Größer und schöner als je zuvor: Meine neue Nähwerkstatt!

Mein Arbeitsplatz hat sich in den letzten Jahren fast unendlich oft verändert. Er wurde immer wieder angepasst an die Anzahl und das Alter der Kinder, die immer Gäste in meiner Nähwerkstatt waren, er ist mehrere Male innerhalb der Wohnung umgezogen und wurde, so weit es mit dem räumlichen Gegebenheiten eben möglich war, immer weiter optimiert. Seit etwa 1,5 Jahren zeigte sich aber immer deutlicher, dass der Platz, den ich zum Arbeiten habe, einfach nicht ausreicht. Die Hälfte des Esstischs war permanent belegt mit meiner Schneidematte, weil mir ein Zuschneidetisch fehlte. Mein Materialregal platze aus allen Nähten, weil ich nicht genügend Stauraum hatte. Ich hatte zu wenig Platz zum Nähen, mein Büro war irgendwann dauerhaft auf dem Sofa, überall stapelte sich alles, von Ordnung und Übersichtlichkeit konnte ich nur noch träumen. Ein schwer auszuhaltender Zustand für mich. Ich hätte fast ein Atelier gemietet, mich dann aber wegen der laufenden Kosten dafür doch nicht getraut. Und dann stellte sich heraus, dass wir (wieder einmal) innerhalb der Wohnung umziehen müssen, weil das Mädchen ein Pflegebett und damit ein eigenes Zimmer braucht. Wochenlang haben wir überlegt, Zimmer und Möbel gedanklich hin- und hergeschoben, Bedürfnisse aller 5 Familienmitglieder jongliert, Notwendigkeiten diskutiert und sogar einen Umzug erwogen. Und am Ende haben wir uns zu einem relativ radikalen Schritt entschieden: Nämlich den uns zur Verfügung stehenden Wohnraum komplett neu aufzuteilen, und uns dabei konsequent nach unseren Bedürfnissen, und nicht mehr nach Konventionen zu richten. Das bedeutet, dass wir jetzt zum Beispiel kein Wohnzimmer und auch kein gemeinsames Schlafzimmer haben. Dafür haben die Großen jetzt wieder ein Zimmer gemeinsam, das Mädchen ein eigenes, der Mann hat eines, in dem auch der Familien-Kleiderschrank steht, und das auch so ein bisschen als Wohnzimmer-Ersatz dienen soll. Und ich, ich habe jetzt das komplette alte Wohnzimmer für mich, in dem ich arbeite und auch schlafe.

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Während ich Ende August mit den beiden Großen ein paar Tage Urlaub in Berlin machte, räumte der Mann die Kinder- und das Schlafzimmer aus und strich die Wände einmal gründlich neu. Bei unserer Rückkehr aus Berlin stand kein Stein mehr auf dem anderen. Die folgende Woche verbrachten wir damit, die Zimmer entsprechend ihrer neuen Aufteilung wieder einzuräumen, unglaublich viel Zeug auszumisten (4 Säcke Altkleider, 3 weitere Kisten Bücher, Spielzeug…), ich plante mein neue Nähwerkstatt mit dem online-Raumplaner von hej.de. Mit Teppichmesser und Axt zerlegten wir unser abgenutztes Sofa (DAS hat Spaß gemacht!), mit einem Nachbarn fuhr ich zum Recyclinghof, zum Möbelschweden und zum Baumarkt. Wir haben nur geräumt, geschraubt, geschleppt, sortiert, lasiert, geschliffen, gerumpelt, geschoben. Dann fuhr der Mann mit den beiden Großen für einige Tage in den Schwarzwald, ich blieb mit dem Mädchen alleine zuhause und konnte in meinen Arbeitspausen dem neuen Atelier den letzten Schliff geben. Auch hier wurde ordentlich ausgemistet: 2 Freundinnen haben zusammen einen Kofferraum und eine große Kiste Material mit nach Hause genommen, das mir hier einfach zu viel war. Und so sieht es hier nun aus:

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Ich habe drei kleine (2×2) und ein mittleres (2×4) Kallax-Regale gekauft, welche die Grundlage für meinen Arbeitstisch bilden. Die Arbeitsplatte ist eine 15mm starke Multiplex-Platte in den Maßen 90×225 cm, die ich weiß lack-lasiert habe. Konstruktionen dieser Art mit Kallax-Regalen sind schon längst keinen neue Idee mehr; Pinterest und IKEA-Hackers sind voller Inspirationen dazu. Es ist aber auch einfach eine unschlagbare Sache, denn Kallax ist günstig, schön, praktisch und flexibel.

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Auf die Arbeitsplatte passt meine Schneidematte genau drauf, es können beide Maschinen drauf stehen, und ich habe genug Platz zum Arbeiten. Nähnadeln, Maschinenfüße, Schneide- und Markierwerkzeuge und allerhand anderer Kram ist in den Schubladenfächern gut aufgehoben. Auf der Arbeitsfläche steht neben den Maschinen nur das Allernötigste: Ein Tisch-Abfalleimer, Stecknadeln und Stoffklammern, und ein Glas mit ein paar Stiften und Scheren.

