#12von12 im November

Jeden Monat fällt mir immer am 12. auf, wie wahnsinnig die Zeit rast. Schon wieder ein Monat rum, schon wieder der 12te – und plötzlich November! Warum stehen da schon Dinge wie Adventsbasteln im Kindergarten des Mädchens im Kalender und eine Erinnerung, dass ich Sachen für den Adventskalender besorgen muss?! Weihnachten? In sechs Wochen schon?! Ihr wollt mich doch verkohlen…Oh man. Tja, aber so sieht es wohl aus; und wenn ich mich hier so umsehe, stecke ich schon mitten in dieser crazy Vorweihnachtszeit, in der ich einfach acht Wochen lang nur im Dauerrotations-Modus bin. Unglaublich anstrengend, aber irgendwie auch sehr intensiv und schön. Heute war vermutlich der letzte unverplante Samstag für die nächsten 6 Wochen, und ich habe ihn als solchen ausgiebig genossen.

img_20161112_072957 img_20161112_091311

Erst um halb acht bin ich aufgewacht – seit ich Kinder habe, ist das eine wahnwitzig späte Uhrzeit zum aufwachen. Es ist tatsächlich wie ausschlafen. Nach einer kleinen Kuschelrunde mit dem Rest der Familie dusche ich, mache mich fertig und stehe um kurz nach neun an der Straßenbahnhaltestelle.

img_20161112_105411 img_20161112_110931

Ich fahre in die Stadt, und zwar ganz alleine! Auf dem Münstermarkt kaufe ich mir zum Frühstück eine kleine Tüte heiße Maroni, besorge Äpfel und Kartoffeln und quatsche ausgiebig mit meinem Freund Iro, der die leckerste Marmelade der Welt macht. Anschließend kaufe ich lauter Kruscht ein, der euch vermutlich gar nicht interessiert (naguuut: pflanzliche Herpescreme für den Sohn, Klopapier, einen MakeUp-Blender, Lippenstift, Eyeliner) und muss noch ins Klamottenkaufhaus, um der großen Tochter dicke Leggins zu besorgen. Auf dem Weg entdecke ich ebenjenen Sweater in der Mädchenabteilung. Der lässt mich wütend und ratlos zurück: Zum einen ist das schlicht #sexistischekackscheiße, zum anderen Frage ich mich, ob das schlimm falsche Englisch einen zusätzlichen „Witz“ darstellen soll – wozu muss ein Mädchen schon richtig Englisch können, wenn es hübsch aussieht? – oder ob der*die „Designer*in“ vielleicht selbst einpaar mal zu oft auf die Hausaufgaben verzichtet hat. Nunja.

img_20161112_115759 img_20161112_124122

Zum Mittagessen habe ich ein Date. Auf dem Weg zum Sushiladen (was sonst?!) kaufe ich noch schnell Brot in Freiburgs schönster und leckerster Bäckerei. So eine richtige Bäckerei, keine Kette, keine Filialen. Man erkennt das auf dem Foto nicht, aber beide Ladenschilder sind aus Holz geschnitzt.
Mein Date ist einer meiner Lieblingsnachbarn aus der WG im Keller unseres Hauses. Mittlerweile sind wir mit den drei Jungs so eng zusammengewachsen, dass es sich manchmal anfühlt wie eine WG über zwei Stockwerke verteilt. Ich darf gar nicht dran denken, dass sich das vielleicht irgendwann dochmal auflösen könnte. Hoffentlich haben wir noch viele, viele Jahre gemeinsam mit Fahrdiensten und Milch ausleihen, Brötchen mitbringen, Katzen sitten und zum Sushi treffen.

img_20161112_134722 img_20161112_144247

Nach dem Essen gehen der Herr Nachbar und ich noch ein bisschen Shoppen: Handschuhe und helmtaugliche Mützen zum Radfahren, Kleinzeug für den Adventskalender – und einen Spiral Designer*. Es ist manchmal echt gut, Kinder zu haben, um sich selbst Kinderzeug kaufen zu können :) Die Kinder lieben das Ding sofort, aber für mich ist irgendwas komisch: Das Ding, das ich aus meiner Kindheit noch kenne, war irgendwie anders. Ich forsche nach und finde raus, dass ich damals einen Spirograph* hatte, und auch, wenn beides so ähnlich funktioniert dass ich nicht verstehe, warum es nicht das gleiche ist, ist es eben nicht das gleiche. Ich ahne dunkel, was der Paketmann mir demnächst bringen wird.

