Auf Perlensuche im Wald – magische Baumperlen

IMG_20160517_102807 (1)Der gestrige Pfingstmontag war bei uns ziemlich verregnet. Der große Sohn hatte gestern schon seinen ersten Tag in der Ferienbetreuung, und der kleine hat sich zu Hause gelangweilt. Also sind wir beide, wetterfest eingepackt, auf Expidition in den Wald gegangen.

Wald geht immer. Auch nach vielen Jahren Waldkindergarten und ungezählten Wanderungen und Spaziergängen wird der Wald für meine Kinder nie langweilig. Es gibt immer was zu entdecken. Zum Beispiel Wildschweinspuren. Einen schönen Stenz, so nennt man von Rankpflanzen umschlungene Äste oder dünne Baumstämme, aus denen gerne Wanderstöcke gemacht werden. Streetart mitten im Wald. Umgestürzte Bäume.

 

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Aber es gibt auch Dinge zu entdecken, für die man etwas genauer hingucken muss: Baumperlen. Das sind „Knubbel“ in verschiedensten Größen, die an Baumstämmen wachsen. Meistens auf unterer bis mittlerer Höhe; am häufigsten findet man sie an Buchen und anderen Bäumen mit relativ glatter Rindenoberfläche. Baumperlen bilden sich, wenn der Baum eine Verletzung der Rinde ausheilt, oder einen Fremdkörper abstößt. Aus diesem Grund werden diesen Baumperlen auch gerne magische Heilkräfte zugeschrieben. Ist die Heilung abgeschlossen, fällt die Baumperle irgendwann ab – oder lässt sich ganz leicht mit den Fingern lösen.

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Wenn man sich daran hält, wirklich nur die Perlen zu nehmen, die sich ohne großen Kraftaufwand lösen lassen, fügt man dem Baum keine Verletzung zu – bei diesen Exemplaren besteht keine Verbindung zwischen Perle und Stammholz. Baumperlen, die so fest sitzen, dass man Werkzeug, etwa ein Messer oder einen Hammer, bräuchte, um sie zu lösen, würde ich persönlich nicht empfehlen, abzunehmen. Ich hätte zu große Bedenken, dem Baum erneut eine Wunde zuzufügen, und wenn es blöd läuft, kann auch eine relativ kleine Wunde un der Rinde zu einem großen Problem für den ganzen Baum werden. Außerdem ist etwas, das man sich mit Gewalt nimmt, kein Geschenk, sondern ein Raub. Bei solchen Dingen bleibe ich einfach eine hoffnungslose Baumumarmerin.

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Hat man ein paar Baumperlen gefunden, sollte man sich möglichst bald dran machen, die umgebende Rinde abzuschälen. Bei richtig reifen Baumperlen geht das mit der Hand, bei anderen muss man ein Taschenmesser zu Hilfe nehmen. Die besten Jahreszeiten für die Baumperlenernte sind Frühjahr und Herbst, wenn die Bäume Saft ziehen und die Schale sich am leichtesten lösen lässt.

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Manche Baumperlen sind ganz glatt, wie kleine Handschmeichler. Auf den Baumperlen der Eiche kann man oft sogar richtige Jahresringe erkennen. So eine Perle ist also oft über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg gewachsen. Schon allein deshalb gebührt der Sache ein gewisser Respekt, finde ich.

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Andere haben pieksige kleine „Zapfen“ – die würde ich etwas abschmirgeln, bevor ich ein Armband oder eine Kette draus mache. Manche verfärben sich nach dem Schälen.

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Andere sind mehrfarbig, oder haben spannende Verwachsungen. Wieder andere sind mit einem Teil der Rinde so fest verwachsen, dass sie sich kaum herauslösen lassen – aber der Kontrast zwischen hell und dunkel, rauh und glatt kann auch sehr schön sein.

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Manche Perlen sehen von einer Seite total unscheinbar aus, und von der anderen Seite wie ein eingefasster Edelstein.

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Und dann gibt es noch Perlen, die eher Flach sind oder innen hohl. Größere Exemplare dieser Art sehen dann oft aus, wie kleine Schüsselchen und können als solche auch genutzt werden.
Baumperlen suchen und schälen ist eine super Beschäftigung – ich liebe es! Aber natürlich ist es auch für Kinder ein schönes kleines Abenteuer, bei dem man gleichzeitig auch noch ein bisschen Baumkunde vermitteln kann. Und wenn dann noch das Taschenmesser zum Einsatz kommen kann, sind meine Jungs sowieso hellauf begeistert. Wie bereits erwähnt, würde ich am ehesten Schmuck aus diesen kleinen Schätzen machen. Dazu kann man die Baumperlen mit etwas Olivenöl abreiben, vorsichtig durchbohren und auf eine Lederschnur auffädeln. Wenn ich noch einige mehr gesammelt habe, mache ich aus den kleinen vielleicht ein Armband, und aus den größeren Kettenanhänger.

Links zum Weiterlesen:

Baumperlen finden – Fundstücke mit Bedeutung
Baumperlen als Kraft- und Medizinschmuck
Baumperlen tauchen – Youtube
Beispiele für schönen Schmuck aus Baumperlen

 

 

 

2 Kommentare

  1. Frau Jule
    Am 17.05.2016 um 17:07:30 Uhr [Link]

    und somit hast du auch noch einer alten waldläuferin etwas beigebracht. da werde ich das nächste mal auf die suche gehen, wenn ich im wald bin. das finde ich sehr spannend! danke dafür!
    liebe grüße,
    jule*

  2. Helena
    Am 17.05.2016 um 18:14:57 Uhr [Link]

    Diese Perlen haber ich als Kind immer gesammelt, sehr schön :D

    Liebe Grüße,
    Helena

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