Links zum Wochenende: heute kurz und klein – und ein kleiner Nachklapp zum Sohnkleidchen.

Jeden Freitag zeige ich euch hier, was mir in letzter Zeit im Internet so interessantes vor die Füße geschwemmt wurde. Thematisch völlig durchmischt, aber immer mehr oder weniger stark politisch geprägt.

Letzte Woche gab es ganz schön viele Links, diese Woche werden es leider nur ganz wenige. Ich bin erkältet, der große Sohn hat Schuferien und es gibt beruflich und privat gerade so einiges zu erledigen und zu organisieren – ich bin weiterhin im Dauerrotationsmodus, und trotzdem bleibt total viel liegen. Da warten immer noch Leute auf ihre gewonnenen Bücher, Mails bleiben unbeantwortet und meine Zeit im Internet habe ich diese Woche fast gar nicht mit entspanntem Freizeitsurfen verbracht. Daher habe ich heute auch nur ein paar wenige Links für euch.

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Kennt ihr Trudes Tier aus der Sendung mit der Maus? Ich LIEBE es! Gezeichnet wird die Serie von Sarah Brandstätter, und hier kann man sehen, wie sie das macht. Superinteressant!

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Ich mag feministische Kunst und habe mir vor einigen Wochen eine Nippelbrosche von Octoplum gekauft, und ich liebe sie! Nein, das muss nicht jede*r schön finden, aber es kann sich hoffentlich jede*r beherrschen, mir meine schöne Nippelbrosche madig zu reden (danke ;-). Maria hat auch was schönes gefunden und mir gezeigt: Stickbilder von Meg Nixon. Wunderschön! Und wenn man keine gestickten Labien oder perlenbesetzten Tampons braucht, kann man sich immer noch an den technischen Feinheiten ihrer Stickkunst erfreuen.

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Für die Badische Zeitung habe ich einen Fragebogen für, wie die Redakteurin mir erklärte, „interessante Persönlichkeiten unserer Stadt“ ausgefüllt. Soso! Der Fragebogen erschien gestern sowohl online, als auch in der Papierausgabe, und während das in meinem Umfeld eigentlich niemanden gejuckt hat, bekam meine Mutter gleich 4 Anrufe von Bekannten, die sich den Fragebogen teilweise sogar ausgeschnitten haben und ihn aufheben wollen. Jaja, die Generation, wo „in der Zeitung sein“ noch quasi gleichbedeutend war mit „berühmt sein“ ;-) Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten.

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Ein Filmproduzent twittert die jeweils erste Erwähnung einer Frauenrolle in jedem Script, das ihm unterkommt. Warum? Weil es so bezeichnend ist, dass die Beschreibungen der Frauenrolle fast immer sexistisch ausfallen.

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Wer vom Kleidchen des kleinen Sohns schon Pickel kriegt und nichts mehr davon lesen will, den verabschiede ich bereits jetzt in ein schönes Wochenende! Habt eine gute Zeit!

 

Alle anderen, die noch können, dürfen gerne weiterlesen. Ja, das hat ganz schön eingeschlagen, das Kleidchen. Fast 50.000 Mal wurde der Blogbeitrag aufgerufen, hundertfach auf facebook geteilt und viele hundert male auf twitter geliked und retweetet. Das hat mich gleichermaßen überrascht und gefreut, und nach der Veröffentlichung ging es in meinem Posteingang etwa zwei Wochen lang zu, wie im Taubenschlag. Ich habe ganz, ganz viel Leser*innenpost bekommen, und zwar überwiegend von Männern. Die meisten davon erzählten mir, dass sie selbst sehr gerne „Frauenkleidung“ tragen, ohne schwul oder trans zu sein, und auch ohne das als sexuellen Fetisch verstanden wissen zu wollen. Sie haben einfach Spaß dran, gefallen sich so, und würden sich wünschen, es wäre gesellschaftlich nicht so verpönt, damit sie vielleicht auch mal im Rock nach draußen gehen könnten.
Es war auch Post von Trans*menschen dabei, die ebenfalls durchweg positiv war. Die meisten schrieben, sie hätten sich ein Elternhaus gewünscht, das mehr Akzeptanz gezeigt hätte dafür, dass sie sich nicht geschlechterrollenkonform genug geben wollten oder konnten. Das war schön zu lesen, und überhaupt war diese riesen Welle an nahezu ausschließlich positivem Feedback natürlich sehr schmeichelhaft. Aber ein bisschen kneift es mich doch noch, dass das Thema erst dann so einschlägt, wenn eine cis-hetero-Mutter was darüber schreibt. Es gibt mit Sicherheit X LGBTQA-Personen, die das, was ich schrieb, schon lange vorher gesagt haben, und denen hört außerhalb der Queer-Bubble irgendwie kaum jemand zu. Beschämend.
Was ich neben Leser*innenpost auch bekam, waren etliche Anfragen von Onlinemagazinen und Zeitungen. So habe ich sofatutor ein kleines Interview gegeben über meine Motivation, über dieses Thema zu bloggen. Meine Antworten wurden relativ stark gekürzt, weil ich wohl ein bisschen zu ausführlich und mit ein bisschen zuviel Fachbegriffen geantwortet habe. Scoyo hat mich unter ihre Lieblingsblogger*innen des Monats Januar gewählt, und dazu gibt es eine nette kleine Anekdote, die ich schon auf meiner facebookseite gepostet habe und hier einfach mal rüberkopiere:

