Brot backen.

Meine Tage sind weiterhin vollgestopft und anstrengend. Aber erfolgreich: Das Mädchen ist nach wie vor sondenfrei und hat während der Sondenentwöhnung sogar zugenommen! Wir haben jetzt endlich die magische 8- Kilo- Marke geknackt und bewegen uns hoffentlich noch ein bisschen weiter nach oben. Ich möchte euch für eure netten Mails danken, die ich immer gerne lese – nehmt es mir nicht übel, dass ich derzeit nicht zum Antworten komme. Ich hoffe, ich kann das zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.
Eine Sache, die ich trotz allem Stress geschafft habe, wieder regelmäßig in meinen Alltag zu integrieren, ist das Brotbacken. Seit einigen Jahren backe ich den überwiegenden Teil unseres Brotes selbst;  jeden Montag 2 Laibe, die uns dann bis Samstags reichen. Sonntags kaufen wir Brötchen und Croissants beim Bäcker. Über den vergangenen Winter ist mir mein Sauerteigtierchen verreckt, aber dank einer Spende der Meisterbäckerin Distel weht seit einiger Zeit wieder regelmäßig Brotduft durch unsere Wohnung. Ein so grundlegendes Nahrungsmittel wie Brot selber und in einer guten Qualität herstellen zu können, hat für mich etwas sehr ursprüngliches, erdendes, fast beruhigendes. Der kleine Sohn, der zur Zeit gerne Zitate aus Kinderbüchern auf andere Kontexte umdichtet, traf neulich irgendwie den Nagel auf den Kopf, als er sagte: „Wenn man eine Mama hat, die Brot backen kann, braucht man sich vor nichts zu fürchten!“ – na, wer errät, wie der Satz im Original heißt?

Schön rundwirken geht anders, aber heute ist ein stresstag mit wenig muße.

Perfekt!

homemade bread.

Nach einiger Ausprobiererei habe ich nun ein Standard- Brotrezept, nach dem ich jeden Montag unser Brot backe. Es ist abgelehnt an das 7-Pfünder- Hausbrot von brotDoc, was wahlweise einen riesigen Laib oder wie bei uns, zwei dicke große Laibe ergibt.

Am Vorabend den Sauerteig ansetzen. Dazu

464 g Roggenmehl 1150
371 ml Wasser
46g Roggen- Anstellgut 
miteinander vermischen. Den Backofen auf 50°C vorheizen und dann ausschalten, den Sauerteig mit Folie Abdecken und 12 Stunden darin gehen lassen.

Ebenfalls am Vorabend wird das Quellstück vorbereitet. Die Zutaten dazu variieren bei mir immer. Mal nehme ich nur Sonnenblumenkerne, mal eine Mischung aus Sonnenblumenkernen, Leinsamen und Sesam, dann auch mal eine Mischung aus geschroteten Getreiden. Insgesamt sind es jedenfalls immer
150g Ölsaaten- oder Getreideschrotmischung, die ich mit
600ml kochendem Wasser und
2g Salz
überbrühe, und dann über Nacht quellen lasse.

Am nächsten Tag bereite ich den Hauptteig zu. Dazu nehme ich
den Sauerteig
das Quellstück (edit: Wasser, das beim Quellen übrigbleibt, wird weggeschüttet und nicht mitverwendet!)
und vermische die beiden mit
861g Roggenmehl 1150
525g Weizenmehl 1050
850ml Wasser
45g Salz
2 Tütchen Trockenhefe

homemade bread.

vegetarische delikatessen.

Das ganze verknete ich (mit den Händen; man kann aber auch eine ausreichend starke Küchenmaschine zu Hilfe nehmen) zu einer homogenen Teigmasse, wobei „kneten“ hier vielmehr das gleichmäßige vermischen aller Zutaten meint. Dann wird die Schüssel wieder mit Folie abgedeckt und der Teig nochmal 45 Minuten Ruhen gelassen.
Zwei Gärkörbchen für 1,5kg Teig mit einem Küchentuch auskleiden und das Küchentuch mit etwas Roggenmehl bestäuben. Den Teig aus der Schüssel auf die bemehlte Arbeitsfläche kippen, in 2 Hälften teilen und jedes der Teigstücke einigermaßen rund wirken – das heißt: Eine Teigkarte unter den Rand des Teigstücks schieben, den Teig nach oben klappen und in der Mitte des Teigstücks leicht festdrücken. Das ganze einmal rund herum praktizieren.Das Teigstück dann in den Gärkorb befördern, abdecken und nochmal 45 Minuten gehen lassen. Rechtzeitig den Backofen auf 230°C vorheizen. Nach der Garzeit die Teigstücke auf ein mit Backpapier ausgelegtes Bleck stürzen und in den Ofen schieben. 2 Minuten trocken backen, dann eine Tasse heißes Wasser auf den Ofenboden kippen. 10 Minuten im Dampf backen, dann die Ofentür kurz aufmachen, um den Dampf abzulassen. Hitze auf 210°C reduzieren und das Brot noch etwa 45 Minuten weiterbacken lassen (wenn man den ganzen Teig zu einem großen Laib verbacken will, liegt die Backzeit ab hier bei etwa 80 Minuten). Das Brot ist gut, wenn es beim Klopfen auf der Unterseite einen dunklen, hohlen Ton gibt. Am besten auf einem Gitterrost auskühlen lassen.

Dieses Brot hält sich wirklich die ganze Woche gut frisch – ist aber natürlich knusperfrisch am Abend des Backtags eine besondere Delikatesse. Wir feiern unser frisch gebackenes Brot jeden Montag abend, in dem ich meist Schnitten vorbereite – jetzt zur Frühlingszeit mit Schnittlauch, Kresse und Radieschen; für die Jungs und den Mann auch gerne mit Käse oder Eierscheiben. Dazu gibt’s einen grünen Salat, und so insgesamt ist das wirklich ein verflucht leckeres Abendessen, auf das wir uns ab Dienstags dann schon wieder freuen.