img_20161112_151018 img_20161112_165015

Zum Paketmann habe ich sowieso eine sehr innige Bindung. Während ich in der Stadt war, war er bei mir zuhause und hat mir neben einer Kasse* die ich für die kommenden Märkte brauche, auch ein Paket mit der begehrten Einhornschokolade gebracht. Vor knapp zwei Wochen habe ich spät abends eine gute halbe Stunde mit viel neu laden und viel Geduld im völlig überlasteten Webshop von Ritter Sport zugebracht und konnte 12 Tafeln ergattern, die allesamt als Weihnachtsgeschenke herhalten werden. Für mich selbst habe ich ein paar Tafeln vegane Schokolade bestellt. Am kommenden Montag gibt es die Einhorn-Schokolade übrigens nochmal online zu kaufen.
Zum späten Mittagessen gibt es auf Wunsch der gesamten Familie Kartoffelsuppe. Davon habe ich gestern für den Laternenumzug an unserer Schule 15 Liter gekocht, und auch 25 wären wohl gut weggegangen. Ich habe mich über viele Komplimente für die leckere Suppe gefreut, und Mann und Kinder fanden, dass sie eindeutig zu wenig abgekriegt hätten und es die heute nochmal geben muss. Dazu gibt es superleckeres Nussbrot von der Brotboutique Faller.

img_20161112_195130 img_20161112_200621

Nach der Suppe lege ich mich aufs Ohr und kuriere mein Nachmittagstief aus. Der Mann bringt die Kinder ins Bett und ich gönne mir einen kleinen abendlichen Snack: Superleckere Kiku-Äpfel vom Markt mit ein paar Stückchen veganer Schokolade. Ich liebe die Geschmackskombination von säuerlichem Apfel und dunkler Schokolade sehr; das erinnert mich immer an die Schoko-Äpfel vom Weihnachtsmarkt.
Den Abend werde ich damit verbringen, meine schönen handgeletterten SnapPap-Label an die nächste Ladung Stricknadelrollen zu nähen – und dabei Gilmore Girls zu schauen. Ich sehe diese Serie gerade zum ersten mal und bin innerhalb einer Staffel von „Ohgottohgott ist das ein fürchterlicher Mist!“ zu Titelmelodie mitsingen mutiert. Und jetzt sitze ich quasi in der Falle und kann nicht mehr aufhören ;)

Ich bin gespannt, die ganzen anderen #12von12s bei DraußenNurKännchen zu lesen und zu gucken, was ihr alle heute so getrieben habt. Habt noch ein schönes Wochenende!

__________

Links mit Sternchen (*) sind amazon-Affiliate-Links.

Die neuen Sockentabellen sind da!

Wer mich auf Instagram begleitet, kann es schon seit einer Weile immer ein bisschen mitverfolgen: So langsam wird es ernst, die Vorfreude auf die neuen Stricknadelrollen steigt von Tag zu Tag. Mittlerweile habe ich eine ausreichende Anzahl aller Designs geliefert bekommen, die ich in den nächsten Tagen alle für den Shop fotografieren und betexten werde. Und dann können diese wunderschönen Schätze endlich in meinen Dawanda-Shop einziehen und euch glücklich machen. Ich bin richtig hibbelig und kann es kaum abwarten!

img_7949
Zu einer neuen Runde Stricknadelrollen gehört natürlich auch eine neue Runde Sockentabellen. Wie letztes Mal auch, gibt es zu jeder bestellten Stricknadelrolle eine Sockentabelle als Goodie dazu. Aber selbstverständlich gibt es die Sockentabellen auch diesmal wieder einzeln zu kaufen, für alle die schon eine Stricknadelrolle haben (oder vollkommen unverständlicherweise meinen, sie bräuchten keine ;-) ), oder strickenden Freund*innen ein kleines Geschenk machen wollen.

img_7950

img_7958

Die Vorderseite habe ich mit Aquarellfarben gestaltet; das Lettering, das auch auf meinen neuen Labels und meinem Briefpapier prangt, hat die sehr talentierte Franziska für mich gemacht. Im Innern befindet sich die eigentliche Tabelle für 4- und 6fädiges Sockengarn. So kann man jederzeit nachsehen, für welche Schuhgröße welche Maschenzahl angeschlagen werden muss, wie sich die Maschen für die Ferse aufteilen und wie für die Sockenspitze abgenommen wird. Die Tabelle ist auf stabilem 400g-Postkartenkarton gedruckt, und haben gefaltet das Format einer halben Postkarte. Sie passen perfekt in das breite Utensilienfach meiner Stricknadelrollen, aber natürlich auch in jeden Projektbeutel. Ich bin ziemlich verliebt in die neuen Sockentabellen und freue mich jedes Mal, wenn ich sie angucke. Seit gestern sind sie nun im Shop erhältlich – einzeln oder im 10er-Pack. Ich freu mich, wenn ihr da mal vorbeischaut!
Die Stricknadelrollen werden aller Vorraussicht nach ab dem 21. 11. im Shop erhältlich sein.