scoyo via twitter so: hey ringelmiez, du bist lieblingsblogger im januar! wir schicken dir mal ein hübsches badge für deine webseite!
im posteingang: badge mit aufschrift: „lieblingsblogger“.
ich so: cool, scoyo, danke! wenn ihr ein badge hättet, auf dem „lieblingsbloggerin“ oder „lieblingsblogger*in“ stünde, würde ich es mir tatsächlich auf mein blog bappen ;-)“
scoyo: alles klar, machen wir, danke für den hinweis!

…manchmal kann es so einfach sein. bereitschaft zur achtsamkeit ist einfach cool! danke scoyo!

Und dann ist eine gekürzte Version des Blogbeitrags noch bei Der Freitag erschienen. Für die Erinnerungskiste des kleinen Sohns habe ich mir natürlich ein papiernes Belegexemplar schicken lassen:

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Der kleine Sohn ist megastolz, dass sein Kleidchen so berühmt ist! Seit Dienstag ist diese Verion nun auch online nachzulesen; erwartungsgemäß sammeln sich in der Kommentarspalte darunter die ganzen Nörgelrentner und Berufstrolle, und lassen mitunter haarsträubende Theorien und Unterstellungen über meinen geistigen Zustand, mein sexuelles Wohlergehen und andere Dinge ab, die sie einen feuchten Holunder angehen. Nur, um das hier nochmal kurz zu erwähnen: Nein, mein Sohn ist nicht mein queerfeministisches Prestigeobjekt. Und bei aller Bereitschaft, seit Jahren immer wieder auch mit persönlichen Dingen in der Öffentlichkeit zu stehen, mache ich das in den wenigsten Fällen zur reinen Selbstdarstellung – meistens geht es mir um Encouragement; darum, anderen in einer ähnlichen Situation zu zeigen: Ihr seid nicht alleine. Egal, ob ich öffentlich 30 Kilo abnehme (einige werden sich vielleicht erinnern…), meine Abtreibungsgedanken in eine Frauenzeitschrift drucken lasse, oder eben über die Kleidungsvorlieben meines kleinen Sohns schreibe. Nichts desto trotz bin ich jetzt auch froh, dass die Kleidchenwelle so langsam mal abgeebbt ist, und ich mich wieder anderen Dingen zuwenden kann ;-)

Das war’s für dieses Mal; ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

 

4 Kommentare

  1. Sarah
    Am 12.02.2016 um 12:03:27 Uhr [Link]

    Ich liiiiebe Trudes Tier! Danke für den Link :)
    Die Stickbilder sind zwar nicht so ein, aber die Details sind wirklich wunderbar gestickt- ganz große Handwerkskunst.