15 Kommentare

  1. jette
    Am 07.05.2014 um 21:39:55 Uhr [Link]

    ich kann es fast riechen dein brot…herrlich! ich hatte in portugal auch einen sauerteig angesetzt und ein paarmalgebacken, bis er mir leider auch verreckt ist. aber ich hatte garkeine hefe zugetan. was macht denn zusätzliche hefe für einen unterschied? kann man nicht auch einfach mehr sauerteig zutun?

    liebe grüße an alle und besonders ans mädchen- freut uns sehr!

    • ella
      Am 08.05.2014 um 13:14:29 Uhr [Link]

      die hefe ist eigentlich nur ein hilfsmittel, „echtes“ sauerteigbrot kommt ohne aus. Ob es bei diesem rezept ohne hefe klappen würde, kann ich dir leider nicht sagen; ich hab sie gern dabei, weil ich mir dann sicherer sein kann, dass das brot gescheit aufgeht…ohne hefe bin ich immer schisshasig ;)

  2. Micha
    Am 07.05.2014 um 22:31:55 Uhr [Link]

    Klingt nach Janosch :-)! Das mit dem Brot backen habe ich bisher nicht hinbekommen, stelle mir den Duft und Geschmack aber ganz wunderbar vor.
    LG, Micha

    • ella
      Am 08.05.2014 um 13:20:41 Uhr [Link]

      Jaaa, Janosch :)

  3. Ramona
    Am 07.05.2014 um 22:56:29 Uhr [Link]

    Janosch!
    Das Brot sieht toll aus. ich bekomme Lust, das Rezept nachzubacken, scheue mich aber etwas vor dem Aufwand. Funktioniert es auch mit Dinkelmehl statt Weizen?

    • ella
      Am 08.05.2014 um 13:20:21 Uhr [Link]

      Genau, janosch! :)
      So arg finde ich den Aufwand gar nicht. Man muss nur ausbaldowern, wann man den Sauerteig ansetzt, damit die Arbeitsschritte am nächsten Tag gut Platz haben im Vormittagsablauf. Mit Dinkel würde ich es einfach mal ausprobieren. Erfahrungswerte habe ich da bei diesem Brotrezept keine; aber da der Weizenmehlanteil, den man dann durch Dinkel ersetzen würde, ja recht klein ist, würde ich meinen, dass das eigentlich problemlos klappen müsste. Gutes Gelingen!

  4. Sandra
    Am 08.05.2014 um 09:33:33 Uhr [Link]

    Huhu :)
    Na endlich das Rezept. Ich backe auch seit Jahren immer, wenn grade der richtige Moment ist. Aber so schön wie Du hab ich’s bisher noch nicht hinbekommen.

    Steh nicht unbedingt (beziehungsweise nicht immer) auf Sauerteig. Aber ich muss das ausprobieren!

    Bis bald

    • ella
      Am 08.05.2014 um 13:16:09 Uhr [Link]

      es ist wirklich popeleinfach :) viel erfolg!

  5. Frau PN
    Am 09.05.2014 um 21:20:39 Uhr [Link]

    Lecker!

    Liest sich erstmal nach viel Aufwand. Aber ich werd das bei Gelegenheit mal probieren *ausdruck*

    Ich backe ja gern mal „schnelles Brot“. Einfach Mehl, Hefe, Wasser, etwas Essig und Saaten nach Geschmack mischen und backen. Braucht nichtmal gehen. Wird auch was und schmeckt auch gut :-)
    Aber Deins ist ja richtig tolles Handwerk….

    Die 2 Laibe reichen Euch wirklich eine knappe Woche? Ich muss das ausprobieren…

    Lieben Dank fürs Teilen.

    P.S. was meint Ihr mit Janosch?

    • ella
      Am 09.05.2014 um 21:27:43 Uhr [Link]

      wir haben sogar am ende jeder woche noch ca. einen halben laib übrig. oft verschenke ich auch einen, und der zweite laib reicht uns dann immer noch.

      • Frau PN
        Am 13.05.2014 um 22:04:47 Uhr [Link]

        Ich glaub wir sind Vielfraße…
        Wenn ich Brot selbst backe, ist das innerhalb eines halben Tages/Tages alle… *hüstel*
        Ich kaufe mindestens 2 Brote in der Woche.

        Mmhhh…

      • Frau PN
        Am 13.05.2014 um 22:05:56 Uhr [Link]

        P.S. und das mit Janosch hab ich jetzt natürlich kapiert. Ich dachte alle reden vom Brot und hatte das mit der Frage nach dem Zitat am Ende des Textes schon wieder vergessen ;-)

  6. Brotdoc
    Am 10.05.2014 um 14:07:38 Uhr [Link]

    Na das bekommst Du doch toll hin! Wünsche Dir alles Gute für Dein Kind!
    Björn

    • ella
      Am 10.05.2014 um 14:48:58 Uhr [Link]

      Danke! :)

  7. Sonnenspross
    Am 12.05.2014 um 17:35:03 Uhr [Link]

    wer eine freundin hat die ein pferdchen ist, einen freund der fliegen kann und eine mutter die napfkuchen mit rosinen backt, der braucht sich vor nix zu fürchten! so oder so ähnlich sagt schnuddelbuddel und auch bei uns wird das immer wieder gerne zitiert! toll deine brote! ich muss unbedingt auch wieder anfangen!
    grüße und machs ganz gut mit deinen männern und deiner maus!

Mehr lesen:

Vorheriger Artikel:
Nächster Artikel: