Links zum Wochenende: Kindheitsgeräusche, #teamginalisa, 4 Minuten Augenkontakt, Christiane Nöstlinger.

Jeden Freitag zeige ich euch hier, was mir in letzter Zeit im Internet so interessantes vor die Füße geschwemmt wurde. Thematisch völlig durchmischt, aber immer mehr oder weniger stark politisch geprägt.

Das läuten der Kirchturmglocken, an dem man tatsächlich die Uhrzeit erhören konnte (jede Viertelstunde ein Schlag). Die Sense, die durchs Gras schwingt. Muhende Kühe. Traktoren. Was sind die Geräusche aus eurer Kindheit?

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Laut einer Studie sorgen vier Minuten direkten Augenkontaktes dafür, dass wir uns in unser Gegenüber verlieben. Was passiert, wenn Europäer und geflüchtete Menschen einander vier Minuten lang in die Augen schauen?

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Die Aktion Mensch ist mittlerweile leider eine Organisation von nur noch zweifelhaftem Ruf. Weil sie immer wieder Statements herausbringt und Programme unterstützt, die nicht im Sinne von Menschen mit Behinderung sind – so zum Beispiel die wirklich gruselige ABA-Therapie für Menschen mit Autismus. Dennoch hat mich dieses Video hier, in dem Kinder Körperprothesen und Menschen, die sie benutzen, kennenlernen, letzte Woche sehr berührt.

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profil: In aktuellen Pädagogikdebatten wird häufig der Ruf nach mehr Autorität für Kinder laut. Wie haben Sie Ihre Töchter erzogen?

Nöstlinger: Gar nicht. Ich habe mich nur manchmal zur Wehr gesetzt. Es sind dabei zwei herrliche Weiber entstanden. (…) Unsere älteste, die Barbara, hat meinen Mann und mich links überholt. Für die waren wir Büttel der Bourgeoisie und Kettenhunde des Kapitals. Natürlich war man insgeheim stolz, eine so linke Tochter zu haben. Die jüngere, die Christine, hingegen war eher romantisch veranlagt. Die hat das alles nicht interessiert. Sie las Hesse und malte ihr Zimmer mit hellblauen Wölkchen aus. Man muss Kinder einfach lassen.

Viel geschnunzelt und manchmal laut gelacht habe ich beim Interview der österreichischen Kinderbuchautorin Christiane Nöstlinger im profil.

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IMG_20160607_123419Wo wir gerade bei österreichischen Zeitschriften sind: Das Kleidchen des kleinen Sohns hat es bis ins europäische Ausland geschafft und wurde in Österreich in der Welt der Frau veröffentlicht. Bei uns ist eine Zeitschrift mit dem gleichen Titel ein Klatschblatt für die Generation 50+, dort ist es ein ziemlich cooles feministisches Magazin mit generischem Femininum und so.

 

 

 

 

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Nächsten Monat habe ich schon wieder Geburtstag und werde 35 Jahre alt. Ich habe mich schonmal damit beschäftigt, was man in meinem Alter dann noch so tragen kann und sollte, und was nicht. Diesen Artikel fand ich dabei ziemlich hilfreich, und den kann ich genau so unterschreiben.

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(CN/TW: Vergewaltigung, sexualisierte Gewalt gegen Frauen)

Ich bin #teamginalisa und ich hoffe sehr, ihr seid es auch. Gina-Lisa „Zack! Die Bohne!“ Lohfink, irgendwann mal Kandidatin bei GNTM war, ist höchstwahrscheinlich mit K.O.-Tropfen handlungsunfähig gemacht und vergewaltigt worden. Die Klage wurde abgewiesen, die Vergewaltigung nicht anerkannt. Statt dessen steht sie nun selbst wegen angeblich übler Nachrede vor Gericht. Eine absurde Ungerechtigkeit, die mich irre wütend macht. Denn:

„Die Berichterstattung legt noch einen anderen Missstand offen – einen in unserer Gesellschaft. Es gab viele Schlagzeilen, die infrage gestellt haben, ob Gina Lisa, die immer zeigte, dass sie gern Sex hat, überhaupt vergewaltigt worden sein könne. Der Tenor hierbei: Wer schon mal Sexvideos gedreht hat und sich offenherzig präsentiert, ist selbst Schuld. Was für ein menschenverachtendes Denkmuster. Egal, welche Geschichte eine Frau hat, egal ob sie Pornostar, Sexarbeiterin, leicht bekleidet oder betrunken ist, eine Vergewaltigung ist eine Vergewaltigung. Und jede Frau hat das Recht „Nein“ zu sagen! Egal, wie oft sie vorher vielleicht „Ja“ gesagt hat. Eine Gesellschaft, die das nicht akzeptiert und unterstützt, ist eine Gefahr für all die Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung werden.“

Helen Hahne bei Edition F: Warum wir alle zu Gina-Lisa halten sollten.