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Für weiteren Kleinkram habe ich mir einen kleinen, superpraktischen Rollwagen gekauft, den ich immer da hin schieben kann, wo ich den Inhalt gerade brauche. Noch nicht optimal ist die linke Seite der Werkstatt, wo jetzt der Schreibtisch und die großen Boxen stehen. Ich muss mich erst ein bisschen hier einleben, bevor ich weiß, wie ich diese Ecke am besten nutzen kann.

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Die meisten Leute, denen ich bisher von unserer neuen Wohnungsaufteilung erzählt habe, können sich gar nicht vorstellen, wie man ohne Wohnzimmer leben kann. Aber pssst, ich verrate euch was: Abends Serien gucken kann man auch vom Bett aus hervorragend. Und darum, wie wir Weihnachten feiern, oder wo unsere Gäste sitzen, wenn wir keine Couch mehr haben, mache ich mir auch keine Gedanken: es wird irgendwie gehen, und wahrscheinlich sogar ganz gut. Es macht irgendwie einfach keinen Sinn, Wohnraum passend zu ein paar wenigen Anlässen im Jahr einzurichten, wenn er 95% der Zeit anders viel sinnvoller und zufriedenstellender genutzt werden kann. Vor allem nicht bei Freiburger Mietpreisen. Und auch über die getrennten Schlafzimmer muss sich übrigens niemand Sorgen machen. Wir hatten von Anfang an getrennte Schlafzimmer, erst als das Mädchen kam (und damit wieder mal die Wohnung umgeräumt werden musste…), hatten wir zum ersten Mal ein gemeinsames. War okay, aber so richtig bewährt hat es sich nicht.

Ich bin super-superglücklich mit meinem neuen Atelier und mit dieser einmal mehr wie neuen Wohnung auch. Insbesondere so viel materiellen Ballast losgeworden zu sein, fühlt sich unglaublich gut an. Und auch der Mann und die Kinder scheinen sich nun viel wohler zu fühlen, als vorher. Entgegen meiner Befürchtungen scheint den Großen das gemeinsame Zimmer sogar recht gut zu tun, und der Mann freut sich, dass er mit seinen Sachen endlich nicht mehr gefühlt unter der Kellertreppe hausen muss, sondern es sich auch endlich mal wieder schön machen kann. Ich kann’s kaum abwarten, hier endlich richtig loszulegen!

13 Kommentare

  1. Tina Frau PN
    Am 09.09.2016 um 19:54:02 Uhr [Link]

    Oh ist das toll geworden!
    So ein Rundumschlag im Wohnraum ist doch immer wieder toll und erfrischend.

    Wir hatten die letzten Jahre auch kein Wohnzimmer; ging gut. (Jetzt dafür ein unendlich großes! Mal sehen wie wir das optimal nutzen)

    Ich fange jetzt an MEIN Zimmer zu renovieren und einzurichten. SO schick wird es wohl nicht, aber ich freue mich wie Bolle auf meinen eigenen Raum. :)

    Viel Spaß, Energie und kreative Schübe in Deinrm Atelier.

    LG

    Tina

  2. Mary Read
    Am 09.09.2016 um 20:03:23 Uhr [Link]

    Klingt super!!! Sowas müsste ich auch unbedingt mal durchziehen! Hier steht seit nem halben Jahr eine riesen Tasche mit aussortierten Büchern im Schlafzimmer, die CDs unterm Bett können auch wirklich weg und ich sollte mich dann doch auch endlich mal von der Kleidung trennen die ich bestimmt 5 Jahre nicht getragen habe!
    Einmal mehr: Danke für die Inspiration!

  3. Eva
    Am 09.09.2016 um 20:03:26 Uhr [Link]

    Hallo Ella! Freut mich, wieder von Dir zu lesen. Eure Wohnung hoert sich total gut an! Das Wichtigste ist doch, dass ihr EUREN Beduerfnissen gerecht werdet. Ich bin auch gerade dabei, bei uns halb-radikal Platz & Wohnraum fuer neues zu schaffen. Zwar bisher nur im Kopf, aber es wird…

  4. Claudia
    Am 09.09.2016 um 20:11:17 Uhr [Link]

    Wir hatten jahrelang kein Wohnzimmer und haben es nicht vermisst.
    Allerdings eine große Küche mit Tisch zum Essen und dran sitzen.