Ringelmiez auf dem Winterbasar der Freien Waldorfschule Rieselfeld

wdr__161219web__flybasar__a6

Jedes Jahr freue ich mich ganz besonders auf die Advents-und Martinsmärkte an den drei Waldorfschulen unserer Stadt. Wenn möglich, besuche ich sie alle gerne, bestaune die liebevolle Gestaltung, genieße den weihnachtlichen Punsch- und Kuchenduft und habe eine große Freude daran, all die vielen, wunderschönen und größtenteils handgemachten Sachen zu bewundern und einen Teil davon zu Weihnachtsgeschenken für meine Kinder und die Familie zu machen. Seit zwei Jahren bin ich als Waldorf-Elternteil auch selbst in die Organisation des Basars an unserer Schule eingebunden, und dieses Jahr besonders intensiv. Nicht nur organisiere ich den Basarbeitrag der zweiten Klasse (wir steuern Laternenkinder und Laternenkinder-Bastelpackungen bei, aber dazu später mehr), sondern ich rattere auch seit Wochen schon auf der Nähmaschine in meinem Atelier auf Hochtouren. Denn ich werde selbst auch mit Ringelmiez einen eigenen Stand dort haben. Ich bin super aufgeregt und freue mich riesig, dass das geklappt hat. Im Atelier habe ich meinen Stand im Mini-Format schonmal probehalber aufgebaut; der echte Stand auf dem Markt wird etwas mehr Platz bieten.

img_7941

img_7948 img_7947

img_7946

img_7945

img_7949

 

Mit im Gepäck habe ich für euch die lang ersehnten Stricknadelrollen – keine Sorge, sie werden zum größten Teil gleichzeitig auch schon online erhältlich sein – , supersüße Schraubgläser mit Nadelkissen-Deckel, jede Menge Täschchen, wunderschöne Maschenmarker, Kameragurte, die neuen Sockentabellen, das Handarbeits-Bullshitbingo und noch die ein oder andere Überraschung mehr. Ich freue mich riesig über alle, denen es möglich ist, meinen Stand auf dem Markt zu besuchen. Und jetzt schnell Kalender rausholen:

Winterbasar der Freien Waldorfschule Rieselfeld

am Samstag, den 19.11. 2016
von 11-17 Uhr
Ingeborg-Drewitz-Allee 1
79111 Freiburg
Öffis: mit der Linie 5 Richtung Rieselfeld bis Geschwister-Scholl-Platz, dann links in die Ingeborg-Drewitz-Allee

Ich weiß leider noch nicht genau, in welchem Raum ich meinen Stand haben werde, aber ich bin sicher, ihr werdet mich finden – und auf dem Weg zu mir an vielen anderen schönen Ständen vorbeikommen. Auf Instagram könnt ihr bis dahin gerne spickeln, was ich noch so für euch mitbringe. Ich freu mich auf euch!

Erinnerung an Mama: Quilts für zwei Schwestern.

In ein paar Tagen ist es genau ein Jahr her, dass ich begonnen habe, an den Erinnerungsquilts für zwei Schwestern aus der Kleidung ihrer verstorbenen Mutter zu arbeiten. In diesen fast 12 Monaten, die seitdem vergangen sind, ist eine ganze Menge passiert. Zunächst mal hat mir mein Rücken große Probleme gemacht, weswegen ich faktisch gar nicht wirklich in der Lage war, effektiv an der Nähmaschine zu arbeiten. Wann immer es ging, arbeitete ich an diesen Quilts weiter, aber es ging eben oft nicht. Und dann sind 2016 so viele Menschen gestorben. Politiker*innen, Prominente, Legenden. Aber leider auch nicht wenige aus meinem engeren und erweiterten persönlichen Umfeld. Es ist bitter, dass ich wirklich nachzählen muss, wie viele es waren: Sieben. Sieben Menschen in 12 Monaten. Diese krasse Häufung und jedes Mal die Trauer, wenn der letzte Tod noch nicht verwunden war, haben mit Sicherheit auch dazu beigetragen, dass es mir immer wieder ziemlich schwer gefallen ist, mich diesen beiden Quilts mit der nötigen Contenance zu widmen.
Glücklicherweise ist die Auftraggeberin nicht nur geduldig, sondern auch verständnisvoll, und nimmt mir nicht übel, dass das alles so lange gedauert hat. Jetzt sind sie jedenfalls fertig, und ich finde, das Warten hat sich gelohnt.