„Eine Frau, die immer wieder dieselben Worte sagt: „Hör auf.“ Was will mir die WELT mit diesem Artikel sagen? Dass, wenn eine Frau mehrfach „Hör auf“ sagt, es wichtig ist zu wissen dass sie „für Skandale, die meisten selbst inszeniert“, steht? Dass, wenn eine Frau mehrfach „Hör auf“ sagt, es wichtig ist zu wissen dass ihre Haare „wasserstoffblond“ sind? Dass, wenn eine Frau mehrfach „Hör auf“ sagt, man wissen sollte dass sie schon mal eine Affäre mit einem bekannten Fußballer hatte und im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit auch eine Erotik-Messe promotet hat? Dass, wenn eine Frau „Hör auf“ sagt, das „nichts Ungewöhnliches“ ist, weil sie schon „häufiger ähnliche Filme gedreht und im Internet vermarktet hat“? Dass wegen all dieser Sachverhalte, wegen ihres Aussehens, ihres Lebens- und Kleidungsstils, ihrer beruflichen Tätigkeiten das „Nein“ von Gina-Lisa Lohfink weniger wert ist? Das „Nein heißt nein“ nur dann gilt, wenn… ja, wann eigentlich? Wenn eine Frau nicht wasserstoffblond gefärbte Haare hat? Wenn sie keine Erotik-Messen bewirbt?“

Shehadistan: Gina-Lisa Lohfink: Wenn ein „Hör auf!“ nichts mehr wert ist.

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Das war’s für heute, ich wünsche euch ein sonniges Wochenende!

 

6 Kommentare

  1. Leuchtturm
    Am 10.06.2016 um 14:17:32 Uhr [Link]

    Sorry für die Korrektur, aber die Lieblingsautorin meiner Kindheit heißt Christine, nicht Christiane :) (Einmal im Text, einmal in der Überschrift)

  2. Anne
    Am 10.06.2016 um 19:18:19 Uhr [Link]

    Dieses Nöstlinger-Zitat ist ja unfassbar gut, alles.

    Und das Schlimme an der ganzen Debatte um Gina-Lisa ist ja, dass im derzeitigen Strafrecht „Nein heißt nein“ eben nicht pauschal gilt. Da kommt mir echt die Kotze hoch, wenn ich sowas lese. Und wenn ich lese, dass sie, wenn sie vorher gewusst hätte, wie die Sache sich entwickelt, sie die Vergewaltigung nicht angezeigt hätte.

  3. Eva
    Am 12.06.2016 um 10:25:17 Uhr [Link]

    Geräusche meiner Kindheit : das Schippern der Dieselmotoren der Rheinschiffahrt.
    Geht es mir schlecht, setz ich mich dahin, schau auf den Rhein und höre dieses Geräusch. Und alles ist gut.
    Christine Nöstlinger: geniale Frau.
    Gina-Lisa: Erst Recht und mit hoch erhobenen Haupt trage ich Auschnitt und Miniröcke! Nein ist Nein, egal wie nackt/angezogen /welcher Zustand Frau, Kind, Mann sich befinden. Es ist empörend, wie herabwürdigend Opfer behandelt werden, siehe auch den aktuellen Fall in USA, bei dem der Vergewaltiger mal wieder mehr Aufmerksamkeit als das Opfer bekommt, deswegen erwähne ich hier auch nicht seinen Namen, und auch weil ich nicht weiß, wie die vergewaltigte junge Frau heißt.
    Herzlichen Gruß!

  4. karla
    Am 13.06.2016 um 15:03:18 Uhr [Link]

    Hallo Ella!
    Vielen Dank, dass du das Thema hier aufgreifst. Ich lese deinen Blog sehr gerne.
    Viele Frauen und Frauenorganisationen haben sich zum Bündnis „Nein heißt Nein“ zusammengeschlossen. Das Mädchenhaus Bielefeld unterstützt die Kampagne durch eine Aufkleber-Kampagne. Man kann entweder die Aufkleber des Mädchenhauses Bielefeld e.V. nutzen oder eigene designen. Ziel der Macherinnen ist es, „Betroffene von Gewalt ermutigen, ‚Nein‘ zu sagen und die Öffentlichkeit sensibilisieren, ein ‚Nein‘ zu hören und zu achten“. http://www.maedchenhaus-bielefeld.de/?page_id=2454
    Vielleicht trägt sich diese Idee ja auch in andere Städte?

    LG Karla

  5. Steffi
    Am 13.06.2016 um 23:07:33 Uhr [Link]

    Ich war kurz besorgt. Sehr besorgt. Empoert geradezu.
    … nun denkt sie darüber nach, was sie in ihrem fortgeschrittenen Alter noch so tragen kann und sollte.
    WTF?
    Bis ich dann, gewissermaßen in großer Not, auf den link zum Artikel klickte.
    Puh.
    :-)

  6. fujolan
    Am 14.06.2016 um 22:47:59 Uhr [Link]

    Verschreiber oben? Christiane Nöstlinger statt Christine

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