (oder einnehmen soll), vertrete ich die Menung, dass man den Kindern diesen Menschen nicht vorenthalten darf.
        Für mich ist aufgrund dieser Überlegung vollkommen klar, dass sich bei gleichgeschlechtlichen Paaren, die gemeinsam Kinder bekommen, die Frage nach den biologischen Eltern und dem Umgang mit ihnen stellt.
        (Genuso wird ja auch bei Patchworkfamilien, oder Famen mit Adoptiv- oder Pflegekindern die Frage nach dem „fehlenden“ Elternteil oder den Eltern grundsätzch gestellt.)

        Verwerflich finde ich eine soche Frage (falls sie so gemeint war, wie ich sie verstanden habe) keinesfalls.

      • ella
        Am 02.05.2015 um 14:41:29 Uhr [Link]

        …und trotzdem geht die Frage nach dem biologischen Vater, und die danach, wie die beiden Mütter das handhaben werden, dann höchstens das Kind etwas an; unbeteiligte Menschen oder gar Leser*innen dieses Artikels aber nicht. Zumal es da einfach nur um zwei schöne Babybauchfotos geht, und nicht um einen informativen Artikel über verschiedene Regenbogenfamilien-Konzepte. Die Frage, nach der Art und Weise der Empfängnis empfinde ich da schlicht als unangebrachten Faux-Pas. Auch deshalb, weil man anhand solcher Fragen auch wieder die Andersbehandlung und -bewertung von Regenbogen- gegenüber Heterofamilien bemerken kann. Bei Heterofamiliien würde man immer ganz selbstverständlich davon ausgehen, eine Schwangerschaft sei auf sogenannten „normale“ Weise entstanden. Da lese ich nie, dass automatisch die Frage nach der Empfängnismethode mitgestellt wird – und zwar deshalb nicht, weil inhärent klar ist, dass diese Frage möglicherweise unangenehm wäre und eine Grenze überschreiten würde. Bei homosexuellen Paaren scheint wird dieser Respekt einfach deutlich seltener gewährt; es ist Usus, dass Fragen wie diese gleich mitgestellt werden (was nicht nur für den Bereich Schwangerschaft und Familienkonzept gilt, sondern auch noch für ganz andere, noch deutlich intimere Bereiche). Und selbst, wenn man bei einem Heteropaar in Einzelfällen weiß, dass eine Schwangerschaft durch künstliche Befruchtung, Samen- oder Eizellenspende entstand, wird das längst nicht so kritisch bewertet, wie wenn zwei Frauen mit Hilfe dieser Technologien Eltern wurden. Das ist einfach eine private Sache, die niemanden etwas angeht. Und nur weil wir in der Hinsicht vielleicht neugierig sind, haben wir nicht automatisch ein Recht auf diese Information. Ich würde mir an dieser Stelle einfach mehr Awareness und Rücksichtnahme auf Privatheit wünschen.

      • Saskia
        Am 02.05.2015 um 15:35:05 Uhr [Link]

        Es geht nicht nur um zwei beliebige schöne Babybauchfotos, das zeigt schon die Überschrift des Artikels. Außerdem: Wären es 2 schöne Babybauchfotos einer Heterofamilie, hätten sie wohl kaum so eine große Aufmerksamkeit hervorgerufen.

        Mir geht es wirklich überhaupt nicht um die Empfängnisart, sondern nur um die Frage nach biologischen Eltern. Und die wird auch bei Heterofamilien mit „ungewöhnlichen“ Familienkonzepten gestellt.

        Natürich ist die Frage sehr persönich und sie nicht zu beantworten absolut legitim!
        Aber ist es nicht besser aufkommende Fragen (auf diskrete und angemessene Art und Weise!) zu stellen um den Betroffenen die Möglichkeit zu geben etwas zu erklären, als zu schweigen?
        Anders ist es doch kaum möglich ungewohnte Lebenskonzepte kennen und akzeptieren zu lernen.
        Auch ich wünsche mir, dass wir alle für uns ungewöhnlichen Lebensformen gegenüber offener und toleranter werden statt sie in Frage zu stellen. Aber dafür muss man sie kennen lernen und Fragen stellen dürfen.

        „Und selbst, wenn man bei einem Heteropaar in Einzelfällen weiß, dass eine Schwangerschaft durch künstliche Befruchtung, Samen- oder Eizellenspende entstand, wird das längst nicht so kritisch bewertet, wie wenn zwei Frauen mit Hilfe dieser Technologien Eltern wurden.“
        Das ist abhängig davon, wer bewertet. Bspw. Spenderkinder werten das häufig anders, als du es suggerierst.

        „und trotzdem geht die Frage nach dem biolgischen Vater […] höchstens das Kind etwas an“
        Das „höchstens“ sehe ich absolut kritisch. Natürlich geht es das Kind etwas an, noch wesentlich mehr als die sozialen Eltern.

  3. Nicole
    Am 01.05.2015 um 17:46:52 Uhr [Link]

    Dass es niemanden etwa angeht, sehe ich auch so. Aber die Frage stellt sich, wurde ja offensichtlich auch gestellt. Und quasi mit „Geht niemanden etwas an“, womöglich freundlicher, beantwortet und anschließend transportiert. Fände es von oben herab, wenn sie nicht gestellt oder die offene und Grenzen ziehende Antwort darauf im Text verschwiegen worden wäre.

  4. Ramona
    Am 02.05.2015 um 21:26:13 Uhr [Link]

    Hast du Lust, irgendwann mal über eure Alltagsorganisation und Arbeitsteilung in der Familie zu schreiben? Ich finde das immer sehr interessant, wie andere Familien sich da organisieren.

    • ella
      Am 07.05.2015 um 21:29:26 Uhr [Link]

      Ich hab in letzter Zeit immer mal wieder überlegt, generell über meine Arbeitsorganisation zu schreiben, vor allem wie das Arbeiten mit den Kindern zusammenpasst. vielleicht passt das da ja auch mit rein.

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