Für euch getestet: SnapPap, ein veganes Leder aus Papier.

Halleluja, endlich mal wieder ein Blogbeitrag! Schon über eine Woche ist der letzte her, und das kommt mir fast vor wie eine Ewigkeit. Grund für meine Abwesenheit war die enorme Hitze; 7 Tage lang pendelten wir hier zwischen 36 und 39 Grad. Das hat nicht nur mir zugesetzt (ich vertrage Hitze nicht gut), sondern auch unserer Internetverbindung: Angeblich wegen der hohen Außentemperaturen ist irgendwas im Verteilerkasten kauputtgegangen, weswegen wir 4 Tage ohne Internet und Festnetztelefon waren. Aber auch, wenn meine Hauptaktivität bei Wassermelone essen und schwitzen lag, war ich nicht ganz untätig, denn ich habe was für euch getestet. Nun bin ich zwar ein bisschen spät dran, denn SnapPap wurde bereits vorgestern bei Snaply gelauncht. Ich durfte das neuartige Material exklusiv vorab unter die Lupe nehmen und da es mich sehr begeistert hat, will ich euch die Ergebnisse meiner Testerei und eine kleine Materialkunde dennoch nicht vorenthalten.

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Vor dem Waschen


Was ist SnapPap?

SnapPap ist ein Verbundstoff: Papier mit einem Kern aus Kunststoff. Das macht es sehr stabil und extrem reißfest. Ihr könnt an dem Material zerren und reißen, wie ihr wollt: Ihr werdet es kaum kaputtkriegen. Wenn es frisch zu euch kommt, sieht es aus wie dicker Tonkarton. Nach dem Waschen wird es weicher und bekommt eine lederartige Oberflächenstruktur. Um die richtig schön zur Geltung zu bringen, sollte man das Material ordentlich durchkneten – keine Sorge, man kann es hinterher wieder glattbügeln (dazu gleich mehr); die Lederoptik bleibt dann erhalten.

Was kann man mit SnapPap machen?

Oh-mein-Gott: SO VIEL. Eigentlich praktisch fast ALLES. SnapPap ist unglaublich wandelbar und vielseitig. Aber mal langsam und eins nach dem anderen:

Nach dem Waschen

Nach dem Waschen

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Waschen: Ja, SnapPap lässt sich absolut problemlos in der Maschine waschen. Ich habe meine Testbögen bei 40 Grad ganz normal in einer Maschine mit Kleidung mitgewaschen. Es färbt nicht aus, es nimmt keine Farbe an, es fusselt nicht, es löst sich nicht auf. Wenn es aus der Maschine kommt, ist es etwas weicher, und die Lederstruktur beginnt, sich zu zeigen. Auch in den Trockner kann man SnapPap problemlos stecken. Um die Lederstruktur richtig schön herauszuholen, kann man es kräftig kneten, knüllen drücken, quetschen. Je mehr man es auf diese Weise bearbeitet, desto schöner kommt die Lederstruktur raus, und spätestens dann sieht SnapPap echtem Leder wirklich gar nicht mehr so unähnlich.

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Bügeln: SnapPap kann mit dem Bügeleisen bei mittlerer bis hoher Hitze ganz easy gebügelt werden. Schön ist, dass es die Lederartige Struktur nach dem Waschen dabei behält, insgesamt aber wieder flacher und fester wird.

Nähen: SnapPap lässt sich wunderbar nähen. Man braucht keinen Spezialfuß, es läuft richtig schön weich und flüssig unter der Maschine durch. Allerdings empfehle ich eine etwas größere Stichlänge von 3 bis 3,5 mm. Das sieht für mich bei diesem Material einfach stimmiger aus, und außerdem wird das Material dann nicht ganz so stark perforiert. Kleinere Stichlängen sind aber auch kein Problem: Sogar besticken und mit Zierstichen versehen lässt sich SnapPap, ohne dass die Perforation reißt. Da das Material nicht ausfranst, lässt es sich unversäubert verarbeiten, so wie Wachstuch oder Filz – man muss es nicht verstürzen. A propos:

Verstürzen: Geht auch, wenn man die Nahtzugabe entweder gut zurück- oder sorgfältig einschneidet. Außerdem kann man SnapPap einfacher verstürzen, wenn man das Material im noch leicht feuchten Zustand verarbeitet. Denn wenn es feucht ist, ist es am weichsten. Hinterher lässt es sich ja problemlos trocken- und glattbügeln (siehe oben). Beim ausformen der Ecken und Kanten muss man etwas vorsichtig sein, die Naht nicht zu durchstoßen; und damit die Kanten schön ebenmäßig liegen bleiben, sollte man sie von der rechten Seite nochmal knappkantig absteppen. Da der Stoff, mit dem SnapPap kombiniert wird, ganz schön was aushalten muss, wenn verstürzt werden soll, würde ich mit Blick auf eine möglichst lange Haltbarkeit empfehlen, eher feste Stoffe, wie dickere Baumwoll- oder Leinen/Baumwollgewebe zu verwenden.

