Links zum Wochenende: Gesellschaft ohne Behinderte, Frauen und kurze Haare, Abnehmen trotz fat acceptance

Jeden Freitag zeige ich euch hier, was mir in letzter Zeit im Internet so interessantes vor die Füße geschwemmt wurde. Thematisch völlig durchmischt, aber immer mehr oder weniger stark politisch geprägt.

Zweimal hintereinander sind die Links zum Wochenende jetzt schon ausgefallen – einmal war ich auf der creativa, dann war Karfreitag. Aber heute habe ich wieder ein paar interessante Sachen für euch.

Neun von 10 werdenden Müttern, die während der Schwangerschaft von einer Behinderung ihres ungeborenen Kindes erfahren, treiben ab. Menschen mit (angeborener) Behinderung sterben also quasi aus. Das finde ich ziemlich bedenklich und sehr traurig, denn von Menschen mit Behinderung kann man vieles Lernen. Und zwar nicht nur, wie man Sondennahrung verabreicht oder Windeln wechselt, sondern viel über sich selbst und darüber, was wirklich wichtig ist. Ich halte Menschen mit Behinderung für einen wichtigen Teil der Gesellschaft. Wenn es sie irgendwann nicht mehr gibt, wird uns etwas fehlen.

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Triggerwarnung: Schwangerschaft, Fehlgeburt

Simone erzählt von ihrem kleinen Parasiten, den sie liebte, und den sie verloren hat.

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Ostern ist vorbei, aber ich habe schon jetzt einen Plan fürs nächste Jahr: Sorbische Ostereiermalerei ausprobieren. ich stehe auf Kunsthandwerk, weil mich an den traditionellen Techniken oft die enthaltene Mathematik, die Einfachheit oder auch die Komplexität der Werkzeuge, die Präzision und vieles andere beeindruckt.

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Auch schön: Ein Hochhaus, bei dem jede Woche ein neues Stockwerk dazukommt. 120 sollen es am Ende sein. Quasi ein Wimmelbuch für Erwachsene.

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Wer meinem instagram-Stream folgt, weiß, dass ich seit einigen Wochen einen Undercut und damit zumindest partiell sehr kurze Haare habe. Ich liebe meine kurzen Haare und halte sie für die beste Frisur, die ich in den letzten 18 Jahren hatte. Ähnlich gut waren nur die Lola-rennt-roten Zöpfe mit 17 oder die Sinead O’Connor- Glatze mit 15. Kurze Haare rocken einfach, auch wenn es viele gut gemeinte Tipps gibt, warum Frauen besser keine kurzen Haare tragen sollten.

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Ebenfalls auf meinem instagram-Stream konntet ihr erfahren, dass ich gerade Gewicht verliere und dazu gemischte Gefühle habe. Mir ist die leider immer noch gängigste Sichtweise, dass starkes Übergewicht grundsätzlich immer ungesund und hässlich sei, und man nur schlank schön und gesund sein könnte, einfach viel zu einseitig, zu plump und zu falsch. Irgendwann werde ich bestimmt ausführlich dazu schreiben. Gerne gelesen habe ich in dem Zusammenhang, was sallie oh schreibt.

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„Nichts stand der veganen Ernährung bisher so sehr im Wege, wie fehlendes Hirn!“ – mein Lieblings-Aprilscherz kommt dieses Jahr von wheaty :-D

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Das war’s für dieses Mal, habt ein schönes Wochenende!

 

9 Kommentare

  1. Siegfried
    Am 01.04.2016 um 15:42:21 Uhr [Link]

    Du erinnerst Dich bestimmt noch an Deinen Artikel über den Jungen mit Kleid. Nun, kurze Haare bei Frauen ist ähnlich. Komisch, dass wir immer noch trotz allen angeblichen Fortschritts Genderstereotypen eher zementieren als endlich überwinden. Ob Deine Frisur Anderen gefällt oder nicht, muss Dich nicht interessieren. Nach meiner Erfahrung sind die Menschen am schönsten, die sich wohl fühlen.

  2. Margit
    Am 01.04.2016 um 19:33:41 Uhr [Link]

    Hallo Ella,
    ich bin ja schon ein Eckchen älter als du und in den 50-60ern aufgewachsen und hatte schon mit 16 Jahren einen damals untypischen raspelkurzen Jungenhaarschnitt (sowie davor und danach alle möglichen Längen, auch bis weit in den Rücken), und … mir fällt zunehmend auf, dass viele junge Mädchen ziemlich gleichgeschaltet aussehen, sehe sooft Pferdeschwanz mit und ohne Pony! Individualität fällt da recht flach … aber mein jüngster Sohn hatte die selbe Frisur zwischen 15 und 18, nämlich lang und mit dem heute berühmten Männerdutt. Der war damals noch garnicht so modern, leider fehlt ihm mittlerweile das ausreichende Haar dazu ;) … soviel zu diesem Thema.
    Im Übrigen wurde uns als Mädchen in den 60ern der Schulbesuch in Hosen auch in München nicht erlaubt!
    Wo wären wir Frauen heute, wenn wir uns an all diese unsinnigen Diktate gehalten hätten?

