Links zum Wochenende: Häkel-Exorzist, tierfreie Ernährung, Thermomix-Liebe.

(Fast) jeden Freitag zeige ich euch hier, was mir in letzter Zeit im Internet so interessantes vor die Füße geschwemmt wurde. Thematisch völlig durchmischt, aber immer mehr oder weniger stark politisch geprägt.

Irgendwann vor 150 Jahren habe ich mal studiert, und zwar unter anderem Geschichte. Besonders interessiert hat mich immer Alltagsgeschichte; das Leben und Erleben der Menschen in ihrer jeweiligen Zeit. Wie anders da vieles war: die gesellschaftliche Haltung zu bestimmten Themen, Gesetze, Kommunikation, Alltagsorganisation und so weiter. Daher las ich auch diesen Artikel gerne: eine 85jährige blickt zurück auf ihr Leben.

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Wer Halloween (oder auch einfach Gruselfilme) gern mag und häkeln kann, könnte sich eine Szene aus „Der Exorzist“ nachhäkeln. Herrlich schräg!

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Carolin Emcke ist frisch gebackene Trägerin des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, und sie ist mir enorm sympathisch. Zum Beispiel weil sie sagt, sie sei „lieber politisch korrekt, als moralisch infantil“. Dann aber erst recht wegen ihrer großartigen Rede in der Paulskirsche:

„Als ich mich das erste Mal in eine Frau verliebte, ahnte ich – ehrlich gesagt – nicht, dass damit eine Zugehörigkeit verbunden wäre. Ich glaubte noch, wie und wen ich liebe, sei eine individuelle Frage, eine, die vor allem mein Leben auszeichnete und für andere, Fremde oder gar den Staat, nicht von Belang. Jemanden zu lieben und zu begehren, das schien mir vornehmlich eine Handlung oder Praxis zu sein, keine Identität.

Es ist eine ausgesprochen merkwürdige Erfahrung, dass etwas so Persönliches für andere so wichtig sein soll, dass sie für sich beanspruchen, in unsere Leben einzugreifen und uns Rechte oder Würde absprechen wollen. Als sei die Art, wie wir lieben, für andere bedeutungsvoller als für uns selbst, als gehörten unsere Liebe und unsere Körper nicht uns, sondern denen, die sie ablehnen oder pathologisieren. Das birgt eine gewisse Ironie: Als definierte unsere Sexualität weniger unsere Zugehörigkeit als ihre. (…)
Wir dürfen Bücher schreiben, die in Schulen unterrichtet werden, aber unsere Liebe soll nach der Vorstellung mancher Eltern in Schulbüchern maximal »geduldet« und auf gar keinen Fall »respektiert« werden?
Wir dürfen Reden halten in der Paulskirche, aber heiraten oder Kinder adoptieren dürfen wir nicht?“

Die ganze Rede gibt es hier nachzulesen.

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Und dann gibt’s mal wieder was nettes zum Thermomix – finden wahrscheinlich nur Leute nett, die diese Liebe zum Thermomix nicht verstehen. Aber auch unter den Thermomix-Liebhaber*innen soll es ja welche geben, die ein klein wenig Selbstironie können ;-) Ich hab jetzt jedenfalls einen Ohrwurm: „Gib mir mein‘ Thermomix/ ich brauch‘ deine Liebe nicht…“

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Wer Netflix hat, kann sich vielleicht mal Fork over Knives ansehen. Ein Dokumentarfilm über die Gründe, warum es ernsthaft Sinn machen könnte, Fleisch und Milchprodukten den Rücken zu kehren, und sich rein pflanzlich zu ernähren. Ein alter Hut für mich, aber obwohl der Film mir kein neues Wissen vermitteln konnte, brachte er mich doch dazu, drüber nachzudenken, ob ich zum Beispiel meine Kinder doch ein bisschen mehr in die vegane Richtung lenken sollte. Bisher habe ich das nicht getan, weil ich denke, dass das eine persönliche Entscheidung sein muss, die ich für meine Kinder ab einem gewissen Alter nicht mehr treffen kann.

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Für heute war’s das schon wieder, ich wünsche euch ein schönes, sonniges Herbstwochenende!

 

Ein Kommentar

  1. juli.a
    Am 28.10.2016 um 16:09:26 Uhr [Link]

    Juhu. Links zum Wochenende <3
    Gerade dein letzter Punkt ist für mich grad ein Thema: auch wenn ich erst frisch Mama bin, beschäftigt es mich doch, wie ich das mache mit der Ernährung vom Nachwuchs.
    Ich sehe das, vielleicht auch weil ich über Moralität meine Abschlussarbeit schrieb, ähnlich wie du: es ist eine Entscheidung, die selbst getroffen werden muss. Wenn der Mensch s kann. Dafür braucht er eine gewisse Reife. Bis dahin muss man als Elter(n) entscheiden und tut das ja täglich in so vielen Situationen: Anziehen, Medikamente geben, Zähne putzen…Das ist kein Aufzwängen aber Elterliche Fürsorge nach bestem Wissen und Gewissen. Allerdings ist vegane Ernährung etwas, was nicht unter die Fürsorge fürs Kind fällt, sondern unter Fürsorge für die Umwelt. Das ist ein kleiner Unterscheid, der womöglich auch nicht unwichtig ist. Alles sehr schwierig und sicher nicht pauschal zu beantworten. Vermutlich werden wir es erstmal so halten wie ihr. Wobei. Wir haben noch Zeit, noch gibt es Mama-Milch (und viel zu häufig die nervige Frage, ob stillen denn vegan sei….)

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