Links zum Wochenende: Curvy Barbie, Hasskommentare, Alltagsrassismus im Fasching, Magersucht trotz Übergewicht u.v.m.

Jeden Freitag zeige ich euch hier, was mir in letzter Zeit im Internet so interessantes vor die Füße geschwemmt wurde. Thematisch völlig durchmischt, aber immer mehr oder weniger stark politisch geprägt.

Es geht los mit einer guten Nachricht in Sachen Body Diversity: Nach Jahrzehnten, in denen Barbie vollkommen unnatürliche Proportionen hatte und damit ein völlig unrealistisches Schönheitsideal aufrecht erhielt, wird es nun endlich Barbiepuppen mit vier verschiedenen Körpertypen geben. Neben der klassischen Barbie, die weiterhin erhältlich bleibt, gibt es Barbie in den Versionen „tall“, „petite“ und „curvy“. Am schönsten und realistischsten finde ich die „curvy“ Variante. Kein schlechter Anfang, immerhin.

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Du bist eine Cis-Person, aber Trans*menschen gegenüber total aufgeschlossen? Das ist schön! Aber schau dir mal dieses Comic an und denk dann nochmal drüber nach, wie manche der Dinge, die du zu Trans*personen vielleicht sagst, bei ihnen ankommen.

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Je nachdem, worüber man im Internet schreibt, muss man sich – neben viel Zuspruch – nicht selten auch auf hasserfüllte und beleidigende Kommentare einstellen. Nicht selten sind auch Androhungen von Gewalt dabei – vor allem die feministischen und antirassistischen Aktivist*innen in meinem Umfeld können da mehr als nur ein Lied von singen. Einige von Ihnen haben auf bento ein paar der Hasskommentare beantwortet.

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A propos Hasskommentare: Es ist Karneval, Fasnet, Fasching, und damit wieder Zeit, auf Jasnas und meinen Artikel über kulturelle Aneignung und Alltagsrassismus im Fasching vom letzten Jahr hinzuweisen. Dieser Artikel hat uns einerseits viel Zuspruch beschert, andererseits hat er zumindest mich aber auch einige eigentlich nette Internetbekanntschaften gekostet. Das ist in manchen Fällen durchaus schade, aber ich hoffe, dass der Groschen zu diesem Thema hier oder da vielleicht doch irgendwann noch fällt. Rassismus ist keine Meinungssache, sondern eine Sache von Fakten. Ihn sich einzugestehen, ist äußerst unangenehm; aber in der Folge dann dran arbeiten zu können, eine große Bereicherung. Immerhin sickert das so ganz langsam wenigstens tröpfchenweise ins Allgemeine Bewusstsein: Sogar der Bund deutscher Pfadfinder*innen hat was dazu geschrieben, und eine Blogleserin hat mich auf diese Broschüre zum Thema „Fasching vorurteilsbewusst feiern – Anregungen für eine diskriminierungssensible Praxis“  aufmerksam gemacht – die sich auch gut eignet, um sie an Kindergärten und Schulen weiterzuleiten.

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Wusstet ihr, dass man an Anorexie leiden und trotzdem stark übergewichtig sein kann? Ich habe mich erst neulich mit jemandem darüber unterhalten, und kurz drauf zufällig diesen Artikel gelesen, in dem ich mich teilweise ganz schön unangenehm wiedererkannt habe.

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„Nimm mich jetzt auch wenn ich stinke, denn sonst sag ich winkewinke und Goodbye“ – okay, das war jetzt gemein, euch einfach so hinterrücks einen fiesen Ohrwurm ins Gehör zu setzen. Was genau es mit dem Ohrwurm auf sich hat, und was Mediziner und Psychologen von ihm halten, fand ich interessant zu lesen.

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Wenn ich manchmal mit Menschen, die keine persönliche Erfahrung mit Behinderung haben, über Inklusion spreche, gibt es meistens zwei Varianten, wie das Gespräch laufen kann: Die einen stellen sich Inklusion viel zu einfach vor bzw. meinen, sie sei gar nicht nötig, weil doch eh schon alles schick sei in dem Bereich. Die anderen stellen es sich tierisch kompliziert und schwierig vor, Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich überall gleichberechtigt teilhaben zu lassen. In der letzten Woche bin ich über auf zwei Beispiele von Inklusion gestoßen, die ich wirklich toll fand: Um der Mutter eines Kindes mit Behinderung das Einkaufen zu erleichtern, hat ein Supermarkt in Schweinfurt einfach mal einen speziellen Einkaufswagen angeschafft. Und: Als Nico ein Kleinkind war, wurde bei ihm Muskeldystrophie Duchenne diagnostiziert. Nico blieb Teil seines Freundeskreises, der Stück für Stück immer mehr der Dinge für ihn übernahm, die er nicht mehr selbst konnte. Heute sind Nico und seine Freunde Mitte/Ende 20 und halten immer noch zusammen, wie Pech und Schwefel. Sie übernehmen sogar im Schichtbetrieb die Pflege ihres Kumpels, der mittlerweile nur noch seinen Kopf bewegen kann.

