Ein Herbstbäumchen steht im Walde.

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Schon seit einigen Tagen ist der Herbstbäumchen-Quilt für einen kleinen Spätsommer-Jungen fertig. Diese Bäumchen-Quilts erfreuen sich einiger Beliebtheit; so ist das nun schon der dritte, den ich nähen durfte (eins, zwei). Passend zur Jahreszeit ist der Baum noch bunt, aber einige Blätter sind schon abgefallen. Ein Eichhörnchen, eine Eule und ein Igel schauen, was sich so für herbstliche Leckereien finden.

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Anhand dieses Quilts will ich einmal kurz über Applikationen sprechen. Es gibt verschiedene Arten, Applikationen auf Quilts aufzubringen. Die Technik, die ich hier angewandt habe, nennt sich raw edge appliqué, und wie der Name schon sagt, werden die Applikationen hier unversäubert aufgebracht. Üblicherweise wird dazu ein Geradstich verwendet. Allerdings neigen alle diese raw edge appliqués dazu, ein bisschen auszufransen. Deshalb nehme ich, gerade wenn der Quilt vielleicht auch von Kindern benutzt wird, gerne einen Zickzackstich, weil ich mir davon etwas mehr Haltbarkeit verspreche. Optisch macht das nicht wirklich einen Unterschied, wenn man die Farbe des Garns ganz genau passend zum Stoff wählt, und der Zickzackstich schön klein, aber nicht zu eng gewählt wird. Bei gemusterten Stoffe, wie hier dem gepunkteten, den ich für das Bäumchen selbst verwendet habe, muss man sich dann für einen Farbton entscheiden, und kann damit keinen treffen, der wirklich unsichtbar wirkt. Daher wirkt das Bäumchen ein bisschen wie umrandet, was ich aber auch nicht schlecht finde.

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Es gibt Möglichkeiten, Applikationen vor dem aufbringen zu versäubern, so dass man keine offenen Stoffkanten auf das Quilt Top näht. Allerdings sind diese Techniken sehr aufwändig in der Umsetzung, vor allem, wenn man viele Applikationen mit komplizierten Formen zu machen hat, wie hier bei den Waldtierchen. Das kostet Zeit, und dadurch wird so ein Quilt dann wieder eine ganze Ecke teurer. Aber gehen tut’s schon. Vielleicht darf ich auch mal einen Quilt mit solchen Applikationen für einen*eine Kund*in machen; so oder so werde ich euch bestimmt irgendwann mal zeigen, wie das geht.

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Zurück zu diesem Bäumchen: Es macht mir jedes Mal Spaß, besondere Applikationen zu entwerfen. Es ist immer wieder eine Herausforderung, komplexe Motive so zu abstrahieren, dass die charakteristischen Merkmale erhalten bleiben, das ganze aber in möglichst einfache Formen „zerfällt“, die man gut aufnähen kann. Diesmal bin ich besonders verliebt in das Igelchen, obwohl das das einfachste der drei Tierchen ist: Ich mag die Stacheln aus Zackenlitze richtig gern und denke, aus der Idee müsste ich fast noch mehr machen. Wäre der Quilt nicht für ein kleines Kind gewesen, hätte ich sowohl beim Igel, als auch bei der Eule gerne mit kleinen Knöpfen gearbeitet, die ich als Nase oder Augen eingesetzt hätte. Stattdessen habe ich diese Merkmale dann aufgestickt, was mir aber auch ganz gut gefällt.

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Da der Quilt als Wandbehang verwendet werden soll, habe ich auf der Rückseite eine einfache Möglichkeit zur Aufhängung angebracht: Zwei Stoffquadrate, jeweils diagonal gefaltet und in den Ecken mit dem Binding eingefasst. Da kann ein  Rund- oder ein schmales Kantholz eingehängt und der Quilt damit an die Wand gebracht werden.

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Gequiltet ist das Ganze wieder in einem Free Motion Quilting aus Jahresringen und Astlöchern, was mir auch beim zweiten mal sehr gut gefällt. Diesmal habe ich mich der Herausforderung gestellt, einen Unterfaden passend zur roten Rückseite zu wählen; habe oben also mit hellem beige und unten mit rot gequiltet. Das ist eine riesen Teufelei, von der so ziemlich jedes Free Motion Quilting Tutorial abrät, weil so jede winzige Unregelmäßigkeit in der Fadenspannung sichtbar wird, in dem sich kleine Pünktchen der Garnfarbe auf der falschen Seite durchdrücken. Trotzdem wird es immer wieder von erfahrenen Quilterinnen probiert, weil es gleichzeitig halt auch als Königsdisziplin gilt. Ich habe aber noch kein einziges auf diese Weise gequiltetes Stück gesehen, auch nicht von wirklich sehr erfahrenen Quilterinnen, das vollständig ohne solche kleinen Unregelmäßigkeiten auskommt. Insofern schäme ich mich auch nicht, dass es auch bei diesem Quilt hier und da kleine holperige Stellen gibt. Optisch fällt es nur bei genauerem Hinsehen ein bisschen auf. Solange es der Qualität des Quilts keinen Abbruch tut, kann ich das in diesem Fall vertreten.

Der Quilt geht diese Woche noch auf die Reise in sein neues Zuhause. Auf dass er dort lange Freude schenkt!

 

3 Kommentare

  1. AnnJ
    Am 12.11.2015 um 12:57:41 Uhr [Link]

    Abgesehen davon, dass ich mich spontan in den Igel verliebt habe, finde ich die Aufhängungslösung sowas von genial. ’sch bin begeistert! Tolle Arbeit!
    Lieben Gruß
    AnnJ

  2. Sybille
    Am 13.11.2015 um 10:23:12 Uhr [Link]

    Wun-der-schön: der Quilt, das Motiv, die gewählten Stoffe und auch die Fotos mit dem Herbstbäumehintergrund. Und das Rot auf der Rückseite ist sehr Wow!

  3. Johanna
    Am 19.11.2015 um 13:56:43 Uhr [Link]

    Wunderschön, wie immer!! Welches Volumenvlies verwendest Du für Deine Quilts?

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