Erinnerungsquilts für zwei Schwestern (Teil 2) – es geht weiter!

Gefühlte Ewigkeiten ist es her, dass ich mal länger als eine halbe Stunde an der Nähmaschine saß. Grund dafür war und ist mein Rücken, genauer gesagt mein Bandscheibenvorfall, der mich seit 10 Jahren immer wieder plagt. Die Schmerzen sind zwar noch nicht ganz wieder weg, aber durch den Sport, den ich seit Januar mache, schon deutlich besser geworden. Seit zwei Tagen traue ich mich probehalber wieder an den Zuschneidetisch und die Nähmaschine, um endlich an den Erinnerungsquilts für zwei Schwestern weiterzuarbeiten. Ihr ahnt gar nicht, was das für ein erhebendes Gefühl ist, nahezu schmerzfrei zuschneiden und nähen zu können…himmlisch!

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Die Motive für die beiden Quilts stehen schon lange fest: Dieser erste, den ich gerade bearbeite, soll ein Sternenthema bekommen. Die Blocks für den Stern – genauer gesagt den star in a star – hatte ich schon vor der Pause fertiggenäht, nun folgt das ganze drum herum. Dafür musste ich erstmal noch eine ganze Menge Stoffquadrate aus der Kleidung der verstorbenen Dame zuschneiden. Was sich in der Kiste findet, die mir ihre Tochter geschickt hat, ist eine wahre Fundgrube – und eine Zeitreise durch mindestens drei Jahrzehnte Modegeschichte. Und es ist auch eine Herausforderung, weil viele Stoffe dabei sind, die so flutschig und wiederspenstig sind, dass sie sich nur mit geheimen Tricks und einiger Mühe „patchworkfähig“ machen lassen. Einige davon sind nicht einmal bügelbar, da sie aus Polyester bestehen, das ist beim Nähen, das ja mindestens zur Hälfte aus bügeln besteht, ein bisschen ungünstig, bzw. erfordert weitere Tricks, um die Stoffe halbwegs vernünftig verarbeiten zu können.

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Immer wieder schaue ich mir selbst gern dabei zu, wie aus Kleidungsstücken Stoffquadrate werden. Wie ein Rock, Shirt oder eine Kostümjacke erst ihre Knopfleisten, Schulterpolster, Gummizüge und Futterstoffe verlieren, dann in einzelne Schnittteile, in geradkantige Stücke und schließlich in verarbeitbare Quadrate geschnitten werden.

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Und irgendwann, nach vielen Stunden auftrennen, heraustrennen, begradigen und zuschneiden liegt dann ein halbes Leben in Kleidungsstücken auf dem Zuschneidetisch. Patchworkfähig gemacht, quadratisiert und farblich sortiert.

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Ich mag einfache Motive aus relativ großen Quadraten oder Dreiecken für Erinnerungsquilts übrigens am liebsten. Zum einen werden die vielen unterschiedlichen Stoffqualitäten und -stärken unterhalb einer Größe von 10 x 10 cm wirklich anstrengend zu verarbeiten. Zum anderen ergibt sich so eine harmonische Balance zwischen Kleidungsstück- Charakter und Patchwork-Optik. Man kann Abnäher, Nähte, teilweise auch Spitzeneinsätze oder Knopfleisten mit einarbeiten, über die Finger und Gedanken zum Erinnern drübertasten können; gleichzeitig bleiben diese Elemente ausreichend zurückhaltend, damit die emotionale Komponente des Quilts nicht übermächtig wird.

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Meine Idee ist, den großen Stern in der unteren rechten Ecke des Quilts hell strahlen zu lassen und dann einen Übergang über Rosa-, Rot- und Lilatöne bis hin zu ganz dunkelblau und schwarz in der oberen linken Ecke zu schaffen. In dieser dunklen Ecke soll dann später noch ein ganz kleiner, weißer Stern leuchten. Um diesen Effekt erzielen zu können, muss ich jedes einzelne der vielen, vielen Quadrate so lange auf der Designwall hin- und herstecken, bis es seinen richtigen Platz gefunden hat. Würde ich das gleiche Motiv aus den üblichen Patchwork-Stoffen machen, könnte ich mir das ganze vorher mit meinem Quiltprogramm „aufmalen“, Änderungen ganz einfach mit einem Klick vornehmen, und dann von jedem Stoff exakt die benötigte Menge Quadrate zuschneiden. Dadurch, dass hier bei Erinnerungsquilts keinen Einfluss habe auf die Auswahl an Farben und auf die Menge an Quadraten, die ich aus einem Stück herausbekomme, muss ich mit dem arbeiten, was mir am Ende tatsächlich zur Verfügung steht. Und das geht am besten händisch direkt an der Designwall.

