CreaDienstag: Steine und Strandschätze mit Schnur einfassen

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Es gibt Handarbeitstechniken, die sterben einfach nie aus, und in einigen Fällen ist das sehr schade. Wenn ich zum Beispiel das Wort „Makramée“ höre, rollen sich mir sofort die Fußnägel auf, weil ich an grauslige geknüpfte Blumenampeln oder fürchterliche Eulen zum an-die-Wand-hängen denken muss, alles in kackbraun aus grobem Sisalseil und „verziert“ mit großen, glänzenden Holzperlen. Schlimm!

Dann begab es sich aber neulich, dass der kleine Sohn einen seiner Lieblings-Halbedelsteine unbedingt als Kette tragen können wollte. Der Stein war nicht gebohrt, Goldschmiedekunst beherrsche ich nicht, irgendwas drankleben widerstrebte mir. Also ging ich auf Pinterestsuche und fand wunderschöne Ketten, an denen Halbedelsteine eingefasst in einem Netz baumelten. Ich recherchierte weiter und fand heraus, wie das geht, und wenig später lernte ich auch, wie die Technik heißt, mit der man das macht: Makramée. Das war echt hart. Wie kann sowas Schönes nur diesen Namen tragen.

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Na gut, was tut man nicht alles für die liebe Brut. Alles für den Dackel, alles für den Club. So einen Stein einzufassen ist gar nicht schwer; die Basisanleitung dafür habe ich hier gefunden. Man kann dafür Perlgarn nehmen (normales Stickgarn eignet sich nicht, da sich die einzelnen Fädel zu sehr aufdröseln), oder Kumihimo-Flechtkordel, oder einfache Haushaltskordel, dünnes Häkelgarn, oder was man sonst gerade so da hat. Und wie das bei mir dann halt so ist: Wenn ich einmal mit einer Sache angefangen habe, dann muss ich gleich eintauchen und auch die besseren, schöneren komplizierteren Techniken noch lernen. Da mich eine fiebrige Erkältung letzte Woche sowieso ans Bett fesselte, hatte ich ausreichend Muße dazu.

IMG_20160503_091050Herausgekommen ist ein ganzes Sammelsurium eingefasster
Schätze, an denen ich verschiedene Makramée-Techniken ausprobiert habe. Denn natürlich kann man damit nicht nur Halbedelsteine in Ketten verwandeln, sondern fast alles, um das man irgendwie so ein Netz knüpfen kann. Ganz simple Steine können so zu kleinen Juwelen werden.

 

 

 

 

 

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Eingefasste Glasmurmeln mit einer Toddel ergeben ein schönes, kleines Geschenk für den nächsten Kindergeburtstag. Oder den Adventskalender. Und Strandglas! ich liebe vom Meer matt und weich geschliffenes Strandglas. Unregelmäßig geformte Stücke muss man auch gar nicht komplett einfassen, sondern man kann einfach die unteren 1 bis 2 Drittel frei lassen und mit der Einfassung erst weiter oben beginnen.

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Mit einer weiteren Makramée-Technik lassen sich auch flache Steine, Carbochons oder wie hier, Ammoniten einfassen. Die Knotentechnik am oberen Ende ist übrigens exakt die gleiche, die man zur Anfertigung von Freundschaftsarmbändern nimmt. Oder: Auch Freundschaftsbänder sind letztendlich nichts anderes als Makramée! Wir haben alle eine Makramée-Vergangenheit!

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Es geht auch ganz schlicht: Einfach nur ein Hühnergott aufgefädelt auf eine gezwirbelte Makraméeschnur und, mit Schieberchen ebenfalls in Makraméetechnik, einem variablen Verschluss.

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Wenn man die Schnüre zum einfassen lang genug macht, kann man direkt an den eingefassten Stein eine Kette anschließen. Das hier ist mein Lieblingsstück bisher: mit kleinen Perlchen, Spiralen, ein bisschen Klimbim und einem Verschluss, dessen türkis beperlte Enden sommerlich im Nacken baumeln.