    Von daher, kann ich gut verstehen eure Aufteilung und es ist ja nix in Stein gemeisselt. Wenn es nicht mehr passt wird es halt wieder anders

    Claudia

  5. LeNiundFlo
    Am 09.09.2016 um 21:04:56 Uhr [Link]

    euer wohnraumkonzept hört sich total spannend und logisch an. ich hätte 1000 fragen wie ihr verschiedene dinge gelöst habt doch ich glaube da muss man sehr individuell dran gehen. würdest du uns noch ein paar bilder von verschiedenen wohnbereichen zeigen?
    lg LeNiundFlo

  6. Margit
    Am 09.09.2016 um 21:31:37 Uhr [Link]

    „wer nicht bereit zu Veränderung ist, ist längst tot“
    … und es schaut super schön und kreativ aus!!!!!
    du machst es gut, m

  7. anja
    Am 09.09.2016 um 22:31:10 Uhr [Link]

    wunderbar! wir sind aufgrund der freiburger preise ganz frisch ins umland gezogen. aber mit ähnlichen gedanken: wie machen wir es für UNS passend. finde dein lebenszimmer perfekt: durchdacht und dennoch (?) mit ganz viel seele. gutes leben und arbeiten wünsche ich dir!
    anja

  8. Susanne
    Am 11.09.2016 um 13:59:33 Uhr [Link]

    Das sieht ja wunderbar aus!

    Wir haben übrigens auch getrennte Schlafzimmer und kein Wohnzimmer. Damit wir jeder einen Unterrichtsraum haben und unser Sohn ein Zimmer, das größer als ein Schuhkarton ist. Ohne Wohnküche wäre das wahrscheinlich schwierig, aber nicht unmöglich.

    Der Weihnachtsbaum steht übrigens im jetzigen Kinder- und ehemaligen Wohnzimmer. Fernsehen tun wir eh wenig und fast nie alle gleichzeitig.

    Ich denke, es ist gar nicht so ungewöhnlich, die Wohnung immer wieder umzuräumen, vor allem mit den wechselnden Bedürfnissen der Kinder (und Eltern).

    Und natürlich will ich jetzt auch sofort einen Zuschneidetisch… Werde aber die Nähmaschine wieder auf dem Küchentisch aufbauen.

  9. Eva
    Am 11.09.2016 um 22:38:15 Uhr [Link]

    Super! Wir haben auch kein klassisches Wohnzimmer, sondern eine Wohnküche mit Sofa. Mein Zimmer beherbergt die Glotze und den Kamin und ist zudem noch Durchgangszimmer für meine Töchter.
    Wir wohnen jetzt hier 1.5 Jahre und haben auch schon zig mal umgeräumt. Mal hatten alle 3 Kinder 1 Schlafzimmer zusammen, dann gab es ein Spiel -TV-Freizeitzimmer für alle und eben mein Kaminzimmer. Dann wollte der Älteste wieder alleine hausen und die Mädels auch. Alles wieder zurück.
    Die Idee mit der Wohnzimmerküche hatte ich sofort, viele dachten, dass das ja sehr komisch sei. Letztendlich ist genau diese Wohnzimmerküche der Ort, wo alle am liebsten chillen. Ok, auch in meinem Bett, hahaha.
    Gerade fühle ich auch wieder den Wunsch, mein Zimmer umzuräumen. Mal sehen, was da so geht! Der Winter kommt, die Kaminzeit naht….
    Liebe Grüße, Eva

  10. Eva
    Am 11.09.2016 um 22:41:12 Uhr [Link]

    Ps. Die meisten Wohnzimmer drapieren sich eh nur um die Glotze, das fand ich schon immer sch**** ! Und nur um abends da vor zu hängen, braucht man diesen Raum echt nicht vergeuden ;)

  11. Angela
    Am 11.09.2016 um 23:27:50 Uhr [Link]

    Das ist total cool.
    Ich finde es richtig, die Wohnung so einzurichten, wie IHR es braucht und nicht wie andere das gern hätten. Und ihr profitiert alle davon, das ist doch großartig.
    Viel Spaß im neuen Zimmer! Angela

  12. Jukefrosch
    Am 12.09.2016 um 09:39:56 Uhr [Link]

    Das sieht wunderschön aus! Es muss ein Traum sein, so ein perfekt nach eigenen Bedürfnissen eingerichtetes Zimmer zu haben!

    Viel Spaß beim Leben und Arbeiten dort!

    P.S. Wirst du noch andere Räume zeigen? Das würde mich wahnsinnig interessieren. ;)

  13. Karin
    Am 12.09.2016 um 23:13:27 Uhr [Link]

    Ich fand es vor Jahren megagenial, dass es möglich war ein komplettes Sofa des schwedischen Möbelhauses zerlegt in einen Kleinwagen zu bekommen. Das war Welten besser als Tetris! :D
    Toll sieht Dein Arbeitszimmer aus und für die Büroecke wird sich sicher noch eine Inspiration finden.
    Umräumen und umziehen in der eigenen Wohnung gehört zum Leben dazu, finde ich. Auch ich habe in diesem Jahr, trotz Armbruch und Rekonvaleszenz, schon wieder Möbel gerückt.
    Viele Grüße,
    Karin

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