Links zum Wochenende: keine Thermomix-Liebe, Ende eines Geldstreiks, Brasilien, was Native Americans über Kolumbus denken u.a.

Jeden Freitag zeige ich euch hier, was mir in letzter Zeit im Internet so interessantes vor die Füße geschwemmt wurde. Thematisch völlig durchmischt, aber immer mehr oder weniger stark politisch geprägt.

Anfang des Jahres schrieb ich einen Artikel über einen Thermomix-Abend, auf dem ich eingeladen war. Der Artikel stieß längst nicht überall auf Begeisterung; diejenigen meiner Leser*innen, die selbst einen Thermomix besitzen und heiß und innig lieben, fanden meine Haltung zu dem Ding natürlich weniger toll. Wenn Ihr zu ebendiesen gehört, lest jetzt mal kurz weg.

Denn: Ich bin mit meiner Abneigung gegen den Thermomix und vergleichbare Küchengeräte nicht allein:

„Warum bloß graust mir so vor diesen Küchenhelfern, ob sie nun Thermomix, Kitchenaid oder Cooking Chef heißen? Sie wollen doch nur helfen. Was macht sie so unsympathisch, dass es mir peinlicher wäre, eine solche Maschine anzuschaffen als die Tatsache zu beichten, dass ich einst die Platte Abenteuerland von PUR mitsingen konnte?“

„Der Thermomix löst keine Probleme“; Marie Amrhein in der Kolumne „Stadt, Land, Flucht“ des Cicero.

Passend dazu hat die Stiftung Warentest herausgefunden, dass der Thermomix gar nicht die beste Küchenmaschine ist. Er landet nur auf Platz vier aller getesteten Geräte.

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In den letzten Wochen haben einige Bloggerinnen, die ich gern lese, einen konsumfreien November gemacht. Überhaupt ist Minimalismus, sowohl bezogen auf Konsum, als auch generell auf Besitz und Lebensstil, fast schon ein Trend geworden, nicht nur in der deutschen Blogsphäre. Meine Gedanken dazu sind sehr durchwachsen, und ja, dazu gärt hier irgendwo auch ein eigener Blogeintrag. Während ich mir in den letzten Tagen immer wieder Gedanken dazu machte, las ich mit Staunen die Nachricht von Rafael Fellmer, dessen Projekte ich schon lange verfolge (er hat unter anderem die Lebensmittel-Rettungs-Plattform foodsharing.de gegründet und aufgebaut), dass er nach nun mittlerweile 5 Jahren, in denen er ohne Geld gelebt hat, seinen Geldstreik beendet hat.

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Gestern schrieb ich noch von meiner Faszination für vollständig ganz ohne den Einsatz von maschinellen Hilfsmitteln von Hand Gemachtes – diese Stücke, allesamt mehrere tausend Jahre alt, gehören auch dazu. Könnt ihr euch vorstellen, wie schwierig und anstrengend es sein muss, solche Kleidungsstücke und Teppiche mit groben Horn-Nadeln und Tiersehnen statt feinem Nähgarn anzufertigen?

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Brasilien versinkt in giftigem Schlamm, und niemanden interessiert’s.

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Es gibt Familien, die haben’s einfach drauf. Die machen einfach, und zwar das Richtige und Wichtige. Anna Luz, die BerlinMitteMom, ist Leitwölfin einer solchen Familie. Seit einigen Tagen teilen sie ihr Haus mit einer Flüchtlingsfamilie. Einerseits macht mir diese Art der Hilfsbereitschaft Gänsehaut und rührt mich sehr, auch wenn ich mir gleichzeitig wünsche, so etwas wäre, sodenn man die Möglichkeit hat, es zu leisten, viel selbstverständlicher. Andererseits macht es mich wütend, dass so viel, so unendlich viel Druck und Verantwortung, ohne mit der Wimper zu zucken, auf die Schultern von Freiwilligen Helfer*innen und Unterstützer*innen gepackt wird, die sich bis zur völligen Erschöpfung darum bemühen, dass wenigstens die basalsten Grundbedürfnisse der vielen Geflüchteten abgedeckt wird; niemand hungern, schmerzen leiden oder erfrieren muss. Und es treibt mich gedanklich fast zur Verzweiflung, dass der Staat in seinem Bemühen um die Flüchtlinge so oft so bescheuert handelt. Und zum Beispiel Menschen, die Zuflucht bei Familien wie der von Anna Luz gefunden haben, von dort wieder in überfüllte Lager zurückschickt. Manchmal mit Begründungen, wo man sich wirklich an den Kopf fassen möchte.

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Auch ein Dreivierteljahr danach komme ich immer noch ab und zu auf Jasnas und meinen Artikel über den Rassimus in „Indianer“verkleidungen zurück. Neben viel positivem Feedback stieß der Artikel bei einigen auf tiefes Unverständnis und wahrscheinlich auch mangelnde Bereitschaft, sich wirklich mal damit auseinanderzusetzen, was „wir“ eigentlich mit den Native Americans gemacht haben und bis heute machen. Wir alle haben als Kinder vermutlich lauthals „Ein Mann, der sich Kolumbus nannt'“ gesungen und fanden, den „Entdecker“, der durch einen „lustigen Zufall“ Amerika entdeckte, sehr spannend. Ich setze das alles in Anführungszeichen, weil mir, trotz aller Recherche, die wir damals zu diesem Artikel betrieben haben, gar nicht klar war, was für eine negative Figur Christopher Kolumbus für die Natives ist. Beim Anschauen dieses Videos hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Singt man da noch gerne wide-wide-witt bumm bumm?

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Habt ein schönes, schmerzfreies, erstes Adventswochenende!

2 Kommentare

  1. Anja
    Am 27.11.2015 um 13:29:00 Uhr [Link]

    Liebe Ella,

    ich finde Deinen Blog wirklich schön und vielfältig und lese ihn sehr gern. Deine Freitags-Rubrik mag ich besonders. Bis auf eins: Du verlinkst häufig rein englisch-sprachige Videos und ich glaub, damit schließt Du viele Menschen aus. Ich selbst spreche ganz gut englisch, jedenfalls bilde ich mir das ein. Aber selbst mir fällt es meist schwer, diesen Videos zu folgen, ich verstehe oft nur die Hälfte von dem, was gesagt wird. Und es gibt eben viele Menschen, die viel schlechter englisch sprechen oder gar nicht. Die sind dann von diesen Themen auf Deinem ja eigentlich deutsch-sprachigen Blog total ausgeschlossen. Das ist wirklich schade.
    Ist aber wirklich nur ein Denkanstoß. Ansonsten machst Du Dir so viele Gedanken und Arbeit und das finde ich toll! Ich hoffe daher, Du nimmst mir diese Krititk nicht übel.
    LG
    Anja

  2. Katze
    Am 28.11.2015 um 11:21:20 Uhr [Link]

    Soso, Thermomix und andere Küchengeräte machen also nicht kreativ und hemmen damit den gesellschaftlichen Fortschritt. (Das selbe ließe sich über Geschirrspüler, Schnellkochtöpfe, Waschmaschinen, Nähmaschinen und Staubsauroboter schreiben. Mal davon abgesehen)Der verlinkte Artikel ist mit Abstand der schlechteste, den ich in letzter Zeit über den Thermomix gelesen habe. Nein, eigentlich nicht über. Das ist ein Artikel, der ein umstrittenes Gerät nimmt und versucht, möglichst viele aktuelle Themen damit zu vermischen. Leider kommt dabei nicht mal im Ansatz eine kohärente Argumentation zustande.

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