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Und hier habe ich ein wenig experimentiert mit einem Weinbergschneckenhaus und kleinen Strandglas-Stückchen. Eine Idee, die ich vielleicht noch weiter ausbauen werde, mal sehen :)

Die ganz richtigen, echten Makraméeschnüre bestehen übrigens aus gewachstem Polyestergarn. Das wird in Brasilien hergestellt und ist in Deutschland nur schwierig zu vernünftigen Preisen zu bekommen. Ich habe mir hier welches bestellt und empfehle euch den kleinen Shop gerne weiter. Für manche Techniken ist dieses Garn, das man mit dem Feuerzeug verschmelzen kann, einfach superpraktisch bis unerlässlich.

Und zum Schluss noch das wichtigste: Die Tutorials! Ich habe mich vor allem an den youTube-Tutorials von artemanual und CLS Designs orientiert. Da man ja sieht was gemacht wird, geht das sogar auf spanisch ;)

 

Viel Spaß beim Knüpfen und ab damit zum CreaDienstag!

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Nachtrag: Ja, mit der Nutzung eines Fatima-Symbols in einem der Schmuckstücke hier ist mir leider kulturelle Aneignungs-Kackscheiße unterlaufen. Waaaah! I’m so sorry! Die Kette wird sofort morgen umgearbeitet.

 

 

 

 

15 Kommentare

  1. CaPi
    Am 03.05.2016 um 15:46:09 Uhr [Link]

    Liebe Ella,

    vielen Dank für die Inspiration, die kommt genau richtig! Seit ein paar Wochen frage ich mich, wie ich die Schätze meines Sohnes an eine Kette bekomme. Werd ich gleich ausprobieren.

    viele Grüße in den Süden
    CaPi

  2. Annett von SchnippSchnapp-Kragenab
    Am 03.05.2016 um 16:18:10 Uhr [Link]

    Das finde ich jetzt aber richtig toll! Vielen Dank für diese wunderbare Makramee-Inspiration – meine Erinnerungen umfassen übrigens auch nur Blumenampeln und Eulen. Solche tollen Anhänger sind nicht dabei – die muss ich unbedingt ausprobieren.
    Viele Grüße
    Annett

  3. Svenja
    Am 03.05.2016 um 17:42:42 Uhr [Link]

    Sehr schön! Ist das eine Hand der Fatima? Du setzt dich ja immer sehr beeindruckend gegen kulturelle Aneignung ein, ist das nicht auch eine, vor allem mit dem Zusatz „Klimbim“? Das ist eher eine Frage als Kritik.

    • ella
      Am 03.05.2016 um 17:52:36 Uhr [Link]

      Ja, genau darüber habe ich auch gerade nachgedacht! D-:

  4. Frau Jule
    Am 03.05.2016 um 18:44:58 Uhr [Link]

    oh wie toll! danke für die idee! ich habe auch noch ein paar wundervolle strandglasstücke hier rumfliegen. ich mag dieses geschliffene auch sehr gerne. ein teil wurde schon verarbeitet. aber nun weiß ich, was ich noch daraus machen kann.
    liebe grüße,
    jule*

  5. irka
    Am 03.05.2016 um 18:57:19 Uhr [Link]

    Boah, die sind ja unglaublich schön. Ich hab auch so meine Probleme mit Makramee (gleiche Stichwörter: Blumenampeln, Eulen.), aber das ist total hübsch und eine Rettung für die, von meiner Ausmisterei latent bedrohten Sammeleien… #seaglass (ich liebe den Hashtag auf instagram… vor allem die Murmeln da. Seufz. Große Liebe) Danke fürs Teilen (ich wäre ech tnie im Leben drauf gekommen, dass Makramee soooo attraktiv erwachsen geworden ist ;) )

    Alles Liebe

    irka

  6. glückszauber
    Am 03.05.2016 um 19:18:22 Uhr [Link]

    Wow, was für eine tolle Idee, Strandschätze und Steine zu präsentieren! In einer Schatzkiste sind sie zwar auch immer schön aufgehoben, aber so kann man sie vielfach als Dekoration oder auch Schlüsselanhänger etc. verwenen – super!
    Liebe Grüße,
    Sarah

  7. drachenmaedchen
    Am 03.05.2016 um 21:01:06 Uhr [Link]

    Ah, auf diesen Post warte ich schon, seit du die ersten Bilder gezeigt hast… ich habe hier nämlich noch ein n Glasanhänger, dessen Öse es mal zerdeppert hat, der muss jetzt dran glauben. Danke!
    Liebe Grüße vom drachenmaedchen

