Mein LaPassacaglia Quilt – und ein Tutorial für Fussy Cutting

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Wer mir auf instagram folgt weiß, dass ich vor kurzem ein neues Langzeitprojekt angefangen habe. Es ist ja eine uralte Crafter*innen-Weisheit: Wenn dir die Arbeit über den Kopf wächst, fang einfach noch ein Projekt an. Oder: Why only have one current project, when you can have 50?, wie meine amerikanischen Quilt-Kolleg*innen gerne sagen.
Nachdem ich diverse Exemplare davon monatelang angehimmelt habe, habe ich also beschlossen, einen LaPassacaglia-Quilt anzufangen. Dabei handelt es sich um ein English-Paper-Piecing-Projekt (was es damit genau auf sich hat, habe ich hier schonmal geschrieben), und es ergibt einen atemberaubenden Millefiori-Quilt. Die Vorlage dazu findet man im Buch „Millefiori Quilts“ von Willyne Hammerstein. Es handelt sich um den Quilt, der auf dem Buchcover abgebildet ist. Wirklich spektakulär sieht er aber erst aus, wenn man die einzelnen Rosetten, aus denen er besteht, mit einer bestimmten Technik anfertigt, die sich Fussy Cutting nennt. Dadurch bekommen die einzelnen Rosetten und am Ende der ganze Quilt eine beeindruckende, kaleidoskopähnliche Wirkung. Einen Eindruck davon kann man sich hier verschaffen.

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Ich habe mir also das Buch besorgt und mir außerdem das PlayingWithPaper-Pack #42 von Sue Daley gegönnt, das alle für desn LaPassacaglia-Quilt benötigten Formen sowohl als Papier- als auch als Acryltemplates enthält. Ich habe mein Pack noch bei Quiltzauberei bekommen, aber da scheint es jetzt nicht mehr vorrätig zu sein. Und kurz danach war ich bereits total eingesogen in die Faszination des Fussy Cutting.

Was ist Fussy Cutting und wie geht das?

Fussy Cutting bedeutet, grob übersetzt, „pingelig ausschneiden“. Damit ist gemeint, aus einem Stoff das immer exakt gleiche Teilstückchen herauszusetzen, die man dann beim English Paperpiecing zu sehr effektvollen neuen Mustern zusammensetzen kann. Es gibt verschiedene Techniken für Fussy Cutting; meine momentan liebste möchte ich euch heute mal zeigen.

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Ihr braucht dazu Stoffe mit interessanten Pattern Repeats; es eignet sich alles besonders gut, das einen häufig wiederkehrenden Rapport hat oder in dem ein einzelnes Element ausreichend oft vorkommt. Wenn ihr Stoffe extra fürs Fussy Cutting kaufen geht, reichen von den meisten Stoffen schon Streifen à 10 oder 20 cm; achtet nur darauf, dass der Streifen genug Pattern Repeats hat und bedenkt dabei auch die Nahtzugabe für jedes einzelne Papiertemplate.

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Außerdem braucht ihr für diese Technik kleine Acryltemplates für die Form, die ihr zuschneiden wollt, eine Schneidematte und einen Rollschneider, Wondertape und, nicht im Bild, zwei rechteckige oder quadratische Spiegelstücke sowie zwei Stücke festes Klebeband. Meine sind ganz billigen Kosmetikpiegeln vom Möbelkaufhaus entnommen; die sind nicht mal aus Glas, und das sieht man auf den Fotos auch. Für unsere Zwecke reicht das aber. Wer es etwas komfortabler haben möchte kann sich spezielle Fussy Cutting Mirrors zulegen.