img_7895

img_7892

Gewünscht waren zwei Quilts, der eine mit Vogelmotiv, der andere mit Sternmotiv. Ich hab ein Weilchen gebraucht, bis ich – auch anhand der vorhandenen Auswahl  an Kleidungsstücken – ausgearbeitet hatte, wie ich das am besten realisiere. Die Kleidungsstücke waren enorm unterschiedlich: Flutschige, glänzende Seide, Jersey, vermutlich jahrzehntealte Lieblingsstücke aus Baumwolle, sommerlich hauchdünne Viskose, Jeans, fransender Leinen und so weiter. Es hat enorm viel Zeit gekostet, diese unterschiedlichen Materialien so halbwegs auf ein Verarbeitbarkeits-Niveau zu bringen, das heißt: Unterschiedliche Vliese aufzubügeln, damit sich nichts mehr verziehen kann, die Kanten zu versäubern, damit nichts „wegribbelt“ und das zugeschnittene Quadrat am Ende einen halben Zentimeter kleiner ist, die hauchdünnen Stoffe mit weißer Baumwolle zu hinterlegen, damit das Batting nicht durchschimmert. Trotz all dieser Vorbereitungsmaßnahmen blieb es eine Herausforderung, möglichst präzise zu arbeiten. An manchen Stellen verzog sich eben doch was und es entstand ein Fältchen, wo keins hinsoll. Falls ihr jemals so einen Erinnerungsquilt selbst nähen wollt: Lasst euch davon nicht entmutigen. Bei so vielen verschiedenen Materialien geht es einfach manchmal nicht anders, und die kleinen Ungereimtheiten gehören dazu, wie Fältchen in einem alternden Gesicht.


img_7897

img_7896

Die Grundidee wird wahrscheinlich schon klar, wenn man sich die beiden Bilder ansieht: Auch die Quilts sind ein bisschen wie Schwestern. Beide haben einen Übergang von dunkel nach hell, nur in unterschiedliche Richtungen. In einem Quilt erleuchtet ein großer Stern das dunkel, und ein weiterer kleiner Stern funkelt am dunklen Himmel. Im anderen Quilt lösen sich Vögel aus der Dunkelheit und fliegen ins Licht.
Beides sind schöne Metaphern für Leben und Tod, Trauer und Trost, Hoffnung und Erlösung. Und trotzdem, finde ich, sind die Bilder noch nicht zu schwer, um die Quilts im Alltag um sich haben zu können. Der große Patchwork-Stern auf dem einen Quilt ist ein Star-in-a-Star, also ein großer Stern, der einen kleinen Stern in sich trägt. Ein recht bekanntes Patchwork-Motiv, für das es viele verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten gibt. Ich habe mich gerade für dieses Sternenmotiv entschieden, weil es so eine schöne mütterliche Komponente hat und im Zusammenhang mit der Geschichte dieses Quilts eine tröstende Wirkung ausstrahlt. Der kleine Stern am dunklen Nachthimmel ist mit English Paper Piecing gemacht und dann per Hand mit winzig kleinen Stichen auf das Quilt Top appliziert.


img_7932

img_7931

Das gleiche Prinzip habe ich für die Vögel auf dem zweiten Quilt angewendet – erst alle von Hand mit Hilfe von selbstgemachten Schablonen zusammengenäht, dann mit winzigen Stichen von Hand auf den Quilt aufgebracht. Ja, das ist viel Arbeit. Aber mit der Maschine genäht würde es einfach nicht so gut aussehen (und es wäre Frevel, so rein handwerklich! ;-) ).

img_7930

Und wenn wir schon dabei sind: Natürlich wird auch das Label ganz zum Schluss von Hand aufgenäht. Das ist immer ein besonders schönes Abschiedsritual für mich. Denn in so einem Quilt steckt eine Menge meines Herzblutes drin – vor allem in solchen Erinnerungsquilts. Ich bin sehr glücklich, dass ich diese beiden Quilts zu einem Abschluss bringen konnte und sie endlich auf die Reise in ihr Zuhause schicken kann.  Ich hoffe, die beiden zukünftigen Besitzerinnen haben viel Freude und schöne Momente beim Streicheln der einzelnen Stoffquadrate.