  8. Meise mit Herz
    Am 03.05.2016 um 21:21:29 Uhr [Link]

    Ooooh, was hast du wieder wunderbares „angestellt“!!! Sooo toll sehen die aus! Ich bin echt begeistert! Würde mit meiner Großen aus gerne Ketten mit Perlen etc machen, wäre da nicht das Baby… Naja, irgendwann dann mit beiden zusammen…
    Die türkisene und die mit dem Schneckenhaus würde ich dir glatt abkaufen! 💜

  9. Gaby
    Am 04.05.2016 um 11:01:25 Uhr [Link]

    Diese Sache mit der „kulturellen Aneignungs-Kackscheiße“ verstehe ich immer nur so im Ansatz. Du hast solche Sachen, Du magst sie, Du benutzt sie – und dann merkst Du plötzlich, dass das aber ja nicht geht???
    Sind das dann Überbleibsel aus politisch unkorrekten Zeiten? Deine Posts zu diesem Thema finde ich immer sehr interessant zu lesen. Auch, wenn ich Deine Meinung nicht 1:1 teilen kann. Aber manchmal überprüfe ich mich dann automatisch. Und stelle häufig fest, dass diese ganze „kulturelle Aneignung“ mir einfach irgendwie total fern ist. Ich bin noch nie drauf gekommen, Rastas haben zu wollen. Oder eben Fatimas Hand als Kettenanhänger. Oder Tunnel in den Ohrlöchern. Oder irgendwelche Motive anderer Kulturen als Tätowierungen.
    Aber wenn das jemand hat, dann doch auch, weil sie/er das mag, oder? Vor dreißig Jahren haben Menschen sich mit so etwas versucht vom deutschen Einheitsgeschmack abzugrenzen und Weltoffenheit zu zeigen. Schon damals fand ich das merkwürdig, weil: ich bin ja weder Inderin noch Native American noch habe ich die Haare einer Afrikanerin.
    Heute ist genau das, was damals als weltoffen oder bewusster Gegenpol zur deutschen Kultur stand, etwas schwer zu Kritisierendes. Ich kann die Argumente verstehen, auch wenn ich sie nicht voll teile. Aber mir kommt das manchmal etwas arg aufgesetzt vor – vor allem, wenn jemandem wie Dir, die sich so stark damit zu beschäftigen scheint, dass „unterläuft“.

    • ella
      Am 04.05.2016 um 11:22:18 Uhr [Link]

      Das ist ein großes Thema, das ich gerade nicht in aller Vollständigkeit ausführen kann, aber ja: Sich der eigenen -ismen bewusst zu werden, sie zu erkennen und dann dagegen anzuarbeiten, ist ein langer und oft anstrengender Prozess. Ich sage ja immer, dass Dinge wie Sexismus, Alltagsrassismus und eben auch kulturelle Aneignung in uns allen stecken; wir sind jahrzehntelang damit aufgewachsen und sozialisiert. Man wird bei weitem nicht von heute auf morgen frei davon. Man stolpert immer und immer wieder drüber, dass man selbst solche blöden Denk-und Sprechweisen und Verhaltensmuster hat, und es ist jedes Mal doof, sich eingestehen zu müssen, dass man schon wieder in die Falle getappt ist. Aber beschließen, dass man da achtsamer werden will, drauf achten, was man tut und sagt, und Fehltritte erkennen, sich dafür entschuldigen und es beim nächsten Mal besser machen, halte ich für einen guten und praktikablen Weg um Schritt für Schritt zu lernen, wie man es anders und besser machen kann.
      Ich kann auch mit manchen Aspekten der kulturellen Aneignung mehr anfangen und mit anderen weniger. In diesem Fall habe ich ein kulturelles Symbol benutzt, dessen Namen, Bedeutung und Geschichte ich überhaupt nicht kannte, einfach nur, weil ich es hübsch fand. Das ist vielleicht nicht direkt diskriminierend, aber ein bisschen respektlos gegenüber der entsprechenden Kultur. Ich hätte mir schon die Mühe machen können, etwas über dieses Symbol zu lernen, bevor ich es einfach als modisches Accessoire verwende. Und ein religiöses oder kulturelles Symbol als modisches Accessoire verwenden, finde ich generell immer noch zu despektierlich. Ja, da gehen die Meinungen auseinander, aber ich möchte lieber behutsam sein, als zu oft ein Trampeltier ;)