  3. Ramona
    Am 01.04.2016 um 21:57:43 Uhr [Link]

    Ah, diese Ostereier-Batik ist toll. Das haben wir beim Studium immer um die Osterzeit in der Keramikwerkstatt gemacht. Der Werkstattleiter kam aus der Ecke und hatte ein Fevel für gebatikte Eier. Er hat das ganze Jahr über Eier gesammelt und dann stand eine riesige Schüssel in der Werkstatt und lauter Studenten drumherum, die sich die Technik zeigen lassen haben. Tradtitionell oder künstlerisch. (http://jademond.de/feste/eiergrafik/)

  4. Hana Mond
    Am 03.04.2016 um 19:29:35 Uhr [Link]

    Dass starkes Übergewicht immer ungesund ist, ist leider keine Sichtweise, sondern belegte Tatsache. Auch, wenn es fittere und weniger fitte Übergewichtige gibt (ich kenne einen ziemlich aktiven, sehr sportlichen Bodybuilder, der dennoch übergewichtig ist, weil er eben über seinem Bedarf isst) – Übergewicht belastet nunmal den Körper und auch wer als stark Übergewichtiger im Moment gesund ist, hat höhere Risiken, später krank zu werden.
    Was schön ist, ist eine andere Frage – ich denke durchaus, dass auch übergewichtige und stark übergewichtige Menschen schön sein können und das oft auch sind. Schönheit ist viel vielfältiger als „perfekte gesunde Körper“! Ich finde den Aspekt der „Fatacceptance“, Übergewicht nicht als „eklig“ und „abstoßend“, sondern als Erscheinungsform des Körpers, die auch ästhetisch ansprechend sein kann, zu akzeptieren (ebenso die Bemühungen, Diskrimierungen und Beleidungen von Übergewichtigen zu minimieren), gut – allerdings sollten die Risiken von Übergewicht dabei nicht unter den Tisch gekehrt werden. Oben genannter Bodybuilder ist fit – dennoch belastet das Übergewicht seinen Körper.

    Kurzhaarfrisuren finde ich an den meisten Frauen wunderschön – meine Zwillingsschwester hatte eine Zeitlang lange Haare und beschreibt das im Nachhinein als „4 Jahre andauernden Fehler“, weil sie sich mit Kurzhaarschnitt soviel wohler fühlt.

  5. Gaby
    Am 04.04.2016 um 11:02:05 Uhr [Link]

    Frauen sollten keine kurzen Haare tragen? Manchmal habe ich das Gefühl, ich habe irgendwelche Entwicklungen verpasst in den letzten zwei Jahrzehnten. Mir war bis gerade eben nicht mal bewusst, dass über diese Frage überhaupt noch jemand nachdenkt. Ich kenne zahllose Frauen mit kurzen Haaren. Bislang fand ich das immer ganz normal und überhaupt nicht erwähnenswert. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke stelle ich fest: ja, kleine Mädchen haben das heute nicht mehr. Hängt vermutlich eng mit den rosa Klamotten zusammen, die so was Inflationäres haben. Und mit den Überraschungseiern „für Mädchen“. Und all dem Scheiß, der heute kleinen Menschen so aufgedrückt wird.
    Wie jemand seine Haare trägt, ist wessen Entscheidung noch mal? Jedes Menschen ganz persönliche.
    Ich habe übrigens mit Erstaunen Deinen langen Post zu Deinen Instagram-Gewichts-Fotos gelesen. Auch hier war mir bislang nicht klar, wie problematisch manche Dinge sein können. Ich finde, Du bist auf beiden Fotos hübsch und vor allem sehr hübsch angezogen! Aber auf dem linken siehst Du deutlich glücklicher aus. Ich bezweifle, dass das am Gewicht liegt. Aber das ist, was mir beim Betrachten als erstes auffällt.
    Zum Abnehmen: vielleicht ist gar nicht so sehr das Aussehen das Entscheidende, sondern ob es Dir und Deinem Rücken besser geht mit weniger Kilos? Vermutlich wird auch der Sport einfach leichter mit weniger Gewicht (ist bei mir jedenfalls so). Also könnte „Abnehmen“ vielleicht einfach positiv sein. Und dass weniger Gewicht schutzloser macht ist, glaube ich, gar nicht ungewöhnlich. Aber vielleicht auch gar nicht so schlecht.

