Links zum Wochenende: kulturelle Aneignung, das Internet als guter Ort, u.a.

Jeden Freitag zeige ich euch hier, was mir in letzter Zeit im Internet so interessantes vor die Füße geschwemmt wurde. Thematisch völlig durchmischt, aber immer mehr oder weniger stark politisch geprägt.

Immer wieder kulturelle Aneignung: Ich gebe zu, es fällt auch mir oft erst hinterher auf, wenn ich gedankenlos irgendein Symbol einer anderen Kultur verbastelt habe, und ich trage auch immer noch gedehnte Ohrläppchen, was bei genauerer Betrachtung ungefähr genauso uncool ist, wie als weiße Person Dreads zu tragen. Da habe ich nicht den Hauch eines Gedankens dran verschwendet, als ich mir die Ohrläppchen mit 19 habe aufdehnen lassen; tatsächlich kenne ich den Begriff der kulturellen Aneignung erst seit ein paar Jahren. Was ich seitdem im Gespräch mit anderen oft höre ist: „Aber man kann sich doch auch mit Respekt Dingen aus anderen Kulturen bedienen!“ Ich bin mir da nicht so sicher; aber wenn es eine Möglichkeit gibt, sich ein Element aus einer anderen Kultur mit Respekt und Wertschätzung aus der Nähe anzusehen, dann könnte es vielleicht so aussehen: Die TryGuys, ein Teil des männlichen, amerikanischen Buzzfeed-Staffs, probieren, wie der Name nahelegt, Dinge aus. In dieser einen Episode versuchen, sie, Stepping zu lernen, ein sehr rhytmusbetonter, afro-amerikanischer Tanz. Warum sie das unter dem Gesichtspunkt der kulturellen Aneigung besonders gut gemacht haben, erklärt BlacknerdProblems.

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Die Tage meiner gedehnten Ohrläppchen sind jedenfalls gezählt, ich werde sie mir irgendwann zunähen lassen. Und auch ansonsten wird es mir hoffentlich gelingen, in der Hinsicht noch achtsamer zu werden. Das habe ich so für mich entschieden, und diskutieren mag ich darüber eigentlich nicht. Und ich mag auch nicht mehr zuhören, wenn andere Weiße ihre guten Gründe für die Ausübung kultureller Aneignung darlegen. Da reagiere ich mittlerweile nur noch schulterzuckend mit: Das kannste schon so machen, aber dann isses halt kacke. Könnt ihr ohne mich besprechen, bitte. Oder im Idealfall diesen Artikel darüber lesen.

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Ich hab es ja total gerne, wenn Menschen, gesagt wird, was sie dürfen oder tun sollten, und was nicht. Bevorzugt solchen, die irgendwie marginalisiert sind, am Rand der Gesellschaft stehen oder sonstwie systematisch ausgegrenzt werden. Heute: Was man als übergewichtige Frau besser nicht anziehen sollte.

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Passend dazu: Wie man (also frau) eine Bikini-Figur bekommt (Spezialausgabe für Feminist*innen).

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Kennt ihr Graham? Graham ist ein Projekt von australischen Wissenschaftler*innen und Künstler*innen, und wurde designed, um zu zeigen, wie der Mensch aussehen müsste, wenn er sich evolutionär so entwickeln würde, dass er Autounfälle überleben könnte. Message: Wir sehen nicht aus, wie Graham, also bitte besser vorsichtig fahren. Oder gleich aufs Rad umsteigen ;-)

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Ich glaube an das Gute im Internet. Das ist ein langjähriger und nahezu unerschütterlicher Glaube, der sich vor allem aus all den Erfahrungen und Geschichten nährt, die ich darin erlebt und mitbekommen habe. Ein Teil meines jährlichen Spendenbudgets ist immer reserviert für Menschen in meiner mehr oder weniger direkten Umgebung, die in Not geraten sind. Gestern habe ich für eine Person und ihr Kind gespendet, die ich übers Internet schon länger kenne. Die beiden leben schon lange in prekären Verhältnissen, aus denen sie trotz großer Kraftanstrengung nicht so einfach herauskommen. Nun droht der Verlust der Wohnung und damit Obdachlosigkeit, die beiden sind also dringend auf kurzfristige finanzielle Unterstützung angewiesen. Das ist etwas, das erschreckend viele Menschen aus eigener Erfahrung kennen. Melanie von Glücklich Scheitern hat eine Crowdfunding-Kampagne organisiert, die erst gestern startete und in der kurzen Zeit schon eine ordentliche Menge Geld generiert hat, die den beiden über das Allergröbste hinweghelfen wird. Trotzdem schaden ein paar weitere Euros nicht, um ihnen vielleicht noch etwas mehr Luft zum Atmen zu verschaffen – und vielleicht auch neue Kraft zu schöpfen, aus den prekären Lebensumständen herauszufinden. Jemand hat mal gesagt: Das Internet ist ein guter Ort, wenn wir ihn dazu machen. Das wäre eine Gelegenheit. Hier geht’s zur Crowdfunding-Kampagne.

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Das war’s für heute; ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

 

2 Kommentare

  1. Martha
    Am 07.08.2016 um 12:27:35 Uhr [Link]

    Ich verfolge das Thema mit der kulturellen Aneignung mit Interesse und muss zugeben, dass ich vieles noch nicht ganz verstehe. Ich habe auch noch nicht viele Erklärungen zu manchen Dingen gefunden.

    Dreads zB… sie stammen aus ein paar wenigen Kulturen. Also nicht aus „der schwarzen Kultur“ (die ja so nicht exisitiert). Wenn jetzt also schwarze Deutsche, die mit diesen Kulturen vielleicht maximal teilen, dass ein Teil ihrer Vorfahren auf dem selben Kontinent gelebt haben, sich diese kulturellen Besonderheiten aneignen. Wäre das dann nicht auch kulturelle Aneignung? Weil sie ja kulturell gesehen privilegiert sind. (das Privileg in Westeuropa aufzuwachsen)

    Verstehst Du, was ich meine? Mich irritiert dieses in einen Topf werfen nur aufgrund eines einzigen Merkmals, nämlich der Hautfarbe. Es sind ja nicht alle schwarzen Menschen Anhänger derselben Kultur. Es gibt da ja durchaus ganz ganz viele verschiedene Kulturen. Aber vielleicht ist das ja schon irgendwo erklärt? Würde mich freuen, wenn Du vielleicht einen Link dazu hättest. :)

  2. Hannah
    Am 07.08.2016 um 21:33:05 Uhr [Link]

    Ich hab heut viel über kulturelle Aneignung gelesen und bin dabei auch über Gender Appropriation gestolpert. Das hat mich doch etwas zum Nachdenken gebracht.
    Denn eigentlich hab ich immer unterstützt, dass meine Jungs Kleid tragen dürfen und sich schminken, genauso wie Männer. Unter diesem Gesichtspunkt ist das allerdings gar nicht antisexistisch sondern doch genauso sexistisch wenn ein Junge ein Kleid trägt, wie rassistisch wenn ein weißes Kind ein Indianerkostüm. Ich glaub, das muss ich erst noch verarbeiten.

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