    Zum Thema Kleidchen: vielleicht liegt es daran, dass sich doch jeder in seiner Internetblase bewegt und die meisten Menschen doch eher wenig Berührungspunkte zum LGBTQA-Kreis haben.
    Deine Artikel treffen einfach auch Menschen, die sonst wenig Berührung zum Thema haben und vielleicht ist dieses Kleidchen deshalb so eingeschlagen? Was mich etwas traurig stimmt ist, dass es immer noch Leute gibt, die ein Problem damit haben ihr Gegenüber einfach so zu nehmen wie es ist…. Ich bin damit aufgewachsen (meine Mutter hat das großartig gemacht möchte ich da mal sagen ;) ich habe das nämlich immer für selbstverständlich gehalten) das jeder/e so sein darf wie er/sie ist -oder sein möchte. Das einzige Kriterium für die persönliche Entfaltung war nur, dass niemand anderes dadurch in seiner persönlichen Entfaltung eingeschränkt oder verletzt wird (und damit meine ich nicht Empfindlichkeiten wie sie die „Holunder-Kommentatoren“ an den Tag legen). Ich wünsche mir das meine Kinder das auch so leben und es anderen so vorleben. Vielleicht ändert das ja unsere Welt ein kleines Stück weit……

    Vielen Dank für die Links zum Wochenende, die lese ich immer wieder sehr gerne. Ich wünsche euch ein ganz wunderschönes Wochenende!
    Liebe Grüße Sarah

  2. Kirsten Duesberg
    Am 13.02.2016 um 12:21:34 Uhr [Link]

    Eine schöne erfrischende Geschichte, die vom Kleidchen des Sohnes. Meine kritischen Überlegungen möchte ich als unterstützenden Kommentar verstanden wissen. Im freitag Artikel schreibst Du, dass Du Geschlechterrollen ausgedachte Konstrukte sind, und für Dich einer antiquierten Denkweise entsprecxhen. Ich meine, es sei nicht nötig, einen so komplexen wie fundamental bedeutenden Diskurs, wie den um die Existenz von Geschlechterrollen und sexuelle Identäten in zwei Sätzen vom Tisch zu wischen. Das „Spiel mit den Geschlechterrollen“, auch das Deines Sohnes ist nur möglich, solange es diese – die Geschlechterrollen – gibt. Mir scheint manchmal, dass die Verkündigung der Auflösung der Geschlechterrollen und – identäten sich nur zu gut verträgt mit einem Moment, wo definitiv aalles zur Ware wird – der Körper chirurgisch modelliert wird, Organe verkauft, man und frau sich die Kinder im Katalog aussuchen; die Produktion von Leben – endlich!!- fast „“ unabhängig vom einfachen Menschen erfolgen kann und dem kapitalistischen Markt verhandelt wird.

    Deshalb — alles Gute für den politischen Handarbeitsblog, aber nicht vorschnell „antiquierte Denkweisen“, die lächerliche tausende Jahre alt sind, in einem Halbsatz abhandeln.

  3. fujolan
    Am 14.02.2016 um 00:41:02 Uhr [Link]

    Liebe Ringelmiez
    hmm, ich finde, du tappst mit deiner Logik in eine Falle, wenn du bedauerst, dass der erste Text zum Kleid, der kräftig mediale Aufmerksamkeit abräumt von einer cis-hetero-frau ist und nicht aus der LGBTQ-Community.
    Denn wenn du das Thema „Mein Sohn trägt voll Freude ein Kleid und ich bestärke ihn“ reduzierst auf eine Verbindung zur LGBTQ-Community, dann tappst du genau in eine Falle von „reduzierter Sicht“, wie sie auch in konservativen Kommentaren auftaucht.

    Denn das Recht, sich zu KLEIDen unabhängig von Geschlechter- und Gender-Normen ist eben mehr als die Reduktion auf eine sexuelle Vorliebe, eine Geschlechtszuschreibung, eine Zuschreibung zu einer Community.

    Daher ist es m.E. egal, wer den Text schreibt – solange die Botschaft so glasklar ist wie bei dir.

  4. Siegfried
    Am 15.02.2016 um 10:20:57 Uhr [Link]

    Tja, mit dem Artikel über das Kleid Deines Sohnes hast Du wohl in ein Wespennest gestochen. Das heisst dann wohl, dass dieses Thema doch eine gewisse Brisanz hat.
    @Kirsten Duesberg: Nein, in dem Alter ist das, was der Junge hier macht, kein „Spielen mit Geschlechterrollen“. Das kommt erst später, mit der Pupertät. In dem Alter haben Geschlechterrollen allenfalls die Bedeutung, die ihnen Mama und Papa beimessen. Für den Jungen ist das weit weniger hoch angesiedelt :)

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