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Mit dem Klebeband klebt ihr eure beiden Spiegel wie ein Buch zusammen. Achtet darauf, dass die Spiegel sich noch gut auf- und zuklappen lassen, gleichzeitig aber möglichst nur eine minimale Lücke zwischen den beiden zusammengeklebten Kanten entsteht. Dann legt ihr euer Acryltemplate auf eine beliebige Stelle des Stoffes, und setzt euren Spiegel bündig an die Außenkanten des Templates an. Im Spiegel könnt ihr nun erkennen, wie der fertig zusammengenähte Block (in meinem Fall ein Stern) in etwa aussehen wird. Mann muss sich beim Blick in den Spiegel nur die Nahtzugabe wegdenken. Wenn ihr die Spiegel mit der einen und das Acryltemplate mit der anderen Hand festhaltet, könnt ihr so über den Stoff fahren, bis ihr einen Ausschnitt gefunden habt, dessen Spiegelbild euch überzeugt. Wenn ihr keine Acryltemplates kaufen wollt, ist eine gute Alternative, sich aus Pappe Rähmchen in der entsprechenden Form und Größe (also einzelnes Element plus 1/4 inch Nahtzugabe) auszuschneiden, etwa wie diese hier, nur halt aus Pappe.

Ich finde es faszinierend, wie viele unterschiedliche und immer wieder neue Eindrücke sich ergeben, je nachdem, welchen Stoffausschnitt man wählt. Damit ihr einen kleinen Eindruck davon bekommt, habe ich mal versucht, das in Fotos festzuhalten:

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Wenn ihr also einen Stoffausschnitt gefunden habt, der euch gefällt, lasst ihr den Spiegel stehen und enfernt vorsichtig das Acryltemplate vom Stoff. Auf die Unterseite des Templates klebt ihr nun einen Streifen Wondertape, und dann presst ihr das Template wieder auf eure ausgewählte Stelle im Stoff.

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Nun könnt ihr euer Stoff stück mit dem Rollschneider entlang der Kanten des Templates aussschneiden. Das Stoffstück bleibt natürlich am Template kleben, und so könnt ihr es jetzt auf die nächste Stelle im Pattern Repeat legen und zurechtschieben, bis es exakt auf diese Stelle passt.

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So könnt ihr nach und nach die benötigte Anzahl Stoffstückchen ausschneiden. Der Stoff muss hinterher nicht in die Tonne, sondern ist noch bestens geeignet, um Stücke für weitere English Paper Piecing Templates auszuschneiden. Bevor es ans heften geht, habt ihr nochmal die Möglichkeit, die einzelnen Stoffstückchen spaßeshalber andersherum zusammenzufügen und zu gucken, welche Option euch endgültig am besten gefällt.

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Auch das heften mache ich mir bei diesem Quilt ein wenig einfacher – ich hefte nicht mit Nadel und Faden, wie im oben verlinkten Tutorial, sondern mit dem Sewline Glue Pen. Geht superschnell und sauber.

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Und dann sind sie die einzelnen Teile für euren ersten Block auch schon fertig und können zusammengenäht werden.
Ganz oben seht ihr meinen bisherigen Fortschritt – die linke Rosette wird noch zur ersten großen Rosette wachsen. Aber man sieht schon sehr schön, wie sie später ineinanderpassen werden. So ein Quilt ist natürlich ein Langzeitprojekt, zumal ich maximal alle paar Abende für ein paar Stündchen daran arbeiten kann. Aber es macht großen Spaß und auf dem Weg zum fertigen Quilt gibt es noch viele weitere Dinge, die ich ausprobieren und von denen ich euch dann bestimmt auch erzählen werde.

 

2 Kommentare

  1. Ms_GoingtoMoon
    Am 13.04.2016 um 21:34:42 Uhr [Link]

    Das sieht wirklich faszinierend aus. Ich würde es auch zu gerne mal ausprobieren…
    Vielen Dank fürs Tutorial!

  2. Anne
    Am 13.04.2016 um 22:53:53 Uhr [Link]

    Danke dir für’s teilen. Sieht sehr beeindruckend aus. Ob ich das auch mit auf meine drölfzig Projekt-Liste setze 😂😉

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