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Ben & Jerry stellt demnächst auch vegane Eiscreme her!

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Noch so ein Artikel, bei dem ich aus dem Kopfnicken gar nicht mehr Herauskam, weil ich mich so sehr darin wiedererkannt habe: Wie beängstigend es sein kann, wenn man nach Jahrzenten, in denen man überwiegend in prekärem Verhältnissen gelebt hat, plötzlich zu bescheidenem Wohlstand – bzw. einfach zu einer ganz normal gut bezahlten Arbeit – gelangt. Ich habe Jahre gebraucht, bis ich nicht mehr neben jeden Punkt auf dem Einkaufszettel den Preis geschrieben habe um zu überprüfen, wieviel Essen ich mir leisten kann – zur Not unter Zuhilfenahme des Pfandgeldes.

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In den letzten Tagen ging eine Meldung ziemlich rum: in vielen großen Städten seien Treffen von Pick-Up-Artists geplant, die, gecoacht von „Vergewaltigungstrainer“ Roosh V Jagd auf Frauen machen wollen. Heute morgen las ich, diese Treffen seien nun angeblich abgesagt worden. Was auch immer davon nun tatsächlich stimmt: Wenn ihr dieses Wochenende in einer der aufgelisteten Städte unterwegs seid, passt bitte ganz besonders auf euch und eure Mitmenschen auf, ja?

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Nachdem die Links zum Wochenende letztes Mal ausfallen mussten, weil ich in Berlin unterwegs war, geht ihr heute hoffentlich umso üppiger versorgt ins Wochenende. Macht euch ein schönes ebensolches!

14 Kommentare

  1. Siegfried
    Am 05.02.2016 um 09:16:37 Uhr [Link]

    Das mit der Inklusion von Behinderten ist so eine Sache. Ich bin als Kind mal einer Gruppe Halbstarker begegnet, von denen mindestens einer im Rollstuhl war. Ich erinnere mich speziell an den Einen, weil dieser die Anderen aufgehetzt hat, mich zu verprügeln. Einfach so, ohne Grund, nur aus Spaß. Seitdem sehe ich zu, dass ich mich verdrücke, wenn ich Gruppen mit Rollstuhlfahrern begegne.

    • antje
      Am 05.02.2016 um 12:47:28 Uhr [Link]

      Ein sich falsch verhaltender Rollifahrer repräsentiert also alle Behinderte, so wie ein Mann alle Männer, eine Frau alle Frauen, ein Nordafrikaner alle…

      Schön wenn für einen die Welt so einfach funktioniert.

      lG
      Antje

  2. Sarah
    Am 05.02.2016 um 10:39:29 Uhr [Link]

    Danke für deine tollen Links- es ist immer mindestens ein Thema dabei, was mich dann länger beschäftigt.
    Zum Thema Alltagsrassismus: es geht im Kinderalltag nicht nur um Kostüme. Ich kämpfe derzeit dagegen an, dass hier die Rocailles permanent als „Indianerperlen“ bezeichnet werden. Auch Aufklärung hilft nur wenig, wenn die Lehrerin die Bezeichnung hartnäckig weiter benutzt und es sich so einschleift….
    Ich finde die Barbiepuppen immer noch sehr „Stockbeinig“ aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung :)
    Ich wünsche dir/euch ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße Sarah

    • Mom
      Am 05.02.2016 um 23:31:46 Uhr [Link]

      Was ist an „Indianerperlen“ rassistisch?

      • ella
        Am 05.02.2016 um 23:34:36 Uhr [Link]

        Das Wort „Indianer“.

      • Mom
        Am 06.02.2016 um 22:40:49 Uhr [Link]

        Ah, das ist die hohe Schule der political correctness, die ich ziemlich absurd und vor allem wenig hilfreich finde. Aber jede/r, wie er/sie mag.

  3. Sybille
    Am 05.02.2016 um 13:03:49 Uhr [Link]

    hihi das mit dem Ohrwurm ist ein toller Artikel! (Jetzt habe ich natürlich fast alle der dort genannten Ohrwürmer im Ohr…) :)
    Schönes Wochenende!