  6. Cecilia
    Am 05.04.2016 um 16:03:16 Uhr [Link]

    Zum Thema kurze Haare bei Frauen ein kleiner geschichtlicher Exkurs (für die die’s interessiert ;) ) es wird oft behauptet in den 1920ern sei es Frauen in Europa zum ersten mal möglich gewesen kurze Haare zu tragen. Das stimmt so nicht, es gab sogar mal eine Zeit in der Frauen kurze Haare und Männer lange trugen!
    In der Zeit des frühen Rokoko trugen die Damen kleine enge Löckchen um den Kopf – und wie Gemälde wie das verlinkte bezeugen konnte das durchaus auch unordentlich frisiert quasi ein Pumuckelkopf sein ;) (die Dame im Vordergrund) http://4.bp.blogspot.com/-2Kt9Ty5agZU/TpHTqYua7bI/AAAAAAAAD2c/F3cK3oOdZUg/s1600/picnic+after+the+hunt+lancret.png
    Auch um 1800 gab es eine kurze Zeit in der junge Frauen total raspelkurze Haare mit ein paar längeren Strähnen vorne trugen. Zwar mögen diese Epochen nicht gerade Muster an Gleichberechtigung gewesen sein (wobei es in der frühen Aufklärung da auch erstaunliche, aber leider konsequenzenlose Tendenzen gab!), aber so zeigt das doch dass die Sache mit der Haarlänge nur ein gesellschaftliches Konstrukt ist.
    Ich hab übrigens im Moment auch mal wieder kürzere Haare als mein Mann ;)

  7. Karin
    Am 06.04.2016 um 22:43:43 Uhr [Link]

    Ich wusste vor 31 Jahren in der Schwangerschaft, dass mit meinem Kind etwas nicht in Ordnung ist und habe keine Sekunde daran gedacht mich von diesem werdenden Leben in mir zu verabschieden. Im Gegenteil, ich kämpfte um den Erhalt der Schwangerschaft, um jeden Tag, jede Woche und Monat bis zur Geburt, um meinem Kind ein optimales Kampfpotential außerhalb meines Körpers mitzugeben. Es hatte geklappt und meine Tochter kam nur einen Monat zu früh, aber stark genug um jahrelange medizinische Behandlungen zu überstehen. Sie kam ohne Speiseröhre zur Welt. Nicht nur einmal erhielt ich nach der Geburt statt Support Kommentare, wie: „Du hättest deinem Kind Leid erspart, wenn du es … du weißt schon … hätte man wegmachen können!“, oder ganz extrem Propagandagedöns Marke Göbbels in Richtung „unwertes Leben“. KEINEN Moment in der Entwicklung meiner Tochter möchte ich missen. Nicht jede Erfahrung war erlebenswert. Viele Erlebnisse hoffe ich anderen durch meinen Einsatz in einer Selbsthilfegruppe erspart zu haben. Trotz aller erschwerten Bedingungen waren alle Erfahrungen wertvoll für unser Leben.
    Jahre später ab Minute 19:17 hier zu sehen …
    http://www.swr.de/landesschau-bw/essgeschichten-am-3-samen-suesses-segeln/-/id=122182/did=16893566/nid=122182/161fh59/index.html
    Man stelle sich vor ich hätte vor all den Jahren nach den Vorstellungen der „guten Freunde“ mit ihren Ratschlägen gehandelt.
    Dagegen ist die Haarlänge so etwas von „pfft“-egal und wer es gerne mal bunt braucht, auch gut. Von hüftlang bis raspelkurz, fatzengerade, gestuft, asymmetrisch, gelockt, gebleicht, von rot bis blau, gesträhnt, … habe ich in meinen letzten 57 Jahren fast alles durch. Jetzt ist’s mal wieder schulterlang und original Straßenköter-aschblond-grau gesträhnt. Eine meiner Haaraktionen löste vor Urzeiten eine Ehekrise aus. Jahre später trug Sohn vom Abi bis ins Studium längere Haare als seine Schwester oder ich. Momentan bin ich wieder Haarlängen-Queen. Die Zeiten ändern sich.

    • ella
      Am 06.04.2016 um 23:22:30 Uhr [Link]

      Danke für diesen bewegenden Kommentar!

  8. Nanne
    Am 07.04.2016 um 21:38:39 Uhr [Link]

    Liebe Ella,
    Ich würde mich freuen über fat accteptance und deine Abnahme zu lesen, da ich in einer ähnlichen Situation bin. Übergewicht, Bandscheibenvorfall, körperliche Einschränkungen – ich will wieder fit werden und mich besser bewegen können. Mit meinem Kind (gerade Baby) Fußball spielen und toben. Mir fällt es aber z.B. schwer mein Gewicht loszulassen, weil es auch eine Funktion für mich hat.
    Bin momentan immer auf der Suche nach Lösungsideen – wie hat es bei anderen geklappt?
    LG Nanne

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