 

 

 

 

Links zum Wochenende: Häkel-Exorzist, tierfreie Ernährung, Thermomix-Liebe.

(Fast) jeden Freitag zeige ich euch hier, was mir in letzter Zeit im Internet so interessantes vor die Füße geschwemmt wurde. Thematisch völlig durchmischt, aber immer mehr oder weniger stark politisch geprägt.

Irgendwann vor 150 Jahren habe ich mal studiert, und zwar unter anderem Geschichte. Besonders interessiert hat mich immer Alltagsgeschichte; das Leben und Erleben der Menschen in ihrer jeweiligen Zeit. Wie anders da vieles war: die gesellschaftliche Haltung zu bestimmten Themen, Gesetze, Kommunikation, Alltagsorganisation und so weiter. Daher las ich auch diesen Artikel gerne: eine 85jährige blickt zurück auf ihr Leben.

***

Wer Halloween (oder auch einfach Gruselfilme) gern mag und häkeln kann, könnte sich eine Szene aus „Der Exorzist“ nachhäkeln. Herrlich schräg!

***

Carolin Emcke ist frisch gebackene Trägerin des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, und sie ist mir enorm sympathisch. Zum Beispiel weil sie sagt, sie sei „lieber politisch korrekt, als moralisch infantil“. Dann aber erst recht wegen ihrer großartigen Rede in der Paulskirsche:

„Als ich mich das erste Mal in eine Frau verliebte, ahnte ich – ehrlich gesagt – nicht, dass damit eine Zugehörigkeit verbunden wäre. Ich glaubte noch, wie und wen ich liebe, sei eine individuelle Frage, eine, die vor allem mein Leben auszeichnete und für andere, Fremde oder gar den Staat, nicht von Belang. Jemanden zu lieben und zu begehren, das schien mir vornehmlich eine Handlung oder Praxis zu sein, keine Identität.

Es ist eine ausgesprochen merkwürdige Erfahrung, dass etwas so Persönliches für andere so wichtig sein soll, dass sie für sich beanspruchen, in unsere Leben einzugreifen und uns Rechte oder Würde absprechen wollen. Als sei die Art, wie wir lieben, für andere bedeutungsvoller als für uns selbst, als gehörten unsere Liebe und unsere Körper nicht uns, sondern denen, die sie ablehnen oder pathologisieren. Das birgt eine gewisse Ironie: Als definierte unsere Sexualität weniger unsere Zugehörigkeit als ihre. (…)
Wir dürfen Bücher schreiben, die in Schulen unterrichtet werden, aber unsere Liebe soll nach der Vorstellung mancher Eltern in Schulbüchern maximal »geduldet« und auf gar keinen Fall »respektiert« werden?
Wir dürfen Reden halten in der Paulskirche, aber heiraten oder Kinder adoptieren dürfen wir nicht?“

Die ganze Rede gibt es hier nachzulesen.

***

Und dann gibt’s mal wieder was nettes zum Thermomix – finden wahrscheinlich nur Leute nett, die diese Liebe zum Thermomix nicht verstehen. Aber auch unter den Thermomix-Liebhaber*innen soll es ja welche geben, die ein klein wenig Selbstironie können ;-) Ich hab jetzt jedenfalls einen Ohrwurm: „Gib mir mein‘ Thermomix/ ich brauch‘ deine Liebe nicht…“

***

Wer Netflix hat, kann sich vielleicht mal Fork over Knives ansehen. Ein Dokumentarfilm über die Gründe, warum es ernsthaft Sinn machen könnte, Fleisch und Milchprodukten den Rücken zu kehren, und sich rein pflanzlich zu ernähren. Ein alter Hut für mich, aber obwohl der Film mir kein neues Wissen vermitteln konnte, brachte er mich doch dazu, drüber nachzudenken, ob ich zum Beispiel meine Kinder doch ein bisschen mehr in die vegane Richtung lenken sollte. Bisher habe ich das nicht getan, weil ich denke, dass das eine persönliche Entscheidung sein muss, die ich für meine Kinder ab einem gewissen Alter nicht mehr treffen kann.

***

Für heute war’s das schon wieder, ich wünsche euch ein schönes, sonniges Herbstwochenende!