  4. Marinski
    Am 05.02.2016 um 13:25:23 Uhr [Link]

    Tolle Links, aber Achtung
    Bund der deutschen PfadpfinderInnen hat nix mit der Bundeszentrale für Politische Bildung zu tun. ;)

    • ella
      Am 05.02.2016 um 13:28:24 Uhr [Link]

      Oh, mein Hirn spielt mir Streiche! Danke für den Hinweis, habs geändert!

  5. Jenny
    Am 06.02.2016 um 00:56:58 Uhr [Link]

    Liebe Ella,
    vielen Dank für die – wie immer- interessanten Links!
    Besonders berührt hat mich Nicos Geschichte – Duchenne ist so heftig, und es ist schön zu sehen, dass es ihm trotzdem gelingt, so selbstbestimmt zu leben.

  6. Anke
    Am 07.02.2016 um 14:09:44 Uhr [Link]

    Huhu

    die Reportage über Nico habe ich auch gesehen – natürlich, mein Sohn hatte auch Duchenne. Einerseits schön zu sehen, wie es bei den Jungs funktioniert, andererseits bin ich – erleichtert? – das meinem Sohn die ganz schlimmen Zeiten erspart blieben. Ich weiß grad nicht, wie ich es besser formulieren könnte.

    Ich wusste ansatzweise, was auf uns zukommen würde – aber das war nur ein Bruchteil von dem, wie es wirklich ist ….

    LG
    Anke

  7. Elda
    Am 07.02.2016 um 16:25:23 Uhr [Link]

    Well. Magersucht ist für viele Essgestörte mehr als eine Diagnose – es ist eine Art Orden, die sehnlichst gewünschte Auszeichnung dafür, dass man dazu gehört zum Club derjenigen, die hungern (können), die sich so hart disziplinieren, dass ihr Gewicht sinkt und sinkt, die wie verrückt Sport machen, die verzichten (können), die der ständigen Verführung durch Essen in einer Gesellschaft, in der 50% üg+ sind, widerstehen können. Es muss diese Diagnose sein – EDNOS (eating disorders not otherwise specified) oder ARFID (avoidend restrictive food intake disorder) genügen eben nicht, klingen nicht so schön wie „Magersucht“ und schlimmer noch – kaum einer kennt sie!
    Das Problem ist also nicht ein Diagnosekriterium, das AUS GUTEM GRUND besteht und nun mal genuin zur Anorexia gehört, nämlich manifestes UG! – das Problem ist der Wunsch der Betroffenen, magersüchtig sein zu dürfen. Es spricht nichts dagegen, mit der Diagnose „Essstörung nicht näher benannt“ oder „atypische Magersucht“ eine Therapie in Anspruch zu nehmen. Allerdings spricht SEHR VIEL dagegen, die Ursprungsdiagnose aufzuweichen. In einer Gesellschaft, in der „pro Ana“ immer noch wächst und gedeiht und junge Mädchen auf der Suche nach „Thinspos“ das Netz durchforsten, würde sonst rasch jeder, der ein bisschen herumhungert, „magersüchtig“ und den tatsächlich Erkrankten kann nicht die Hilfe zuteil werden, die sie benötigen.

  8. M
    Am 08.02.2016 um 02:36:19 Uhr [Link]

  9. Martha
    Am 10.02.2016 um 22:03:15 Uhr [Link]

    Darf ich zugeben, dass ich es nicht als sinnvoll erachte, diverse Diskussionen aus den USA eins zu eins auf die deutsche Gesellschaft zu übertragen. Das hakt einfach an vielen vielen Stellen.

    Zudem mag ich sagen, dass ich den Begriff des privilegierten Weißen nur aufgrund seiner Hautfarbe selbst als rassistisch empfinde.
    Erklärt das mal einem Kind, dessen Familie am wirtschaftlichem Abgrund lebt, während sein schwarzer Kindergartenfreund vielleicht aus gutem Mittelstand kommt. Erklärt ihm bitte mal, dass dieses Kind privilegiert ist, einfach nur, weil es weiß ist.
    Oder ist die Familie des schwarzen Kindes dann strukturell weiß? So wie Obama, ist der strukturell weiß?

    Ich hoffe, es wird deutlich, worauf ich hinaus möchte. Es gibt auch in Amerika kritische Stimmen zu dieser Betrachtungsweise, denn es reduziert die Menschen genauso wie sonst nur auf ihre Hautfarbe.

    Wir sollten hier in Europa eine eigene Diskussion beginnen mit eigenen Begriffen.

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