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Das schwierigste daran ist für mich persönlich, mich auf die Auswahl einzulassen, die ich habe, und mir nicht ständig weitere Farbnuancen dazuzuwünschen, weil das Ergebnis dann viel perfekter aussehen würde. Bei diesen Erinnerungsquilts geht es nicht um die perfekte Komposition, sondern darum, das vorhandene Material möglichst gut zu nutzen und dabei die Wünsche des*der Kund*in so gut es geht zu erfüllen. Hier ist beispielsweise wichtig, dass bestimmte Stoffe entweder in beiden, oder nur in einem der Quilts Verwendung finden. Außerdem will ich möglichst viele der Kleidungsstücke verarbeiten, um viele Erinnerungen konservieren zu können. Aber natürlich möchte ich auch die Symbolik, die ich mir ausgedacht habe, gut zur Geltung bringen, und so ist es am Ende immer so, dass von einigen Kleidungsstücken mehr und von anderen weniger oder sogar nur ein Stück Verwendung findet.

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So sieht der Quiltentwurf an der Designwall im Moment aus – ich bin schon ziemlich zufrieden damit. Nur noch ein paar kleine Ängerungen trennen mich von der Nähmaschine, wo ich dann in den nächsten Tagen das Quilt Top zusammennähen werde.

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Mehr zu diesen Erinnerungsquilts lesen: Erinnerungsquilts für 2 Schwestern, Teil 1

3 Kommentare

  1. Jennifer
    Am 30.03.2016 um 19:18:50 Uhr [Link]

    Ich finde, das kann man nur mit einem Wort beschreiben: Wunderschön
    Eben auch gerade nicht wegen der tollen Design-Stoffe, die perfekt aufeinander abgestimmt einen tollen Quilt ergeben, sondern weil du die Erinnerungsauswahl, die dir gegeben ist so wunderschön kombiniert hast.
    Liebe Grüße
    Jennifer

  2. Siegfried
    Am 31.03.2016 um 07:41:49 Uhr [Link]

    Ich wünsch Dir für Deinen Rücken weiterhin gute Besserung. Rückenschmerzen sind nicht lustig. Und ein Bandscheibenvorfall erst recht nicht. Im Fitnesstudio gezielt die Muskulatur zu stärken, ist die beste Idee, die man dazu haben kann.
    Meine Frau und ich, wir betreiben Tanzsport. Also nicht einfach nur ein bisschen Tanzschule, sondern richtig Sport, in einem Verein. Seit wir das regelmäßig machen, geht es uns auch körperlich besser. Wir sind beide kurz vor 60, und da hat man schon mal dieses oder jenes Zipperlein. Mit Sport bremst man die Entwicklung dieser Alterswehwehchen. Nächstes Jahr fangen wir mit Turnieren an. Mal sehen, ob wir noch 20 oder gar 30 Jahre durchhalten.

  3. #12von12 im April: Ein bunter Frühlingstag. | ringelmiez
    Am 12.04.2016 um 17:17:26 Uhr [Link]

    […] Wenn der Kindergartenbus um die Ecke biegt, liegt ein komplett kinderfreier Vormittag vor mir. Daran habe ich mich noch immer nicht ganz gewöhnt. 5,5 Stunden ganz alleine. Fühlt sich nach über 7 Jahren, in denen ich immer mindestens ein Kind zuhause hatte, total abgefahren an. Auch noch nach 1,5 Monaten, die das Mädchen jetzt schon alleine in den Kindergarten geht. Ich sortiere Post, überweise Rechnungen, beantworte Mails, trage Termine ein. Und finde in meinem Taschenbegleiter ein Zitat, das ich neulich irgendwo las und abschreiben musste. Danach steht ein bisschen Arbeit an – unter der Maschine befindet sich bereits das zweite Quilt Top für den zweiten der beiden Schwestern-Quilts. […]

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