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Ungewaschen verarbeiten: Auch das geht natürlich und hat seinen Reiz. Ich kann mir das sehr gut für Mappen vorstellen, oder um kleine Notizhefte selbst zu binden. Auch habe ich gesehen, dass einige Andere Tester*innen das Material im ungewaschenen Zustand mit dem Plotter bearbeitet, beispielsweise eine Spitzenbordüre hineingeschnitten haben. Sieht sehr schön aus, und wieder ganz anders.

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Verschönern: Man kann SnapPap auf unglaublich vielseitige Weise verschönern und individualisieren. Wenn ihr auf instagram unter dem hashtag #SnapPap browst, bekommt ihr einen Eindruck, wie unfassbar vielseitig das Material ist: Man kann es besticken (auch mit der Maschine), bemalen, bestempeln, beplottern, prägen, bedrucken, mit Transferfolie Motive aufbügeln…und noch viel, viel mehr. SnapPap kann 1000 Gesichter annehmen und sieht jedes Mal ganz anders aus. Noch mehr Ideen, Designbeispiele und Tipps findet ihr auf snap-pap.de.

Fazit: Ich finde SnapPap ein wunderbare Material, das sich im Accessoirebereich tatsächlich gut als Alternative zu tierischem Leder eignet. Es ist wirklich ein verblüffendes Zeug, dass einen erstmal mit großen Fragezeichen in den Augen da stehen lässt, eine*n aber auf lauter spannende neue Ideen bringt, wenn man erstmal angefangen hat, sich eingehend damit zu beschäftigen. Ich habe daraus Stricknadelrollen genäht, die ich euch auch zeigen werde, sobald sie ganz fertig sind. SnapPap, so wie die zugehörige Transferfolie bekommt ihr bei Snaply.

Andere Blogger*innen haben auch über SnapPap geschrieben; besonders empfehlenswert finde ich die Beiträge von Frau Scheiner und Regenbogenbuntes. Viel Spaß mit SnapPap!

 

6 Kommentare

  1. antje
    Am 09.07.2015 um 12:56:57 Uhr [Link]

    Obwohl ich zunext an eine Tasche gedacht habe: wäre es wohl auch für Kleidung geeignet?!
    lG
    antje

    • ella
      Am 09.07.2015 um 13:22:03 Uhr [Link]

      hmmm…für eine mütze oder kappe bestimmt, vielleicht sogar noch für einen rock – aber für hosen und oberteile ist es dann doch zu wenig dehnbar und zu fest, würde ich meinen.

  2. Susanne Burst
    Am 09.07.2015 um 13:51:15 Uhr [Link]

    Ist es das Zeug, aus dem die „unkaputtbaren“ Pixibücher sind? Das muss etwas Ähnliches sein, ich habe mich schon immer gefragt, woraus sie bestehen.
    Wobei die Kinder immer wieder die Frage aufgeworfen haben, ob man sie wohl zerschneiden könnte. Das müsste demnach ja funktionieren ;-).

    Danke für den Tipp, Leder ist schon wirklich schwierig zu vermeiden, auch als Vegetarierin.

    Liebe Grüße

    Susanne

  3. irene
    Am 09.07.2015 um 17:35:15 Uhr [Link]

    Super. Danke für den Bericht. Ich suche gerade nach einem Lederersatz, der für Sohlen von Filzpantoffeln geeignet ist. Versuch macht klug. Ich hoffe auf eine neue Eiszeit, denn filzen bei den hohen Temperaturen macht nicht wirklich Spaß. Viele Grüße

  4. Anita
    Am 10.07.2015 um 06:34:44 Uhr [Link]

    Liebe Ella,
    einen süßen und sehr hilfreichen Testbericht hast Du geschrieben. Es ist echt verrückt, wie spannend das Material ist :)
    Herzliche Grüße,
    Anita

  5. Karin
    Am 10.07.2015 um 06:48:33 Uhr [Link]

    Lieben Dank für den Bericht. Ist das vegane Leder nach dem Waschen eingesprungen?

    Ich finde es toll und werde heute jeweils einen Teil waschen (wohl vorher einweichen, damit es besser in die Maschine passt) und einen Teil ungewaschen lassen. Sieht beides toll aus.
    Habe nur Angst, dass es in der Maschine reisst – ist es besser im Säckchen zu waschen….irgendwie bin ich da ganz vorsichtig :)

    lg Karin

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