  10. KatLou
    Am 04.05.2016 um 13:08:05 Uhr [Link]

    Ich habe – ähnlich wie Gaby – meine Schwierigkeiten mit diesem Konzept der kulturellen Aneignung. Darf ein Christ zum Judentum konvertieren? Darf man einer Christin zum „Hasenfest“ gratulieren (da es für sie ja mehr ist als ein Fruchtbarkeitsfest)? Darf ich mir Folklore (so verstehe ich Fatimas Hand nach Wikipedia) aneignen? Oder verletze ich damit (nicht nur theoretisch sondern auch praktisch) jemanden? Die wichtigste Frage finde ich aber, ob der Mensch als weltoffenes Wesen nicht vielleicht auf Kulturellen Austausch (und damit auch zwangsläufig Aneignung) angewiesen ist. Und ist das Bewusttmachen von diesem kritisierten Umstand nicht ein weiterer Schritt dahin, dass Sprache und Handeln von Menschen immer stärker reglementiert wird. Und das ganze am Ende in Sprachlosigkeit und gegenseitigem Ignorieren mündet?

  11. Gaby
    Am 04.05.2016 um 13:17:37 Uhr [Link]

    Danke für die schnelle Antwort. Bei DIESEM Aspekt bin ich übrigens ganz bei Dir „Ein religiöses oder kulturelles Symbol als modisches Accessoire verwenden, finden ich generell immer despektierlich.“ Ja, das finde ich auch.
    Aber das ist eben auch mehr als die Aneignung „fremder“ Kulturen. Also ich meine, das gilt doch dann zum Beispiel auch für ein Kreuz als Kettenanhänger. Als nicht-religiöse (im Sinne von christlich) Person würde ich das genau so wenig tragen wie eben Fatimas Hand. Das ist, was ich sagen wollte. Mir geht das oft einfach zu sehr in eine Richtung und zwar in die „Wir hier im Westen“ und die „Menschen aus anderen Kulturen, Ländern, Religionen“. Genau so wenig wie einen Sari oder Federkopfschmuck oder afrikanische Kleider würde ich mir ein Dirndl kaufen. Oder andere Trachten anziehen. Nicht, weil ich das nicht schön finde, sondern weil ich das Gefühl habe, dass das nicht Bestandteil meiner Kultur ist. Ich würde mir übrigens auch keinen Fußball-Fan-Schal umbinden, nur weil ich zu einem Fußballspiel gehe (wenn ich denn ginge). Das ist dann keine Frage von Alltagsrassismus in Bezug auf „fremde“ Kulturen, sondern eine generelle von Respekt.
    Ich finde es schwierig, das auszudrücken, was mich bei dieser „culturall appropriation“-Debatte so stört. Vielleicht, weil es mir manchmal einfach so aggressiv und politisch dogmatisch vorkommt, obwohl es um ganz simple humane Fragen von Anstand und Respekt geht.

  12. Steffi
    Am 10.05.2016 um 13:51:12 Uhr [Link]

    Ich mag deine Makramee-Juwelen! Sehr, sehr hübsch!
    Aber bitte please nicht von Halbedelsteinen sprechen! Der Terminus stammt etwa aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, als man für alle ausserhalb der grossen 4 (Diamant, Saphir, Rubin, Smaragd) einen eigenen Begriff etablieren wollte und gilt in der Edelsteinwelt seit langem als unsinnig, irreführend und zu vermeiden. Also… einfach Edelsteine. Allesamt!
    Schönen Gruss!

  13. Liza
    Am 12.05.2016 um 09:14:33 Uhr [Link]

    Ich persönlich finde Macramée ziemlich gut, eben wegen dem schönen 70er-Jahre-Eulen-Kitsch :). Außerdem finde ich es eine prima Technik, um sich ganz flink ne Hängeampel zu knüpfen, wenn man eine braucht, deswegen Doppel-Thumbs-Up für Deine wunderbaren Anhänger, die werden in jedem Fall auch bei mir zuhause gemacht, Steine haben wir reichlich!

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